Zwei Zeiten streiten

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Ludwig Achim von Arnim: Zwei Zeiten streiten Titel entspricht 1. Vers(1807)

1
Zwei Zeiten streiten,
2
Und die veralten
3
Sich nicht mehr halten,
4
Die alten Zeiten
5
Einst waren schöne,
6
Auch Frühlingssöhne!

7
Die Frühlingssöhne
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Vom kalten Wetter
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Sind dürre Blätter,
10
Doch von Gewöhnen
11
Noch fest am Stamme,
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Es hält zusammen.

13
Die Frühlingsstürme
14
Durchziehn die Lüfte,
15
Und selbst die Klüfte
16
Belebt Gewürme,
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Es kommen Schwärme
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Mit wildem Lärmen.

19
Wozu der Tadel,
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Ihr wart einst jünger
21
Und nicht geringer,
22
Ihr Herrn von Adel,
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Doch nur mit Fechten
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Könnt ihr jetzt rechten.

25
Der ältste Herzog,
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Der soll sie führen,
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Man kann es spüren,
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Wie lang' sie scherzen,
29
Da ist kein Wachen,
30
Kein Ronden machen.

31
Sie sind umgangen,
32
Noch eh geschlagen;
33
Noch ist kein Zagen,
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Noch ist kein Bangen,
35
Der Feind mit Listen
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Will sich schon rüsten.

37
Der graue Nebel
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Der alten Zeiten,
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Der will sich breiten,
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Durchhaun vom Säbel
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Muß er sich flüchten,
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Sie stehn im Lichten.

43
Sie sind sich nahe,
44
Sich zu erreichen,
45
Will keiner weichen
46
So weit ich sahe;
47
So wird am Tage
48
Die Welt zerschlagen.

49
Der Adel stehet
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Mit seinem Blute,
51
Mit hohem Hute,
52
Daß ihr ihn sehet,
53
Sie müssen's fühlen,
54
Die Feinde zielen.

55
Noch stehn die Glieder,
56
Der Herzog grüßet,
57
Und kläglich schießet
58
Der Feind ihn nieder.
59
Der Herzog sinket,
60
Kein Führer winket.

61
Wie Opfertiere
62
Gehn die Soldaten,
63
Sind sie verrathen,
64
Daß keiner führe;
65
Da ist kein Fragen,
66
Sie sind geschlagen.

67
Es sehn mit Reuen,
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Was nun geschehen,
69
Was ungeschehen
70
Sehr viele scheuen.
71
Wer kann es sagen,
72
Ohn' Scheu zu tragen.

73
Die Helden bilden
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Nicht Väter, Güter,
75
Nur die Gemüther,
76
Nur Muth kann schilden
77
Nur kluges Schaffen
78
Mit tücht'gen Waffen.

79
Die Holden bilde
80
Mit guter Waffe
81
Und nicht mit Strafe,
82
Mit Ernst und Milde,
83
Und die Gemeinen
84
Muß Freiheit einen.

85
Mit gleichen Tritten,
86
Mit starren Augen,
87
Will keiner taugen;
88
Auch die beritten
89
Ganz trotzig ruhen,
90
Bis nichts zu thuen.

91
Steht auch wie Mauern,
92
Könnt ihr nicht streiten,
93
Wozu soll's leiten,
94
Die Feinde lauern,
95
Die gleichen Glieder,
96
Sie stürzen nieder.

97
Lauft all' zusammen
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Und kehrt dann wieder,
99
Und eure Brüder,
100
Beschwört das Stammen
101
Aus edlen Samen
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Die Gottes Namen.

103
Des Adels Wappen
104
Ist da zerstreuet,
105
Doch daß nicht reuet
106
Der bunte Lappen.

107
Wer nicht bei Zeiten
108
Das Feuer kennet,
109
Sich leicht verbrennet,
110
Und wird es meiden;
111
Drum laufen alle
112
Mit lautem Schalle.

113
Wie sollte enden,
114
Was fest gerennet,
115
Sich Weisheit nennet,
116
Das Blatt zu wenden,
117
Ward Krieg auf Erden,
118
Um gleich zu werden.

119
Die neuen Zeiten,
120
Sie nennen Adel,
121
Was ohne Tadel
122
Die Geister leiten.
123
Der Schein, die Plage
124
Versinkt am Tage.

125
Die alten Stämme,
126
Die alten Blätter
127
Herab ein Wetter,
128
Hinweg die Dämme,
129
Der Ehre Fluthen
130
In Allen gluthen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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