Der Barbier

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Adolf Glaßbrenner: Der Barbier (1843)

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Kopfschüttelnd entstieg ich dem Bade, da rief
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Es »Herein!« und der Fiskus, der flinke,
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Mit dem purpursammetnen Scheersack trat ein
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Und reichte mir zum Handkuß die Linke.

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Dann schob er mich fort und stellte mich auf,
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Mit dem Rücken steif an, an der Thüre,
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Und sagte, es koste den Hals mir, wenn ich
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Bei dem Bartabnehmen mich rühre.

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»der Unterthan,« sprach er, »der wahre, darf selbst
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Unter Schmerzen nicht mucken und zucken!
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Den gerechtesten Ingrimm, den edelsten Zorn
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Muß er still und geduldig verschlucken!«

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Und während er so mich beschwatzte, ergriff
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Er ein schartiges Messer und kratzte
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Mich dermaßen, daß mir denn doch die Geduld,
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Die germanisch-unendliche, platzte!

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Nein:
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So wollte ich sagen – wenn ich nicht
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Die Folgen, die möglichen, hätte bedacht,
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Und hätte beruhiget mich nicht.

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Und grade als mir meine teutsche Geduld
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Die Absicht verrathen, zu platzen,
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Und ich sie beruhiget, endete er,
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Der Fiskus, sein Schinden und Kratzen.

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Doch nahm noch Derselbe – begriff ich's auch nicht
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Wie all dies konnt' amtliche Pflicht sein –
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Schaumbecken und Pinsel und seifete mir

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Damit war verflossen denn endlich, o Gott!
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Die fiskalische Marter- und Qualzeit;
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Der Staatsdiener hüpfte zur Thüre hinaus
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Mit dem Wunsche: »Gesegnete Mahlzeit!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Glaßbrenner
(18101876)

* 27.03.1810 in Berlin, † 25.09.1876 in Berlin

männlich, geb. Glassbrenner

deutscher Humorist und Satiriker (1810–1876)

(Aus: Wikidata.org)

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