Der Schuhknecht

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Heinrich Christian Boie: Der Schuhknecht (1775)

1
Vor allen Dirnen so flink und so glatt
2
Lacht mir die lachende Lore.
3
Vor allen prunkenden Plätzen der Stadt
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Prunkt mir der Winkel am Thore.
5
Des Hofes Dame, wie schmuck sie sich macht,
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Mit nichten gleicht sie der Lore.
7
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
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Und wohnt im Winkel am Thore.

9
Ihr Vater hockt in dem Stübchen und flicht
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Aus Eggen warme Pantoffeln.
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Die Mutter, gibt es Kastanien nicht,
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Verkauft am Markte Kartoffeln.
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So brav erzogen, so eben und sacht,
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Ward nie ein Mädchen als Lore.
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Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
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Und wohnt im Winkel am Thore.

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Kömmt sie getrippelt das Gäßchen herab,
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Dann wird mirs blind vor den Augen;
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Doch schallt im Haus ihr behendes klipp klapp,
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Nicht Stich noch Naht will mir taugen.
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Der Meister schmunzelt – doch hab er Verdacht,
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Ich sei erpicht auf die Lore!
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Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
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Und wohnt im Winkel am Thore.

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Vor allen Tagen der Woche behagt
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Der Tag behaglicher Ruhe.
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Da wird ein Sprung in das freie gewagt,
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Da rasten Stiefel und Schuhe.
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Mit Bursch und Mädchen in stattlicher Pracht
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Gehts flink zu Dorf mit der Lore.
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Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
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Und wohnt im Winkel am Thore.

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Auch schleppt der ehrbare Meister mich wohl
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Am Festtag mit in die Predigt,
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Und fegt mich wacker beim dampfenden Kohl,
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Hab ich des Zwangs mich entledigt.
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Doch halt er immer die geistliche Wacht,
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Ich Weltkind schleiche zur Lore!
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Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
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Und wohnt im Winkel am Thore.

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Tritt Weihnacht wieder einmal ins Land,
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Dann strozt von Geld mir die Ficke,
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Das mir zum Rocke die Mutter gesandt,
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Und Ihr ins Händchen ichs drücke.
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Ja höb ich Schätze vom Satan bewacht,
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Die Schätze flögen zur Lore!
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Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
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Und wohnt im Winkel am Thore.

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Mein Stündlein kömmt daß ich fort in die Welt
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Nach Handwerksordnungen wandre,
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Und drauf als redlicher Mann für mein Geld
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Herr Meister werde wie andre.
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Dann wird getraut in der neuesten Tracht,
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Dann wird Frau Meisterin Lore,
55
Dann gehts juchheissa bei Tag und bei Nacht,
56
Nicht mehr im Winkel am Thore!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Christian Boie
(17441806)

* 19.07.1744 in Meldorf, † 03.03.1806 in Meldorf

männlich, geb. Boie

deutscher Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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