Die Wahrsagerin

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Ludwig Achim von Arnim: Die Wahrsagerin (1807)

1
Vater von allen,
2
Was soll ich flehen?
3
Klagen erschallen,
4
Müde Seufzer ergehen;
5
Woher der Wind mag wehen,
6
Wohin die Fahnen stehen,
7
Fürchten und Hoffen,
8
Donnernd steht der Himmel offen.

9
Was soll ich beten,
10
Bittend abwenden?
11
Über dem Beten
12
Schon mit
13
Woher die Boten kommen,
14
Sind alle schon beklommen,
15
Fürchten nicht Hoffen
16
Lebet in der Erd' verschlossen.

17
Löse entbinde
18
Meine Geschwinden
19
Über dem Winde,
20
Ahndend Schicksal zu künden!
21
Bin meines Schicksals müde,
22
Der Zauberkessel siede,
23
Fürchten und Hoffen,
24
Brause zu der Erde offen.

25
Lasse die Karten
26
Friedlicher fallen,
27
Menschlich wir warten,
28
Halten's zürnend mit allen;
29
Wer kann Vernichten künden,
30
Es weht in allen Winden,
31
Läßt sich nicht bannen,
32
Thränen von dem Himmel rannen.

33
Blaugrüne Reihen
34
Drängen wie Wellen,
35
Fürchterlich dräuen,
36
An der Küste zerschellen!
37
Ich kann nicht Sieger finden!
38
Ein Geist will sich verkünden!
39
Alle betroffen!
40
Schrecken scheidet Streit und Hoffen!

41
Keiner geht weiter,
42
Alle beklommen;
43
Wer ist der Streiter,
44
Der für uns kommen?
45
Um den wir all' noch weinen,
46
Er führet an die Reinen,
47
Über den Höhen
48
Könnt ihr ihn als Stern schon sehen.

49
Reißen im Eise
50
Drohende Spalten,
51
Endet die Reise,
52
Laßt gewarnet euch halten!
53
Es stürzt ein Sturm die Wälder
54
Und trennt die blut'gen Felder;
55
Nein ich vergehe,
56
Über'm Sehn vergeht das Sehen.

57
Vater von allen,
58
Was soll ich flehen?
59
Klagen erschallen,
60
Schmerzensseufzer ergehen,
61
Woher der Wind mag wehen,
62
Wohin die Fahnen stehen,
63
Fürchten und Hoffen,
64
Donnernd steht der Himmel offen.

65
Nächtliche Feuer,
66
Feindegetümmel,
67
Stören die Feier,
68
Stürmten gern den Himmel.
69
Er läßt sich nicht erstürmen,
70
Die Fahnen stehn auf Thürmen.
71
Gott wird sie halten,
72
Wird der Feinde Wuth erkalten.

73
Löse in Ruhe
74
Menschlich Geschäfte,
75
Winter umthue
76
All' sünd'gende Kräfte,
77
Mit kalter weißer Decke,
78
Daß Unglück sich verstecke,
79
Augen voll Thränen
80
Mögen sie in Unschuld wähnen.

81
Fliehen die Feinde,
82
Brennen mit Lachen
83
Tobende Freunde
84
Hirtenhäuser zum Wachen;
85
Vom Heerd ist nichts geblieben,
86
Die Heerden sind vertrieben.
87
Lieber Gott! schreiend,
88
Flieht der Hirt dem Himmel dräuend.

89
Lämmlein, von allen
90
Einzig ihm blieben,
91
Wölfe anfallen,
92
Kommend witternd von drüben,
93
Sie sind vom Wind geladen,
94
Die Todten zu begraben,
95
Heldenlied schweiget,
96
Heulend sie der Wolf umreiget.

97
Schon ist vergessen
98
Eigenes Leiden,
99
Nimmer vermessen
100
Stör' ich ahndend die Freuden.
101
Und sollt' es auch geschehen,
102
Ich will's voraus nicht sehen,
103
Fürchten und Hoffen,
104
Wie mir steht die Zukunft offen.

105
Wisset es glühet
106
Heilig im Sitze,
107
Über mir ziehet
108
Kühlung labend im Blitze,
109
Die Thränen fallen alle
110
Im Becher ein mit Schalle,
111
Trink' sie du Rächer,
112
Schrecklich ist ein Thränenzecher.

113
Lächelnd verzweifeln
114
Ist ein Entsetzen
115
Nicht in den Zweifeln
116
Ist des Zaubers Ergötzen,
117
Die Sterne stehen feste,
118
Es geht noch all auf's beste,
119
Glaubet dem Hoffen,
120
Bläulich steht der Himmel offen.

121
Auge der Liebe
122
Über den Schlachten,
123
Nimmermehr trübe,
124
Laß dich wieder betrachten,
125
Wie von Erinnerungen
126
Von Sternen so durchdrungen,
127
Glauben und Hoffen
128
Hält dich segnend für uns offen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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