Der Jägersmann

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Ludwig Achim von Arnim: Der Jägersmann (1806)

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Nicht schießen soll der Jägersmann,
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Er soll das Wild nun schonen,
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Er giebt es Stück für Stück euch an,
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Wie viel im Walde wohnen.

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Vor niemand scheuet sich das Wild,
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Sich gegen Bauern wehret,
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Der zahme Bauer leise schilt,
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Wenn es die Saat verzehret.

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Verzehrt die Saat kein Hochgewild,
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Das Jagdroß tritt sie nieder,
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Der Fürst, der wenn es Hetzen gilt
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Nicht schont die eignen Glieder.

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Und ist der Hirsch so lendenlahm
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Als wie die armen Bauern,
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Da sieht ihn weinen eine Dam'
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Und muß ihn sehr bedauern.

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Das Leben wird ihm dann geschenkt,
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Die weiche Dam' gepriesen,
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Der Bauer endlich todt ihn denkt,
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Sieht wieder ihn auf Wiesen.

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Er schöß' ihn gern, hat kein Gewehr,
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Der Fürst hat es genommen,
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Auf sich genommen aller Ehr',
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Und so ist sie verkommen.

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Er denkt, er hat ein großes Heer,
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Doch wenn einst Feinde kommen,
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Sie schießen in den Wind so leer,
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Der Schuß macht sie beklommen.

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Der Jäger hat darum nicht Rast,
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Hat Nachts den Wald durchkrochen,
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Daß er den Dieb gleich find' und faßt,
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Der Holz im Wald gebrochen.

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Die Luft ist dünn und schallet kaum,
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An Sternen ist ein Flimmern,
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Als fielen sie, der Erde Saum
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Ist roth und Rädlein schimmern.

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Es borst der Baum wohl in dem Forst,
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Laß Jäger, laß dein Schleichen,
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Die Noth nur suchet da sich Trost,
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Wo Wild muß heulend weichen.

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Ein armes altes Weib er sah,
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Sie kriecht mit Reis vorüber,
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Der Frost ist ihm dem Marke nah,
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Er schlägt die Händ' querüber.

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Nun nimmt er ab, als er nun warm,
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Das Bündlein Reis mit Tücken,
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Und schlägt sie noch, daß Gott erbarm'
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Gar schmählig auf den Rücken.

49
Sie flucht: »So werde nimmer warm,
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Ein ew'ger Frost dich kälte,
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Ich bin nicht alt, ich schein' nur arm,
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Und so das Feuer gelte.«

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Er kehrt nach Hause zum Kamin,
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Ein reiches Feuer findet,
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Verbrennt den Bündel noch darin,
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Der Fluch das Feuer bindet.

57
Die Flammen wenden sich von ihm
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Wie von dem wilden Winde,
59
Sie brennen ihn, sie schmerzen ihm,
60
Und kälten ihn geschwinde.

61
Er starrt, die Sonn' beeiset ihn,
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Die Federn ihn beschneien,
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Der rasche Tanz durchzittert ihn,
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Sein Weib muß bei ihm weinen.

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Der Kirche Anblick macht ihn kalt,
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Des Pred'gers Wort durchschauert,
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So ward er jung schon weiß und alt,
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Von keinem dann betrauert.

69
Die Sklaven machen den Tyrann,
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Er kann nicht Sklaven schaffen,
71
Wo jeder Bürger fest als Mann,
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Wer soll da einen strafen.

73
Da ist der Arme nimmermehr
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Wie Sünder eingefangen,
75
Es ist des reichen Bürgers Ehr',
76
Sie gastlich zu empfangen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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