Der Censor schlief, es war Mitternacht

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Adolf Glaßbrenner: Der Censor schlief, es war Mitternacht Titel entspricht 1. Vers(1843)

1
Der Censor schlief, es war Mitternacht;
2
Da regt sich's in seinen Schranken;
3
Da standen die bleichen Geister auf,
4
Die ermordeten Gedanken.
5
Sie seufzten tief, sie seufzten schwer;
6
Sie wankten und schwankten hin und her,
7
Und: wehe! wehe! wehe!
8
Erscholl's in des Mörder's Nähe.

9
»ich hatte das arme Volk zu lieb!«
10
Erhub der Eine die Stimme.
11
»ich forderte das versprochene Glück
12
Mit schlecht verbißenem Grimme.«
13
Der Dritte sprach: »Ich war munteres Blut,
14
Ich verwechselte ein Mal Scepter und Knut'!«
15
Der Vierte: »Ich war ein Tadel
16
Gegen den lästigen Adel.«

17
»ich forderte keck das freie Wort!«
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»und ich die Gleichheit der Rechte.«
19
»ich sagte: die Fürsten gehörten dem Volk:«
20
»und ich: wir wären keine Knechte!«
21
»ich höhnte die traurige Petition.«
22
»ich aber rief: habt ihr vergessen schon?
23
Unterdrückt, verbietet nur fleißig:
24
Ein Tausend Acht hundert und Dreißig!«

25
So sprachen sie alle in finsterm Groll,
26
Und schwuren Rache zum Himmel;
27
Drauf wirrt's und schwirrt's um des Schläfers Kopf
28
Das böse Geister-Gewimmel.
29
Sie krochen durch Nase, durch Ohr und Mund;
30
Sie rißen am Haar ihn, sie stopften den Schlund,
31
Sie tobten auf seiner Stirne,
32
Sie schrieen in seinem Gehirne.

33
Früh Morgens wurde dem Censor verliehn
34
Ein großer, langer Orden;
35
Er aber sah stier auf das bunte Band,
36
Denn er war wahnsinnig worden. –
37
An jenem Schrank', in der Nacht darauf,
38
Hing er mit dem Ordensbande sich auf,
39
Und draußen hörte der Wächter
40
Ein fürchterliches Gelächter.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Glaßbrenner
(18101876)

* 27.03.1810 in Berlin, † 25.09.1876 in Berlin

männlich, geb. Glassbrenner

deutscher Humorist und Satiriker (1810–1876)

(Aus: Wikidata.org)

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