Götterahnen

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Ludwig Achim von Arnim: Götterahnen (1807)

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Der Erde Könige waren
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Zwei Freunde auf Sonne und Mond,
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Trabanten mit schießenden Schaaren,
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Mit Sternen sie wurden belohnt.

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Und beide, Buhlschaft zu treiben,
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Zur Erde, der Sklavin, sie sehn,
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Doch Junggesellen sie bleiben,
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Einander im Wege sie stehn.

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Sie halten Feuer in Händen
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Und theilen's der Liebenden aus,
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Doch ehe die Buhlschaft sie enden,
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Fast gehet das Feuer schon aus.

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Denn ihre Hände, sie zittern,
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Die Erde das Feuer da stahl,
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Um unten damit zu gewittern,
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Als Herrscherin funkelnd in Stahl.

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Gar tief das kränket die Alten,
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Sie gehn mit einander zu Rath,
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Im Winter zusammen sich halten.
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Sich löschend in leuchtender That.

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Sie legen aus ihren Händen
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Des Feuers erneuende Kraft,
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Sich unter die Thronen zu Bränden
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Befreiend die Flamme da schafft.

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Es brennen die heiligen Heerde
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Und Sonne und Mond da erscheint,
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Erheben sich schnell von der Erde,
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Die Erde gar bitterlich weint.

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Als sie das beide erblicket,
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Da sehen die Freunde sich an,
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Und steigen, die Hand sich zu drücken,
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Wie feurige Kugeln hinan.

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Und stürzen nun hin auf die Erde,
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Zu ruhen im Schooße der Braut,
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Es fanden sie Hirten der Heerde,
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In Tempeln die Hohen ihr schaut.

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Sie haben nicht Augen und sehen,
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Sie fühlen und haben kein Blut,
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Wir fühlen sie ungesehen,
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Doch thut uns der Anblick so gut.

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Sie scheinen nun allen gelinder
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Und sind wie Steine erstarrt,
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Doch Ernst nur erziehet die Kinder,
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Ein göttliches Leben macht hart.

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Der Erde Kinder vor ihnen
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Ergreifet die kindliche Zeit,
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Eh Unglück der Liebe erschienen,
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Eh Frühling sie wieder befreit.

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Die Thronen, die leeren, sie steigen
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Als Sonne, als Mond auf ab,
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Noch brennet das Feuer die Reigen
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Von göttlichen Zeiten herab.

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Drum wendet euch nicht zu der Sonne,
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Nicht wendet euch dienend zum Mond,
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Auf Erden noch stehet besonnen
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Die Gottheit und strafet und lohnt.

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Und ließen sie nichts vom Geschlechte,
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Sie schwängern im Geiste die Welt,
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All jeden, der schaffet das Rechte
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Als reiner ungöttlicher Held.

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So schwanket die Erde aus Wettern
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Der dunklen chaotischen Zeit,
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Die Andacht erziehet zu Göttern
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Die treulich erleuchtet ihr Leid.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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