Warnung

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Achim von Arnim: Warnung (1806)

1
Ufer von Sand, du rauschend verschwiegne Öde
2
Zermalmeten Gebeins,
3
Ich flieh dich nicht so schnöde!
4
Ich wähne und ich mein',
5
Daß ich den Strom noch sehe,
6
Er war so hell und blau,
7
Die Fischlein sah ich gehen,
8
Und was ich nunmehr schau! –

9
Felsen von Eis voll Wiederhall ohne Stimme!
10
Wo ist mein altes Haus.
11
Verscholl'n in deinem Grimme,
12
Zerschmettert in deinem Graus!
13
Zerrissen flattert die Decke
14
Des blauen heitern Saals,
15
Schwankt über sich im Schrecke,
16
Euch schaue ich zumal –

17
Hohläugig weiße Gasse, die verstellte,
18
Du flüssiger kalter Stein,
19
Das Licht erlischt von Kälte,
20
Da giebt's nur leeren Schein,
21
Des Sandes Körner sinken
22
Wie helle Sternensaat,
23
Und allesammt ertrinken
24
In der getäuschten Stadt.

25
Willst du im Zufall deine Hoffnung schauen,
26
So laß die Kräfte frei,
27
Mußt eigner Kraft vertrauen,
28
Die fremde ist nicht treu;
29
Willst du der fremden trauen,
30
Saug ein den Siegerstrom,
31
Im neuen Land laß bauen,
32
Den neuen höhern Thron.

33
Willst du das Eis im Strom noch träge wähnen,
34
Wenn schon der Strom erwacht,
35
Eis wird an's Land zu lehnen,
36
Durchreißen in die Nacht.
37
Im Sturm kein ruhig Leben,
38
Er wühlt dir schon ein Grab,
39
Du mußt dir Dämme geben,
40
Sonst reißt er dich hinab.

41
Willst du versöhnen, was im Sturme tobet,
42
Der Sturm belebt die Welt,
43
Und wen die Welt nur lobet,
44
Ist der, der sie erhält;
45
Entschlag' dich den Gedanken,
46
Den Sturm löscht Gegensturm,
47
Die Sonne steigt ohn' Wanken,
48
Glänzt hell am kleinsten Wurm.

49
Winke mir nicht zu gehn und still zu schweigen,
50
Wirf keine Muschel hin,
51
So lang' noch etwas dein, ich will nicht scheiden,
52
Es lieget mir im Sinn,
53
Daß müde meiner Klagen,
54
Erdrückst den Treuen dein,
55
Dir Vaterland zu sagen:
56
»siehst du des Wahnsinns Schein?«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.