Ein Kater sitzt vor'm dicken Buch

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Adolf Glaßbrenner: Ein Kater sitzt vor'm dicken Buch Titel entspricht 1. Vers(1843)

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Ein Kater sitzt vor'm dicken Buch
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Die Brille auf der Nase;
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Man sieht's, er denkt gewaltig klug
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Ob einer dunklen Phrase.
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Er zieht die Stirne kraus und krumm,
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Legt sie in hundert Falten;
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Es geht ihm Viel im Kopf herum,
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Denn er studirt die Alten.

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Die schönsten Frauchen schleichen dort
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Am stillen Schornsteinplatze;
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Wie sie miauen fort und fort:
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Er liebt nicht eine Katze!
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Lieb', Freundschaft, Schönheit prallen ab
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Von seiner Brust, der kalten;
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Sein Inn'res ist ein weites Grab,
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Drinn spucken nur die Alten.

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Er wäscht sich nicht, er kämmt sich nicht;
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Er bleibt in seinem Schmutze:
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Was scheert mich mein gemein Gesicht,
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Wenn ich die Seele putze!
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So schnurrt den Muhmen er Bescheid,
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Die ihren Vetter schalten:
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Was brauch' ich eure Sauberkeit
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Im Schattenreich der Alten!

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Komm' mit! sagt ihm sein Kamerad,
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Hier nebenan im Häuschen,
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Da schmausen wir ganz delicat,
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Da gibt's die fett'sten Mäuschen!
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Der Kater wirft zwar einen Blick
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Durch seines Bodens Spalten,
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Doch zieht er sich sogleich zurück
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Und hungert bei den Alten.

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Der König seines Vaterlands,
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Das ist ein arger Sünder;
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Die Bürger all' des Katerlands
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Sie schreien wie die Kinder.
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Das ganze Reich ist voll Miaus
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Ob des Tyrannen Walten:
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Der Kater macht sich gar Nichts draus,
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Denn er ist bei den Alten.

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Die Feinde dringen in das Land,
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Die großen Metzgerhunde;
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Von jeder Mauer, jeder Wand
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Hört man die Schreckenskunde;
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Man zieht die Krallen vor, um
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Wauwauer abzuhalten!
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Nur Einer, das gelehrte Vieh,
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Bleibt ruhig bei den Alten.

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Im ganzen Reiche rundherum
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Murrt man von ihm am Schlimmsten;
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So manchen Kater nennt man dumm,
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Doch ihn den Allerdümmsten:
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Er lachte, sang und liebte nie,
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Wenn wir die Lust umkrallten;
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So laßt denn das gelehrte Vieh
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Verfaulen bei den Alten!

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Er starb. Kein Kater, keine Katz'
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Hat kläglich drob miauet;
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Im Gegentheil: sein Studienplatz
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Ward ekelhaft besauet.
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Sein Wissen, das mit ihm verscharrt,
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Schrien sie, er mag's behalten!
63
Wir leben in der Gegenwart
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Und schnurren auf die Alten!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Glaßbrenner
(18101876)

* 27.03.1810 in Berlin, † 25.09.1876 in Berlin

männlich, geb. Glassbrenner

deutscher Humorist und Satiriker (1810–1876)

(Aus: Wikidata.org)

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