Schill

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Ludwig Achim von Arnim: Schill (1809)

1
Alle Straßen stehen voller Leute,
2
Keiner sieht den Andern an,
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Wie viel Thränen fallen heute
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Um den einen Mann,
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Doch von Tausend war nicht einer
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Der ist wie Schill, nein keiner, keiner;

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Wenn für uns der Herrlichste gefallen,
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Wofür leben wir in Schand',
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Laßt die Feuerglocken schallen,
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Zeigt der Liebe Brand,
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Daß sie in der Gluth der Rache
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Ihm die Todtenfeier mache.

13
Scharfe Sensen hebet zu dem Streite,
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Eure Hände hebt empor,
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Betet, daß euch Gott begleite,
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Allesammt im Chor,
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So wie Schill vor's Thor,
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Und dann frisch mit Gottes Segen
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Gleich dem bösen Feind entgegen.

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Allen Deutschen hat es Schill beschworen,
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Jeder Deutsche lebe frei,
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Die sich ihren Tod erkoren,
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Ihrem Lande treu,
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Aber nicht wie Opferthiere fallen
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Fremden Götzen zu Gefallen.

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Hundert Meilen ist er hingezogen,
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Aus Chursachsen nach Stralsund,
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Zu verkünden, wie betrogen
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Die im Rheinschen Bund,
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Daß sie nur Franzosenknechte
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Zeigt er ihnen im Gefechte.

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Hört, es schlug bei Todtendorf so prächtig,
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Hieb mit seiner Reiterei
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Die Franzosen, die so mächtig,
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Ließ Westphalen frei,
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Daß sie alle Ohren dann verkünden,
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Wie es sie vom Joche wollt' entbinden.

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Zeigen wollte er da allen Seinen,
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Die Kanonen sei'n zum Spott,
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Wo's die Leute ehrlich meinen,
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Ist mit ihnen Gott,
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Ihre Säbel hau'n zusammen,
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Alle wilde Pulverflammen

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Festung Dömitz hat er eingenommen
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Mit der Ohrfeig' ganz allein,
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Die die Schildwach hat bekommen,
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Und sie ließ ihn ein.
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Bei Hitzacker die Holländer,
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Machten sich noch viel elender.

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Bei Damgarten er mit Macht zerstreute
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Selbst das mecklenburgsche Heer,
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Und Stralsund vom Feind befreite,
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Der es drückte schwer;
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Hat erstürmt dreihundert der Kanonen,
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Die Franzosen tödtet ohne Schonen.

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Hier vernimmt er, daß sein König zürne,
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Und der Gram verzehrt ihn ganz,
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Ew'ge Unruh martert ihn im Hirne
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Und ihn drückt der Kranz;
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Sterben will er da mit allen Seinen,
61
Seine Treue soll darin erscheinen.

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Er verweilet bis sein Schiff verbrennet,
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Bis ein mächtig dänsches Heer,
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Mit Gewalt ihn hat berennet,
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Fiel mancher Schuß so schwer,
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Bis sie ins Thor gedrungen
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Ist mancher Kopf gesprungen.

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Alle Seinen sind ihm treu gefallen,
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England schicket ihm ein Boot,
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Daß er sie einst räche Alle,
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Doch er will den Tod,
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Reitet ganz allein zurücke,
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Ruhig wie im alten Glücke.

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Ihm entgegen vor dem Regimente
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Reitet Genral Carteret,
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Und den schießt er wie die Ente,
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Daß er untergeht.
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Doch die Kugeln speihen ihm entgegen,
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Unsern Schill zur Ruhe legen.

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Lag er doch schon todt bei Vierzehnheilgen,
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Doch er träumte neuen Sieg,
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Wachte auf nach einem Weilchen,
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Machte seinen Krieg
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Mit drei Männern, die sich ihm verbunden,
85
So genas er erst von seinen Wunden.

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Die Gesunden all' sich übergeben.
87
Er, verwundet, macht sich frei,
88
Weiß ganz Pommern zu beleben,
89
Colberg bleibet treu.
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Und aus Dreien werden Tausend,
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Die den Feinden wurden grausend.

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Liegt er jetzt vielleicht an seinen Wunden,
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Er vergißt uns sicher nicht,
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Alles Glück hält seine Wunden,
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Wie das Tageslicht.
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Auf, bereitet euch zum muth'gen Streiten,
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Und er kommt, wird unserm Sieg begleiten.

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Hört! die schwarzen Rächer ziehen,
99
Todtenköpfe vor der Stirn,
100
Rachegluth in ihren Herzen glühen,
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Glühn in ihrem Hirn.
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Schill hat ihren Weg gebahnet,
103
Hört ihr, wie das Horn euch mahnet
104
Mitzuziehen euch ermahnet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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