Zwei schöne, liebe Kinder

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Ludwig Achim von Arnim: Zwei schöne, liebe Kinder Titel entspricht 1. Vers(1806)

1
Zwei schöne, liebe Kinder,
2
Die hatten sich so lieb,
3
Daß eines dem andern im Winter
4
Mit Singen die Zeit vertrieb,
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
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Höret ihr immer den Doppelschall.

7
Der Winter bauet Brücken,
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Sie beide hat vereint,
9
Und jedes mit frohem Entzücken
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Die Brücke nun ewig meint;
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
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Wohnten die Ältern getrennt im Thal.

13
Der Frühling ist gekommen,
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Das Eis will nun aufgehn,
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Da werden sie beide beklommen,
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Die laulichen Winde wehn;
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
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Stürzen die Bäche mit wildem Schall.

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Was hilft der helle Bogen,
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Womit der Fall entzückt,
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Von ihnen so liebreich erzogen,
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Zum erstenmal bunt geschmückt;
23
Diesseit und jenseit am Wasserfall
24
Höret sie klagen getrennt im Thal.

25
Die Vögel über fliegen,
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Die Kinder traurig stehn,
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Und müssen sich einsam begnügen
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Einander von fern zu sehn;
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
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Kreuzen die Schwalben mit lautem Schall.

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Sie möchten zusammen mit Singen,
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So wie der Vögel Brut,
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Den himmlischen Frühling verbringen,
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Das Scheiden so wehe thut;
35
Diesseit und jenseit am Wasserfall
36
Sehn sie sich endlich zum letztenmal.

37
Der Knabe kriegt zur Freude
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Ein Röckchen wie ein Mann,
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Das Mädchen ein Kleidchen von Seide,
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Nun gehet die Schule an;
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
42
Gehn sie zum Kloster bei Glockenschall.

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Sie sahn sich lang' nicht wieder,
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Sie kannten sich nicht mehr,
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Das Mädchen mit vollem Mieder,
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Der Knabe ein Mönch schon wär;
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
48
Kamen und riefen sie sich im Thal.

49
Das Mädchen ruft so helle,
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Der Knabe singt so tief;
51
Verstehn sich endlich doch schnelle,
52
Als alles im Hause schlief;
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
54
Springen im Mondschein die Fische all.

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Froh in der nächt'gen Frische,
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Sie kühlen sich im Fluß,
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Sie können nicht schwimmen wie Fische,
58
Und suchen sich doch zum Kuß;
59
Diesseit und jenseit am Wasserfall
60
Reißen die Strudel sie fort mit Schall.

61
Die Ältern hören singen
62
Und schaun aus hohem Haus,
63
Zwei Schwäne im Sternenschein ringen
64
Zum Dampfe des Falls hinaus;
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Diesseit und jenseit am Wasserfall
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Hören sie Echo mit lautem Schall.

67
Die Schwäne herrlich sangen
68
Ihr letztes schönstes Lied,
69
Und leuchtende Wölkchen hangen,
70
Manch Engelein nieder sieht;
71
Diesseit und jenseit am Wasserfall
72
Schwebet wie Blüthe ein süßer Schall.

73
Der Mond sieht aus dem Bette
74
Des glatten Falls empor,
75
Die Nacht mit der Blumenkette
76
Erhebet zu sich dies Chor;
77
Diesseit und jenseit am Wasserfall
78
Grünt es von Thränen nun überall.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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