Die Elfenburg

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Heinrich Christian Boie: Die Elfenburg (1775)

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Als König Arthur Engellands
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Uralten Heldenruhm belebte,
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Zur Zeit da oft ein Elfentanz
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Den Quell im Mondenlicht umschwebte,
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Erschien am Hof ein edler Knecht,
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Der Ritter Edwin schlicht und recht,
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Nicht unerfahren in den Waffen,
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Doch zum erschrecken missgeschaffen.

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Den ganzen Rücken überzwerch
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Umwuchs, sich bis ans Haupt verlängend,
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Ein ungeheurer Knochenberg
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Und drückte vorn die Brust verengend.
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Allein ob fast ihm selber graut,
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So oft er in den Spiegel schaut,
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Ein Herz im Busen fühlt er schlagen
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Und darf um eins zu werden wagen.

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Der blonden Edith hätt er gern
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Sich angetragen zum Gemahle;
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Doch keine Schöne sucht den Kern,
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Behagt ihr nicht zuvor die Schale.
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Den Junker Topas schmuck und schier
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Fand er im Lustwald einst mit ihr
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Gar herzensminniglich vereinet,
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Und starrt am Boden wie versteinet.

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Zum wilden Forst schwärmt er allein
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Voll melancholischer Gedanken,
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Wo schauerlich im Mondenschein
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Um ihn der Bäume Schatten wanken.
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Jezt aus dem Traume schrecket ihn
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Der alten Hünenburg Ruin,
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Wo sich versammeln nachts um zwölfe
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Kobold und Nix und Fei und Elfe.

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Es sinkt der Mond, der Sturm erwacht,
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Hohl seufzt der Wald und Wölfe heulen;
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Die Stadt ist fern und schwarz die Nacht.
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Was soll er? fortgehn oder weilen?
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Ermattung bringt ihn zum Entschluß,
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Mit Faßung sezt er seinen Fuß
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Ins Thor der Burg und streckt die Glieder
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Im morschen Rittersale nieder.

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Auf durch die Hallen reißt ein Stoß
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Die Riegelpforten wie zersplitternd,
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Und krampfhaft zuckt der Erde Schoß,
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Den weiten Felsenbau durchschütternd.
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Er schaudert auf, er atmet schwer
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Und sieht an Wänden rings umher
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Und Kronenleuchtern wol zusammen
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Dreihundert Kerzen sich entflammen.

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Ein jugendliches Fraungekreisch
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Hat kaum sein lauschend Ohr vernommen,
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So hört er wandelndes Geräusch
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Je näher ihm je lauter kommen:
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Und aus dem Winkel, wo geduckt
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Er unterm Mantel horcht und kuckt,
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Schaut er ein bunt Gewühl von Leuten,
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Die nach dem Anzug viel bedeuten.

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Nie sah ein Hof so dichte Zahl
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Prachtvoll geschmückter Herrn und Damen
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Im blendenden Redoutensaal,
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Als hier zum Gallafeste kamen.
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Duft gab das Land, Gestein das Meer,
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Der Himmel hell Gefieder her,
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Der Süden seidene Gewänder,
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Der kalte Norden Zobelränder.

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Ein königlich geschmückter ragt
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An Wuchs und Anstand über alle.
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Als hinzuschaun der Ritter wagt,
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Ruft er mit würdevollem Schalle:
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»wer von des Staubes Söhnen hat
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Sich unserm stillen Kreis genaht,
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Daß er die reinen Götterdüfte
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Mit niederm Seufzerhauch vergifte?«

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Doch Edwin hoch an Mut und Sinn
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Und keinem Zauberschein erblassend,
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Tritt mannhaft vor den Herrscher hin,
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In seines Werts Gefühl sich faßend:
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»gewaltiger im Geisterreich!«
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Beginnt er nun, »mich führt zu Euch
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Kein eitler Vorwitz, kein begehren
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Die Nachtversammlung hier zu stören.

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Des Herzens Gram, die Höllenpein
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Ein Mädchen ungeliebt zu lieben,
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Hat mich durch Nacht und Wüstenein
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Gedankenlos hierher getrieben.«
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»wohlan!« versetzt der Geisterfürst,
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»getrost, wofern du schuldlos irrst.
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Hier wird kein leidender gekränket,
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Sobald er redet, was er denket.

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Vertraue deinem Stern hinfort!
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Bevor wir von einander scheiden,
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Erhebt sich dir, du hast mein Wort!
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Aus dunklem Gram ein Stral von Freuden.
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Der Zufall, der dich hergebracht,
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Hat hohe Lust dir zugedacht.
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Weil ich mit Mab der Fürstin tanze,
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Nimm du die nächst' an Reiz und Glanze!«

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Er sprachs und geistiges Getön
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Wie sanft gerühreter Kristalle,
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Ertönt in leiser Lüfte Wehn
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Zu linder Aeolsharfen Halle.
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Hier tanzet Oberon und Mab,
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Dort Elf und Elfin auf und ab,
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Und Edwin schwinget sich im Reihen
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Mit Nuk, der lieblichsten der Feien.

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Als man zur Gnüge nun getanzt,
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Wird rasch von unsichtbaren Händen
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Die volle Tafel hingepflanzt
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Und drauf ein Nachtisch zum verblenden.
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Geordnet ohne Schenken steht
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Das wunderbare Trinkgerät,
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Und gleich der bunten Seifenblase
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Schwebt hin und her der Wein im Glase.

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Mit Minnelied und Rundgesang
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Wird zwischendurch der Wein gewürzet,
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Und drauf mit manchem derben Schwank
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Des Althertums die Zeit gekürzet,
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Wo bald als Merkatz hüpft ein Geist,
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Als Affe bald die Zähne weist,
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Als Hase quikt, als Geißbock mäkert
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Und gar als Kammerjunker schäkert.

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Ein Kobold der als Schalk bekannt
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Bei Nachtzeit faule Dirnen kneipet,
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Knecht Ruprecht insgemein genannt,
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Geht mit dem Aschsack um und stäupet.
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Schnell faßt er Edwin nun beim Schopf
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Und wirft ihn lachend über Kopf,
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Daß er im Flug zum Balken schwebet
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Und ach! der Höcker fest ihm klebet.

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Laut ruft er zappelnd: »Gnug gelacht!
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Nun löset mich, ihr Herren Geister!
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Der Kobold hat es gut gemacht,
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Er schlägt den Federball als Meister.«
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»geduld! antwortet Oberon,
134
Ein wenig noch Geduld, mein Sohn!
135
Du bist nicht übel aufgehoben,
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Das Ende wird den Meister loben!«

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Aufschauernd stuzt der Elfen Schar,
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Sie wittern schon das frische wehen
139
Der Morgenluft, sie hören gar
140
Den Hahn im fernen Dorfe krähen.
141
Des ersten Wirbelwinds Gesumm
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Durchsaust die Hallen wiederum,
143
Die Thüren in den Angeln beben,
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Und Mab ermahnet fortzustreben.

145
Im Nu entschwirrt mit hellem Geschrei
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Der Unterirdischen Gefunkel.
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Hin fährt des Sales Täuscherei
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Und aller Kerzen Glanz im Dunkel.
149
Und Edwin, nun des Zaubers los,
150
Fällt von der Deck' auf feuchtes Mos,
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Daß ihm die Zähn' im Munde klappen
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Und fängt im Dunkeln an zu tappen.

153
Bald weniger geblendet flieht
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Er aus dem graulichen Gemäuer,
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Und durch bethaute Blätter glüht
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Die Morgenröt' im Rosenschleier.
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Er fühlt so leicht sich und gewandt,
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Er tastet rückwärts mit der Hand,
159
Und Heil ihm, Heil! vermisst den plumpen
160
So grässlich aufgeballten Klumpen.

161
Heim fliegt er in behendem Schritt,
162
An Herz und Rücken frei von Schwere.
163
Das Hofgesinde freut sich mit
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Und staunet ob der Wundermäre.
165
Auch staunet Edith, ihn so schlank
166
Zu schaun, so edel und so frank.
167
Was hinterm Berge sonst gestecket,
168
Liegt sonnenklar und aufgedecket.

169
Der Junker Topas fühlt Verdruß,
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Sich minder izt bemerkt zu sehen,
171
Und faßt den männlichen Entschluß,
172
Auch nach der Hünenburg zu gehen.
173
Nun zeigt, ihr Elfen, eure Kunst!
174
So denkt er. Schuf eure Gunst
175
Ein Engelkind aus einem Affen,
176
Was werdet ihr aus Topas schaffen!

177
Er geht zum Forst; die Nacht ist hell,
178
Er hört voll Angst Geheul von Wölfen,
179
Miaun der Katz' und Fuchsgebell
180
Und sieht mit graun die Burg der Elfen.
181
In Gottes Namen kehrt er ein,
182
Durchmustert lang im Mondenschein
183
Die Ungemächlichkeit der Trümmer
184
Und bettet sich im Tafelzimmer.

185
Auf prallem Mose lauschet er,
186
Ob bald das Ungethüm sich rege.
187
Er wirft sich hin, er wirft sich her
188
Und hört des Pulses laute Schläge.
189
Da saust der Wind, die Burg erbebt,
190
Da kömmt der Spuk hereingeschwebt,
191
Da leuchtet Kerzenglanz dem Balle
192
Bei sanfter Harmonien Schalle.

193
Voll Angstschweiß hatte Topas schon
194
Sich hinter den Kamin verkrochen.
195
Umschnüffelnd fragte Oberon:
196
»ihr Geister, habt ihr nichts gerochen?
197
Wer von des Staubes Söhnen hat
198
Sich unserm stillen Kreis genaht,
199
Daß er die reinen Götterdüfte
200
Mit ängstlichem Gestöhn vergifte?«

201
In Demut eingeschmieget tritt
202
Zum Geisterkönige der Pinsel
203
Und lallt, genaht im Stutzerschritt,
204
Sein unterthäniges Gewinsel:
205
»verzeiht, durchlauchte Majestät,
206
Daß Ihr mich armen Junker seht,
207
Der matt zu Eures Hofes Thoren
208
Nach langer Irre sich verloren!«

209
»elender! rufet ernst der Elf
210
Mit abgewandtem Angesichte,
211
Du wähnest auch vor Geistern helf
212
Ein kleiner Kniff der Höflingswichte?
213
Wolan, für seinen Lug und Trug
214
Bestraft den feigen Gauch nach Fug!
215
Ihr Poltergeister mögt ihn tummeln,
216
Und wenn er müd ist, laßt ihn bummeln!«

217
Stracks nahet Tückebold im Sprung,
218
Der Hirten oft als Irrwisch narret,
219
Und schleudert ihn im Bogenschwung,
220
Wo Puck der Kobold seiner harret.
221
Hoch dreht und dreht ihn Schub auf Schub,
222
Und lachend ruft der Geistertrupp!
223
»risch tummle dich, mein guter Junker,
224
Für dein hofjunkerlich Geflunker!«

225
Gar bunt durchwirbelt er den Raum,
226
Und bunter noch und immer bunter,
227
Im Luftrad und im Purzelbaum,
228
Kopfüber bald und bald kopfunter.
229
Zum Balken jezt in einem Ruck,
230
Wo Edwin klebte, schwenkt ihn Puck,
231
Daß wie am Rücken angepflöcket
232
Er alle vier herunter strecket.

233
Die Unterirdischen erneun
234
Nunmehr die Wendungen des Balles
235
Nach schön gemeßnen Melodein
236
Des anmutsvollen Zauberhalles.
237
Dann sitzt man am beladnen Tisch
238
Und lacht und schmaust und bechert frisch.
239
Spass machen Affen hier und Böcke,
240
Mehr Spass der Junker an der Decke.

241
Das Morgenlüftchen atmet kühl,
242
Fern kräht der Hahn. Nun saust die Halle.
243
Entflohn ist alles Nachtgewühl
244
Und ausgelöscht die Kerzen alle.
245
Vom hohen Balken sinkt herab
246
Auf pralles Mos der zarte Knapp,
247
Denn keines Zaubers Täuschung dauert,
248
Sobald der Morgen angeschauert.

249
Der arme Topas! müd und matt
250
Entschleicht er der verwünschten Trümmer
251
Und schleppt sich wiederum zur Stadt
252
Im angenehmen Morgenschimmer.
253
Doch ach! der Rücken schattet krumm!
254
Er kuckt und langt erschrocken um
255
Und sieht, da er am Quell sich spiegelt,
256
Sich Edwins Höker aufgehügelt.

257
Dies Märchen las mir, das Ihrs glaubt,
258
Aus einem alten Buch die Base,
259
Sie streichelte mein junges Haupt
260
Und nahm die Brille von der Nase.
261
»sohn, sprach sie, denk der Elfenburg!
262
Wer gehen kann, der kommt wol durch,
263
Wer ohne Wert nach Scheine trachtet,
264
Wir ausgehöhnet und verachtet.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Christian Boie
(17441806)

* 19.07.1744 in Meldorf, † 03.03.1806 in Meldorf

männlich, geb. Boie

deutscher Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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