An J.M. Miller

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty: An J.M. Miller (1773)

1
Denk' ich, Bester, des Trennungstags,
2
Ach, dann bricht mir das Herz, Tage der Zukunft, ach,
3
Einer traurigen Zukunft, nahn,
4
Mit umdüsterter Stirn, jeder den Wermuthkelch
5
In den Händen, und dräuen mir.
6
Ach, sie kommen zu bald, schütten den ganzen Kelch
7
Über deinen Getreuen aus,
8
Wann er ferne von dir weinet, von eurem Kuß,
9
Bundesbrüder, von eurem Sang,
10
An der Leine Gestad weinet, und keinen Trost
11
Auf der Erde mehr finden kan.
12
Rosen schließen sich zu, nahet dein Traurer sich,
13
Wo sie brannten in ihrem Thau,
14
Als noch Lauren der Hain kühlte, das Abendroth
15
Um die Locken des Mädchens floß,
16
Und mein Erstlingsgesang säuselte durch die Flur.
17
Ach, die Seelen der Abende,
18
Die wir Brüder verkos't, werden oft vor mir stehn,
19
Schön und lächelnd wie Seraphim,
20
Und die Seelen des Sangs, welcher dem Harfengriff
21
Meiner Lieben entstürmete.
22
Deines Herzensgesprächs, Trauter, und Freundesblicks
23
Werd ich gehren, und, ach, umsonst!
24
Deines Minnegesangs, welcher so lieblich scholl
25
Guten Frauen, und, ach, umsonst!
26
Angeduftet vom May, flimmert der Abendstern
27
Durch die Blüthen, der Schauer war
28
Unsrer lenzlichen Lust, werd ich dich spähn, den Arm
29
Nach dir strecken, und, ach, umsonst!
30
Keine Thräne, kein Flehn sehnet an diese Brust
31
Dich herüber, an diese Brust,
32
Wo mit Lauren dein Bild lebet, und leben wird,
33
Bis mich hüllet die Rasengruft.
34
Und die hüllet mich bald. Flüstert das Rebengrün,
35
Wo du sitzest, im Mondenglanz,
36
Flimmert eine Gestalt, Traurigkeit im Gesicht,
37
Melancholisch vor dir vorbey,
38
Winkt und lächelt dir zu, Bester, es ist dein Freund.
39
Er begegnet, der fromme Geist,
40
Einen Engel am Arm, sinket dein Todesloos,
41
Dir am Ufer der Ewigkeit,
42
Bleibet ewig dein Freund. Freundschaft und Liebe wohnt
43
Unter Palmen Jehovahs, setzt
44
Himmelskronen uns auf, welche kein Schicksal welkt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.