An die Leser

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Adolf Glaßbrenner: An die Leser (1843)

1
Wenn Ihr, Du mein hochverehrter
2
Leser, und Du (leider nicht mein)
3
Holde, reizende und kluge
4
Leserin, in diesem Buche
5
Selbst zuweilen solchen baaren
6
Unsinn findet, der nicht Sinn hat,
7
Und bei welchem der Verstand uns,
8
Wie der Deutsche pflegt zu sagen,
9
Stillsteht: so erwägt zuvörderst,
10
Eh' Ihr mein Gedicht in's Feuer
11
Werft und mir, was noch viel härter,
12
Eure Gunst entzieht, erwägt erst
13
Meine drei Rechtfert'gungsgründe,
14
Die ich Euch hier unten künde.

15
Es ist nämlich sehr wohl möglich
16
Daß, selbst im verkehrten Sinne
17
Ungeeignet, hier zum Beispiel:
18
Für
19
Statt
20
Statt
21
Und dann umgekehrt dies wieder
22
Alles. Wie gesagt, sehr möglich!

23
Aber erstens soll sich jeder
24
Gutgesinnte – und wahrhaftig,
25
Ja, das bin ich! – gegenwärtig
26
Auf das Eifrigste bemühn, daß
27
Einem der Verstand, und nicht nur
28
Und mit ihm das Wissen, stillsteht
29
Oder, besser noch, zurückgeht.

30
Zweitens gab ein Linguist hier –
31
Den als Freund ich grade deshalb
32
Schätzen lernte, weil er nie mich
33
Zu taxiren ihn veranlaßt,
34
Und mir deshalb just war theuer,
35
Weil er sich bewies so billig –
36
Mir den Rath: beim Uebersetzen
37
Aus der Sprache dieses Sternes
38
In das Deutsche je mitunter –
39
Um, worauf es doch alleine
40
Ankommt, meinem deutschen Volke
41
Das Verständniß zu erleichtern –
42
Auch
43
Was nach unserm Erdbegriffe
44
Wirklich dumm ist, nach dem hies'gen
45
Aber klug und weise und just
46
Deßhalb wird durch »dumm« gepriesen:
47
Auch im Deutschen so zu geben;
48
Im gewohnten Styl zu bleiben,
49
Und zuweilen

50
Drittens endlich wird der Leser
51
Und die schöne Leserin wohl
52
Nicht Unmögliches verlangen,
53
Nicht verlangen, daß ich, Mitglied
54
Zweier Welten, sel'ges einer
55
Ganz vernünft'gen und gelehrten,
56
Und lebend'ges einer tollen
57
Unvernünft'gen und verkehrten,
58
Alle Tage unter Wesen,
59
Deren keins vollkommen Mensch,
60
Jedes Mensch und Thier zugleich ist;
61
Alle Tage so viel Tolles,
62
Abgeschmacktes und Verkehrtes
63
Hörend, sehend, fühlend, ja ich
64
Möchte sagen: ganz verrückte
65
Luft einathmend, daß ich, sag' ich
66
Nie mich irre,
67
Nie verwirre,
68
Niemals
69
Sondern klarsten Kopfes bleibe
70
Und so denke und so schreibe
71
Wie vor Zeiten auf der Erde.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Adolf Glaßbrenner
(18101876)

* 27.03.1810 in Berlin, † 25.09.1876 in Berlin

männlich, geb. Glassbrenner

deutscher Humorist und Satiriker (1810–1876)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.