Auf den Hügel geht alleine

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Ludwig Achim von Arnim: Auf den Hügel geht alleine Titel entspricht 1. Vers(1807)

1
Auf den Hügel geht alleine
2
Vollmond unser Schäferknabe,
3
Geht an einem Tannenstabe,
4
Seine Schäflein fern alleine,
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Ihn treibt der Sternenblick
6
Hin und zurück.

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Lichte Augen reiner Frauen,
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Wollet euch doch nicht verschleiern,
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Lasset euch mit Inbrunst feiern,
10
Leuchtet ihm den Weg zu schauen,
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Des Reinen Liebesblick
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Deutet zum Glück.

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Schüchtern sind die jungen Kinder
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Lieber hinterm Wolkenschleier
15
Schämen sie sich vor dem Freier
16
Ihre Augen aus wie Sünder,
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Er sucht nach Liebesblick
18
Hin und zurück.

19
Von dem leeren Himmels-Hügel
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Sieht er zu dem Thale nieder,
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Sieht sich selbst im Strome wieder,
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In der Nixen Augen-Spiegel,
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Es ging ein Liebesblick
24
Hin und zurück.

25
Hell hernieder zu den Schönen
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Rief er: Süße Kühle, Lieben,
27
Wie ist mir die Zeit vertrieben,
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Haar und Ohr durchzieht ein Tönen,
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Im Auge Liebesblick,
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Hin und zurück.

31
Spieglend werfen ihn die Schönen
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Sich einander zu wie Bälle,
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Flüsternd, winkend wie die Welle,
34
Well' auf Welle in dem Sehnen,
35
Sie werfen Liebesblick
36
Hin und zurück.

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Zarter Knabe, zarte Glieder,
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Zarte Mädchen, wild im Tanze,
39
Alle Sterne vor dem Glanze
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Schlagen ihre Blicke nieder.
41
Es schlägt ein wilder Blick.
42
Liebe zurück.

43
Hoch und tief die Nixen schwingen.
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Ewig tanzen, nichts erfassend,
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Ewig suchen, um sich lassend,
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Himmel kann nicht Erde zwingen.
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Es geht nur Liebesblick
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Hin und zurück.

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Ach der arme Knabe klaget:
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»meine Schäflein sind verlaufen,
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Und wie weit hab ich zu laufen,
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Ach wie spät bin ich vertaget.
53
Es weist kein Sternenblick
54
Mich nun zurück.«

55
Weine nur, du alter Knabe,
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Auch die Nixen sind verschwunden,
57
Bist ja sichelkrumm gewunden,
58
Wollen dich nicht länger haben,
59
Ein bessrer Lebensblick,
60
Sonnenglück.

61
Ach das will sein Herz ihm brechen,
62
Daß er sich so wild verschwendet,
63
Daß sich alles von ihm wendet;
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Er will durch die Wolken brechen,
65
Da hält der Sonne Blick
66
Ihn scheu zurück.

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Sehet ihrer Strahlen Fülle,
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Faßt und fühlet alles Leben,
69
Alle Stäubchen lusterbeben,
70
Sie nur steht ein fester Wille,
71
Sie strahlet Liebesblick
72
Allen zurück.

73
Darum steht er noch am Himmel
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Wie ein Geist, sein eigner Schatten,
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Dünn und weiß und im Ermatten
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Wie der Wolken hell Getümmel.
77
Es strahlt sein letzter Blick
78
Hin und zurück.

79
Mutter Sonne ruft zum Armen,
80
Seht die Schuld, sie ist doch meine,
81
Daß ich dich so ganz alleine
82
Austrieb ohne viel Erbarmen.
83
Ein treuer Mutterblick
84
Schützte dein Glück.

85
So mit seinem letzten Blicke
86
Sieht er ihre stillen Grüße,
87
Fühlet ihre frommen Küsse,
88
Fühlt ein schmerzliches Entzücken.
89
So kehrt ein Liebesblick
90
Doch noch zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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