Der Thron

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Ludwig Achim von Arnim: Der Thron (1807)

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Der Krieger baut sich seinen Thron
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Aus jedem frischen Holz,
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Da meinet er sich Gottes Sohn
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Und dehnet sich so stolz,
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Und baumelt mit den Beinen dann
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Und knackt mit jedem Glied,
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Die Welt erzittert vor dem Mann,
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Wenn sie die Unart sieht.

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So in der dunklen Kammer sitzt
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Des Kriegers Poltergeist,
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Der wie ein Thron zur Sonne blitzt,
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Sein Schwert heraus schon reißt;
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Was scheinst du Sonne auch so stark,
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Siehst so geschwind und weit,
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Wo sich der gute Fürst noch barg,
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Verräth ihn Menschenfreud.

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Der Krieger haut in seinen Thron,
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Die Splittern fliegen dicht,
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Holt siegend gleich den andern schon,
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Eh' noch der alte bricht;
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Der Krieger holt ihn gleich zum Hohn,
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Den Fürsten stößt hinab,
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In dunkler Kammer wird der Thron
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So dunkel wie das Grab.

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Seht das geschah am grünen Holz.
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Wie wird's am dürren sein,
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Der alte Krieger wird so stolz,
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Meint alles endlich sein;
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Vorletzt er nahm den ältesten Thron
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Aus Eisen fest erbaut,
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Nach ewig ferner Nordlichtskron
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Er nun mit Sehnsucht schaut.

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Er haut auf seinen Eisenthron,
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Als wär's des Feindes Rest,
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Da springt sein Schwert in Funkenton,
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Die Kraft ihn da verläßt,
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Gestählt war ihm sein Herz so hart,
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Nun wird es menschlich weich,
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Es bieget sich nach Menschenart,
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Und fühlt mit andern gleich.

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Wie einer, der erwacht aus Wuth,
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Er sieht mit Schrecken nun,
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Er sog aus sich fast alles Blut
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Und meint's dem Feind zu thun;
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Muß seine Bahn so klein nun sehn,
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Nur andre zog er groß,
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Die es verschmähten hoch zu stehn,
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Weil sie schon übergroß.

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Noch keiner weiß, wo er da blieb,
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Bis keiner an ihn glaubt,
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Das grüne Holz ist allen lieb
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Und ist so frisch belaubt:
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Die Schwerter bindet, baut den Thron
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Aus Eisen, nicht aus Holz,
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So spricht euch nie ein Fremdling Hohn,
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Verwirft sich auch nicht stolz.

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Doch in der Hand, mein Fürstensohn,
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Halt nicht das scharfe Schwert,
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Halt einen grünen Zweig zum Lohn,
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Und pflanz' ihn in die Erd,
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Wenn sich nicht lobenswerthe That
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Ereigne nimmer nie,
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Damit, wenn du einst alt und matt,
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Ein Wald dich froh umzieh.

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Daß dich ein Wald mit Lust umblüh,
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Wie's blaue Firmament,
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Aus allen Landen Jene zieh,
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Die man wie Sterne nennt;
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So sammle rings, was tugendlich,
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So ist die Welt dein Reich,
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Und diesem Rath ergebe dich,
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Die Tugend macht uns gleich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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