Trost des ewigen Lebens

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Christian Fürchtegott Gellert: Trost des ewigen Lebens (1742)

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Nach einer Prüfung kurzer Tage
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Erwartet uns die Ewigkeit.
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Dort, dort verwandelt sich die Klage
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In göttliche Zufriedenheit.
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Hier übt die Tugend ihren Fleiß;
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Und jene Welt reicht ihr den Preis.

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Wahr ist's, der Fromme schmeckt auf Erden
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Schon manchen selgen Augenblick;
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Doch alle Freuden, die ihm werden,
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Sind ihm ein unvollkommnes Glück.
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Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh
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Nimmt in der Seele ab und zu.

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Bald stören ihn des Körpers Schmerzen,
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Bald das Geräusche dieser Welt;
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Bald kämpft in seinem eignen Herzen
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Ein Feind, der öfter siegt, als fällt;
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Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld
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In Kummer und in Ungeduld.

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Hier, wo die Tugend öfters leidet,
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Das Laster öfters glücklich ist,
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Wo man den Glücklichen beneidet,
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Und des Bekümmerten vergißt;
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Hier kann der Mensch nie frei von Pein,
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Nie frei von eigner Schwachheit sein.

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Hier such ich's nur, dort werd ich's finden;
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Dort werd ich, heilig und verklärt,
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Der Tugend ganzen Wert empfinden,
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Den unaussprechlich großen Wert;
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Den Gott der Liebe werd ich sehn,
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Ihn lieben, ewig ihn erhöhn.

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Da wird der Vorsicht heilger Wille
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Mein Will und meine Wohlfahrt sein;
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Und lieblich Wesen, Heil die Fülle
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Am Throne Gottes mich erfreun.
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Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn
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Mich fühlen, daß ich ewig bin.

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Da werd ich das im Licht erkennen,
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Was ich auf Erden dunkel sah;
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Das wunderbar und heilig nennen,
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Was unerforschlich hier geschah;
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Da denkt mein Geist mit Preis und Dank
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Die Schickung im Zusammenhang.

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Da werd ich zu dem Throne dringen,
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Wo Gott, mein Heil, sich offenbart;
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Ein Heilig, Heilig, Heilig singen
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Dem Lamme, das erwürget ward;
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Und Cherubim und Seraphim
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Und alle Himmel jauchzen ihm.

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Da werd ich in der Engel Scharen
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Mich ihnen gleich und heilig sehn,
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Das nie gestörte Glück erfahren,
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Mit Frommen stets fromm umzugehn.
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Da wird durch jeden Augenblick
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Ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück.

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Da werd ich dem den Dank bezahlen,
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Der Gottes Weg mich gehen hieß,
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Und ihn zu millionen Malen
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Noch segnen, daß er mir ihn wies;
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Da find ich in des Höchsten Hand
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Den Freund, den ich auf Erden fand.

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Da ruft, o möchte Gott es geben!
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Vielleicht auch mir ein Selger zu:
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Heil sei dir! denn du hast mein Leben,
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Die Seele mir gerettet; du!
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O Gott, wie muß dies Glück erfreun,
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Der Retter einer Seele sein!

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Was seid ihr, Leiden dieser Erden,
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Doch gegen jene Herrlichkeit,
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Die offenbart an uns soll werden,
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Von Ewigkeit zu Ewigkeit?
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Wie nichts, wie gar nichts gegen sie,
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Ist doch ein Augenblick voll Müh!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Fürchtegott Gellert
(17151769)

* 04.07.1715 in Hainichen, † 13.12.1769 in Leipzig

männlich, geb. Gellert

Philosoph der Aufklärung, deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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