Wohl in jedem deutschen Lande

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Adolf Glaßbrenner: Wohl in jedem deutschen Lande Titel entspricht 1. Vers(1843)

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Wohl in jedem deutschen Lande
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Steht noch eines Sängers Haus,
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Singend seines Volkes Schande
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Fliegen seine Lieder aus,
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Und es theilen alle Herzen
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Sangbegeistert seine Schmerzen
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Nur; so viel in Dir auch leiern,
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Du bist öde, kalt und leer!
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Armes Bayern, armes Bayern,
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Du hast keinen Dichter mehr!

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Wohl schaut man von Deinen Bergen
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In ein blühend Gartenland;
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Doch von Deines Königs Schergen
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Sind die Sänger draus verbannt!
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Prangst Du auch in grünem Kleide,
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Steckst du doch in tiefem Leide,
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Denn nur von bezahlten Schreiern
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Tönt es widrig ringsumher!
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Armes Bayern, armes Bayern,
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Du hast keinen Dichter mehr!

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Aus dem kalten Steine baust Du
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Dir kein warmes Lebenshaus;
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Aus dem todten Steine haust Du
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Große Todte Dir nur aus;
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Leichen prangen dort in Galla
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In dem Grabmal der Walhalla!
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Aller Jugend, allem Neuern
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Droht dies stumme Geisterheer;
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Armes Bayern, armes Bayern,
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Du hast keinen Dichter mehr!

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Aus dem Fett der Mönche lodert
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Nicht die Flamme Deines Ruhms,
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Und Dein Christenthum vermodert
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In dem Sumpf des Pfaffenthums;
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Aller Lichtesfeinde Größter
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Baute die verfluchten Klöster,
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Daß sich Deinem Fluge bleiern
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Anhängt der Jesuiten-Heer!
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Armes Bayern, armes Bayern,
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Du hast keinen Dichter mehr!

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Weh! in deinen Kammern dreschen
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Schau' ich Deine Besten Stroh,
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In dem Hopfensaft erlöschen
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Jedes heiße Ach und O,
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Dumpfer werden Deine Geister,
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Deine Zwingherrn dreist und dreister!
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Vor dem Bild des allzutheuern
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Königs kniest Du seufzerschwer:
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Armes Bayern armes Bayern,
50
Du hast keinen Dichter mehr!

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Ob sie Deinen Namen schreiben
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Mit Ipsilon oder J,
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Wirst Du doch bei solchem Treiben
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Deiner Ahnen würdig nie!
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Ob des röm'schen Knecht's Gemeinheit
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Schreit nach Deutschheit und nach Einheit,
57
Hetzt er deutschen Geist, den freiern
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Doch mit seinem Mordgewehr:
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Armes Baiern, armes Baiern,
60
Du hast keinen Dichter mehr!

61
Mit den allerschönsten Typen,
62
Auf dem saubersten Papier.
63
Reich versehn mit Participen
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Gab dein König Ludwig Dir
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In die fleh'nd gestreckten Hände
66
Seiner Dichtungen drei Bände;
67
Für Sechs Gulden ein'ge Dreiern
68
Gab sie Allerhöchstselbst – Er!
69
Armes Baiern, armes Baiern,
70
Du hast keinen Dichter mehr!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Glaßbrenner
(18101876)

* 27.03.1810 in Berlin, † 25.09.1876 in Berlin

männlich, geb. Glassbrenner

deutscher Humorist und Satiriker (1810–1876)

(Aus: Wikidata.org)

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