»grausamer Tod für feige Seelen

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Heinrich Christian Boie: »grausamer Tod für feige Seelen Titel entspricht 1. Vers(1775)

1
»grausamer Tod für feige Seelen,
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Dich fleh ich an!
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Zu früh kannst du mich nicht vermählen
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Mit meinem Mann.
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Nichts kann der armen Freude geben,
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Die laut dir ruft;
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O komm und endige mein Leben
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Auf seiner Gruft!«

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So rief von Klagen ganz ermattet,
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Dem Tode nah,
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Von Nacht und Schrecken noch umschattet,
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Angelika.
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Ein Ritter im vorübergehen
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Hört ihr Geschrei,
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Gerührt von Mitleid bleibt er stehen
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Und tritt herbei.

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Und schon zerfließt im Rosenlichte
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Des Morgens Grau,
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Er blickt mit strahlendem Gesichte
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Aus Duft und Thau,
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Und Lindor sieht, bedeckt von Sträuchen,
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Ein Weib so schön,
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Daß ihr die schönsten alle weichen,
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Die er gesehn.

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Von welchem Pfeil wird er getroffen!
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Verstört ihr Kleid,
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Verwirrt das Haar, der Busen offen,
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Im Auge Leid,
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Doch daß daraus ein Funke blinket,
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Der Liebe spricht;
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Wem Schönheit noch und Jugend winket,
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Braucht soviel nicht.

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»hier, ruft er aus, hier widerstehet
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Kein Felsenherz!
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Nur einen Blick, und es zergehet
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In Lieb und Schmerz.
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Gott Amor! Wenn dein Wink auch nimmer
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Mir Witz verlieh –
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Doch darf ich sie betrügen? Immer!
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Ich rette sie!« –

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Und ganz der Schönen hingegeben
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In seinem Sinn,
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Wirft er, ihr unbemerkt, sich neben
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Dem Grabe hin;
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Und sicherer ihr zu gefallen,
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Als spräche er nur,
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Läßt er von seinen Seufzern schallen
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Die ganze Flur.

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Angelika hört ihn erschrocken,
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Sieht sich umher,
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Hört wieder, ihre Tränen stocken,
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Sie ächzt nicht mehr. –
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Warum vergeßen wir die Plagen
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Die uns gedrückt,
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Sobald ein andrer gleiche Klagen
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Gen Himmel schickt? –

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Zu elend um für sich zu beben,
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Sucht sie den Mann,
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Der solche Seufzer hier erheben,
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So jammern kann.
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Neugierig seinen Gram zu wißen,
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Tritt sie hinzu:
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»von welchem herben Schmerz zerrißen
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Erseufzest du?« –

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»die Frau, die ich verloren habe,
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Ist meine Quaal!« –
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»und ach! spricht sie, in diesem Grabe
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Liegt mein Gemahl!« –
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»die Zeit wird Euer Unglück mindern,
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Den Trost habt ihr.
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Doch nichts kann meinen Jammer lindern –
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Ich schuf ihn mir.«

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»grausamer! Deine Hand verübte
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Die Unthat? Wie? –«
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»nein! weil ich sie zu feurig liebte!«
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»zu feurig? sie?«
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»bei jeder Schönheit, die Euch schmücket,
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Ich schwör es Euch!
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Die mich an ihren Busen drücket,
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Erblaßet gleich.«

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»so komm! Der Tod verschmäht das Leben,
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Das ich ihm bot;
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Er weigert sich mir Trost zu geben.
84
Sei du mein Tod!
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O komm! ich geb in deine Hände
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Hin meinen Harm.
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Es sind Angelika ihr Ende
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In deinem Arm!«

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Der du die Einfalt der Empfindung
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So edel singst,
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Und Witz und Wohllaut in Verbindung
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Mit Stärke bringst,
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Gleim, könnte von den Huldgöttinnen
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Dies Liedchen mir
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Ein kleines Lächeln abgewinnen,
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So dankt ichs dir.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Christian Boie
(17441806)

* 19.07.1744 in Meldorf, † 03.03.1806 in Meldorf

männlich, geb. Boie

deutscher Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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