Prinz Eugen, der edle Ritter

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Ludwig Achim von Arnim: Prinz Eugen, der edle Ritter Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Prinz Eugen, der edle Ritter,
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Will dem Bonaparte machen
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Eine gar gewaltge Schlacht,
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Blieb in Halle stehn mit Lachen,
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Will der Feinde Plane wittern,
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Jede Sicherheit veracht.

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Wär ein Bollwerk auf der Brücke,
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Müßten wir uns lange halten,
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Und das kostet Menschenblut;
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Oder gingen wir zurücke,
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Würd man uns für feige halten,
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Vorzugehn thut auch nicht gut.

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Abzuwarten ist jetzt Mode,
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Kommt der Feind mal außer Othem,
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Stehen wir noch immer fest,
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Wie ein Zaunpfahl stehn ist Tugend,
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Lasset nur die rasche Jugend,
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Denn sie weiß nicht was das Best.

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Seine Truppen kantonieren,
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Er will sich nicht sehr genieren,
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Bleibt in seinem weichen Bett,
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Lacht zu seinem Adjutanten,
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Die zu ihm mit Eile rannten,
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Weil der Feind schon schießen thät.

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Das ist groß Rekognosziren,
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Meine Herrn, laßt euch nicht irren,
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Denn wir sind noch nicht bereit,
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Ei was sollten sie denn kommen
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Eh die Wagen weggenommen,
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Ei, das wär ja vor der Zeit.

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»prinz, sie kommen hell in Haufen!«
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Ei so laßt sie immer laufen,
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Schießt, wenn da Kanonen sind,
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Die Bagag' besorg' ich immer,
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Zang und Stuhl geht mir in Trümmer
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Und verloren wär manch Kind.

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Prinz Eugen, du bist wohl schwanger,
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Hast wohl nach Franzosen Lusten,
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Machst du einen Kaiserschnitt?
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Als das die Franzosen wußten,
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Nahmen sie die rechte Zange,
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Kamen an in schnellem Schritt.

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Die Kanonen demontirten
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Sie im nächsten Augenblicke,
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Schickten ihre Schützen aus,
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Vor des Hofrath Schützens Blicken
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Ganz entsetzlich tiraillirten,
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Plünderten sogar sein Haus.

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Drängten auf dem offnen Markte
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Reiter, Fußvolk wie zum Kaufe,
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Von dem Blut die Straßen naß,
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Und der Feind entsetzlich harkte
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An den Ecken hohe Haufen,
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Wo er hintrifft, wächst kein Gras.

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Prinz Eugen, der wollt nun stellen
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Seine Truppen in Parade,
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Er erlaubt es uns aus Gnade,
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Daß sie fallen, weil sie todt,
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Wie in solchen Unglücksfällen
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Jeder sucht sich wegzustehlen,
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Natzmer nur half aus der Noth.

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Treskow wurde ganz vergessen,
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Kam ganz ungewarnt marschieret,
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Ist umringt und attakiret,
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Muß das Schlachtfeld bald verlieren,
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Ist in kurzer Zeit vermessen, –
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Prinz Eugen gar nichts verliert.

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Denn der Feind find's so geschenket,
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Was er hier so leicht empfangen,
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Hält es für ein Prinzenglück.
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Unsres Prinzen er gedenket,
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Den Geburtsstuhl und die Zange
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Schickt er ihm umsonst zurück.

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Als er die zurück bekommen,
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Meint er, daß er nichts verloren,
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Menschen schafft er nun sogleich,
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Denn was lebt, das ist geboren,
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Als Soldat wird angenommen,
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Dieser Nachwuchs rächet euch.

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So muß jeder accouchiren,
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Daß das Kindlein mit dem Bade
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Ausgegossen sich verlor,
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Braucht dann Ammen nicht zu führen,
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Wartet nicht auf Priesters Gnade,
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Wen'ger braucht des Prinzen Corps.

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Ruhig steckt er Pelz und Hose,
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Auch den Dollmann weit und lose
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Zu der allerschönsten That
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Hoch auf eine Bohnenstange,
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Also ward den Vögeln bange,
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Also schützt er unsre Saat!

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Er mit gar geschwinden Händen
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Muß sogleich das Kindlein wenden,
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Freien aus der Leibeshaft,
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Ei es ist ein gut Geselle,
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Keiner jetzt an seiner Stelle,
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Guter Wille ohne Kraft.

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Solch ein Überfall bei Tage,
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Den im voraus jeder wußte,
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Als ein Wunder Preußen ziert!
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Größre Wunder, größre Plage!
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Und den Prinzen hört ich sagen:
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»hab gesiegt, dann retirirt.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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