Die Thronfolge

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Achim von Arnim: Die Thronfolge (1807)

1
Sieger der Welt ist Alexander kommen
2
Zum Abendstrand der Welt,
3
Zum Greis hinaufgeklommen,
4
Der ihm sein Zeichen stellt.

5
Sterne des Tags sich ihm zuerst da zeigen,
6
Nun sieht er erst das Meer,
7
Sieht Well' auf Welle steigen,
8
Und alles Treiben leer.

9
Kreise im Kreis der Greis geruhig drehet,
10
Und er versteht sie nicht,
11
Sein Blick sich da ergehet,
12
Wo Meer zum Himmel dicht.

13
Schwindelnd er sieht vom steilen Felsen nieder
14
Die aufgethane Lust,
15
Wie alles schwingt die Glieder
16
Und alles drehen mußt.

17
»künde mir, Greis, ist nichts mehr zu vollbringen,
18
Ist hier begrenzt die Welt,
19
Kann ich zum Thron nicht dringen,
20
Der leuchtend hingestellt?«

21
»halte den Muth und fürchte nur dich selber,
22
Du König aller Welt,
23
Die Eiche stürzet Wälder,
24
Wenn sie hernieder fällt.«

25
»eines du thust und willst es doch vermeiden,
26
Den Vater tödtest du,
27
Die Welt soll's dir verleiden,
28
Den Menschen zählen zu!«

29
»nieder, hinab, du Schänder meines Glaubens,
30
Vom Gott ich rein entsproß,
31
Sinkt mit den wilden Tauben,
32
Und lüg' im Meeresschloß!«

33
Nieder in's Meer, sein Bart umwallt ihn helle,
34
Stürzt er den Greis, der ruft:
35
»wie fall' ich schnell und schneller,
36
Schreib auf den letzten Ruf.«

37
»dank sei dir, Sohn, du bist's, ich sterb' dein Vater,
38
Versöhn' den Göttern dich,
39
Die deines Glückes, deiner Thaten
40
Voll Neid erzürnten sich.«

41
Wahrlich, der Baum erstirbt in hohem Glücke,
42
Den Schößlingsschatten stickt,
43
So glänzt im höchsten Blicke,
44
Den Sohnes Licht erdrückt.

45
»wissen stürz' Wissen!« war des Alten Wille.
46
Das Wissen wird gebeugt
47
In tiefe Meeresstille,
48
Wenn es das Thun erzeugt.

49
Größe zeugt Größe, wird vernichtet,
50
Der Thron dem Sohn zu eng,
51
Des Vaters Denkmal ist errichtet.
52
Wenn keiner seiner denkt.

53
Also gelagert, scheinen alle Flötze
54
Des Weltbaus Schicht auf Schicht,
55
Er folget dem Gesetze:
56
»das Höchste komm' zum Licht!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.