Ein Knabe lacht sich an im Bronnen

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Ludwig Achim von Arnim: Ein Knabe lacht sich an im Bronnen Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Ein Knabe lacht sich an im Bronnen,
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Hält Festtagskuchen in der Hand,
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Er hatte lange nachgesonnen,
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Was drunten für ein neues Land.
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Gar lange hatte er gesonnen,
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Wie drunten sei der Quelle Lauf;
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So grub er endlich einen Bronnen,
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Und rufet still in sich, Glück auf!
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Ihm ist sein Kopf voll Fröhlichkeiten,
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Von selber lacht der schöne Mund,
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Er weiß nicht, was es kann bedeuten,
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Doch thut sich ihm so vieles kund.

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Er höret fern den Tanz erschallen,
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Er ist zum Tanzen noch zu jung,
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Der Wasserbilder spiegelnd Wallen
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Umzieht ihn mit Verwandelung,
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Es wandelte wie Wetterleuchten
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Der hellen Wolken Wunderschaar,
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Doch anders will es ihm noch deuchten,
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Als eine Frau sich stellet dar:
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Da weichen alle bunte Wellen,
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Sie schauet, küßt sein spiegelnd Bild,
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Er sieht sie, wo er sich mag stellen,
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Auch ist sie gar kein Spiegelbild.

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»ich hab nicht Fest, nicht Festes Kuchen,
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Bin in den Tiefen lang' verbannt!«
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So spricht sie, möchte ihn versuchen,
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Er reicht ein Glück ihr mit der Hand;
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Er kann es gar kein Wunder nennen,
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Viel wunderbarer ist ihm heut,
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In seinem Kopf die Lichter brennen
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Und ihn umfängt ganz neue Freud;
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Von seiner Schule dumpfem Zimmer,
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Von seiner Ältern Scheltwort frei,
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Umfließet ihn ein sel'ger Schimmer,
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Und alles ist ihm einerlei.

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Sie faßt die Hand, dem Knaben schaudert,
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Sie ziehet stark, der Knabe lacht,
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Kein Augenblick sein Muth verzaudert,
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Er zieht mit seiner ganzen Macht,
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Und hat sie kräftig überrungen
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Die Königin der dunklen Welt,
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Sie fürchtet harte Mißhandlungen
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Und bietet ihm ihr blankes Geld.
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»mag nicht Rubin, nicht Goldgeflimmer,«
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Der starke Knabe schmeichelnd spricht,
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»ich mag den dunklen Feuerschimmer
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Von deinem milden Angesicht.«

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»so komm zur Kühlung mit hinunter!«
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Die Königin, ihm schmeichelnd, sagt,
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»da unten blüht die Hoffnung bunter,
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Wo bleichend sich das Grün versagt.
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Dort zeige ich dir große Schätze,
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Die reich den lieben Ältern hin.
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Die
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Wie ich dir streiche über's Kinn.«
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So rührt sie seiner Sehnsucht Saiten,
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Die Sehnsucht nach der Unterwelt,
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Gar schöne Melodien leiten
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Ihn in ihr starres

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Gar freudig klettert er hinunter,
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Sie zeigt ihm ihrer
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In Flammen spielt Kristall da munter,
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Der Knabe spielt in Minnesold.
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Er ist so gar ein wackrer
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Mit wilder Kühnheit angethan,
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Hat um sein Leben keine Trauer,
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Macht in den Tiefen neue Bahn,
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Und bringet dann die goldnen
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Von seiner Kön'gin Kammerthür,
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Als ihn die Ältern lange rufen
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Zu seinen Ältern kühn herfür.

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Die Ältern freuen sich der Gaben
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Und sie erzwingen von ihm mehr,
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Viel Schlösser sie erbauet haben,
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Und sie besolden bald ein Heer:
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Er muß in strenger Arbeit geben
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Worin sie prunken ohne Noth.
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Einst hört' er oben festlich Leben,
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Den trocknen Kuchen man ihm bot.
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Da kann die Kön'gin ihn nicht halten,
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Mit irdisch kaltem Todesarm,
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Denn in dem Knaben aufwärts walten,
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So Licht als Liebe herzlich warm.

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Er tritt zum Schloß, zum frohen Feste,
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Die Ältern staunen ihn da an,
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Es blickt zu ihm der Jungfraun Beste,
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Es faßt ihr Blick den schönen Mann,
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Im Bergkleid tritt er mit zum Tanze
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Und hat die Jungfrau sich erwählt,
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Und sie beschenkt ihn mit dem Kranze,
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Er hat die Küsse nicht gezählt.
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Da sind die Brüder zugetreten
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Und seine Ältern allzugleich,
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Die alle haben ihn gebeten,
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Daß er doch von dem Feste weich.

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Da hat er trotzig ausgerufen:
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»ich will auch einmal lustig sein,
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Und morgen bring ich wieder Stufen
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Und heute geh ich auf das Frein!«
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Da hat er einen Ring genommen,
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Vom Gold, wie es noch keiner fand,
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Den hat die Jungfrau angenommen,
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Als er ihn steckt an ihre Hand,
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Dann sitzt er froh mit ihr zum Weine,
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Hat manches Glas hinein gestürzt;
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Spät schwankt er fort und ganz alleine,
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Manch liebreich Bild die Zeit verkürzt.

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Die Lieb' ist aus, das Haus geschlossen
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Im Schacht der reichen Königin;
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Er hat die Thüre eingestoßen
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Und steigt so nach Gewohnheit hin.
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Die Eifersücht'ge hört ihn rufen,
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Sie leuchtet nicht, er stürzt herab,
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Er fand zur Kammer nicht die Stufen,
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So findet er nun dort sein Grab.
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Nun seufzt sie, wie er schön gewesen,
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Und legt ihn in ein Grab von Gold,
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Das ihn bewahrt vor dem Verwesen,
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Das ist ihr letzter Minnesold.

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Die Ältern haben ihn vergessen,
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Da er nicht kommt zum Licht zurück,
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Und andre Kinder unterdessen
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Erwählen neu der Erde Glück,
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Und bringen andre schöne Gaben,
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An Silber, Kupfer, Eisen, Blei,
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Doch mit dem Gold, was er gegraben,
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Damit scheint es nun ganz vorbei.
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Die Jungfrau lebet nur in Thränen,
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Die Liebe nimmt der Hoffnung Lauf,
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Und meint in ihrer Hoffnung Wähnen,
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Ihr steh' das Glück noch einmal auf.

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Glück auf! nach fünfzig sauren Jahren
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Ein kühner Durchschlag wird gemacht,
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Die Kön'gin kämpfet mit den Schaaren
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Und hat gar viele umgebracht.
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Sie hat gestellt viel böse Wetter,
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Die um des Lieblings Grabmal stehn,
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Doch Klugheit wird der Kühnen Retter,
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Sie lassen die Maschinen gehn;
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Da haben sie den Knaben funden
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In kalten Händen kaltes Gold,
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So hat er sterbend noch umwunden
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Die Königin, die ihm einst hold.

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Zur Luft ihn tragend alle fragen,
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»weiß keiner, wer der Knabe war,
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Ein schöner Bursche, zum Beklagen,
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Gar viele rafft hinweg das Jahr,
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Doch keiner je so wohl erhalten,
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Kam aus der Erde Schooß zurück,
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Denn selbst die flücht'gen Farben walten,
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Noch auf der Wangen frohem Glück;
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Es sind noch weich die starken Sehnen,
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Es zeigt die Tracht auf alte Zeit,
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Er kostete wohl viele Thränen,
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Jetzt kennt ihn keiner weit und breit.«

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Die Jungfrau war tief alt geworden,
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Seit jenem Fest, wo sie ihn sah,
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Spät trat sie in den Nonnenorden
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Und geht vorbei und ist ihm nah;
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Sie kommt gar mühsam hergegangen,
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Gestützt auf einem Krückenstab,
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Ein Traum hielt sie die Nacht umfangen,
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Daß sie den Bräut'gam wieder hab.
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Sie sieht ihn da mit frischen Wangen,
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Als schliefe er nach schöner Lust,
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Gern weckte sie ihn mit Verlangen,
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Hin stürzt sie auf die stille Brust.

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Da fühlt sie nicht das Herz mehr schlagen,
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Die Männer sehn verwundert zu:
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»was will die Hexe mit dem Knaben,
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Sie sollt' ihm gönnen seine Ruh.
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Das wär doch gar ein schlimm Erwachen,
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Wenn er erwachte frisch, gesund,
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Und sie ihn wollte froh anlachen
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Und hätte keinen Zahn im Mund.«
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Jetzt schauet sie sein hart Erstarren
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An dieser neuen Himmelsluft,
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Die Farbe will nicht länger harren,
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Die treu bewahrt der Kön'gin Gruft.

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Hier ist die Jugend, dort die Liebe,
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Doch sind sie beide nicht vereint,
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Die schöne Jugend scheint so müde,
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Die alte Liebe trostlos weint.
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Was hülf es ihr, wenn er nun lebte,
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Und wäre nun ein alter Greis,
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Ihr Herz wohl nicht mehr zu ihm strebte,
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Wie jetzt zu dieses Todten Preis.
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Wie eine Statue er da scheinet
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Von einem lang' vergeßnen Gott,
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Die Alte treu im Dienst erscheinet
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Und ist der jungen Welt zum Spott.

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Es mag der Fürst sie nimmer scheiden,
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Er schenket ihr den Leichnam mild,
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Verlaßne möchten ihr wohl neiden
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Ein also gleich und ähnlich Bild.
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Da sitzet sie nun vor dem Bilde,
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Die Hände sanft gefalten sind,
199
Und sieht es an und lächelt milde,
200
Und spricht: »Du liebes, liebes Kind,
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Kaum haben solche alte Frauen,
202
Wie ich noch solche Kinder schön,
203
Als meinen Enkel muß ich schauen,
204
Den ich als Bräut'gam einst gesehn.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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