An die Kriegesmuse nach der Niederlage der Russen bei Zorndorf

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: An die Kriegesmuse nach der Niederlage der Russen bei Zorndorf (1758)

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Was siehest du so schüchtern nach mir her?
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Scheut eine Kriegesmuse, die den Held
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So tief in seine Schlacht begleitete,
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Mit ihm auf Leichen unerschrocken ging,
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Wie Engel Gottes in Gewittern gehn,
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Ihn einzuholen, wo er war, zu sein,
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Zu forschen seine Thaten überall,
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Von Leich auf Leiche große Schritte that;
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Scheut eine solche Muse Blut zu sehn?

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Stimm an, verewige den großen Tag,
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An welchem Vater
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Errettete, durch göttlichen Gesang!
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Nimm die verwaiste Leier von der Wand,
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Und mische starken Kriegeston darein,
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Und singe! Held, Soldat und Patriot,
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Steh um dich her und höre, lauter Ohr!
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Bewundernd Gottes Thaten,
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Wenn er sein Vaterland zu retten geht,
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Und lerne Gott und

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Denn standest du,
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Als der gekrönte Rächer nur verzog,
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Und

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Vor deinen Angen, Überwinder
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Wie? oder hörst du lieber andrer
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Dich nennen? – lagen wir unangezwackt
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Sechs Wochen lang; und, alle Tausende,
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Im Buche deiner Thaten, in das Reich
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Der Schatten zu versetzen, lebten hoch
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Und ließen deiner schönen Kaiserin
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Tockayer, nach der Krieges Arbeit, sich
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Gutschmecken, tranken auf des Helden Wohl,
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Der
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Und rühretest du dich in deinem Nest,
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So jagte dich der tapfere Husar,
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In deine hochverschanzte Felsenburg,
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Auf welcher du, mit deinem Vetter
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Ein Graf wie du, der deine Thaten thut,
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Betrachtend uns, und deinen
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Oft standest, dachtest, nie ersahest, wie
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Von dir ein Streich ihm zu versetzen sei.

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Du aber, guter alter
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In deinem
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Gab deinem Namen Ewigkeit, und schrieb
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Ein andrer
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Doch
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Als
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Und hätten, ohn ein ungeheures Pferd,
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Durch Mut dich überwunden, nicht durch List,
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Wofern nicht Gott der Herr gewollt, daß wir
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Ablassen sollten. –

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Hochgelobet sei,
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Von uns und deinem
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Daß du auf unsern ebnen Siegesweg
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Ein
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Der wie ein braver Mann sich wehrete,
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In seine hohen Wäll' und Mauren gabst!
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Denn gabst du es in unsre Hand, so war
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Kein Weg vor uns, als nach dem stolzen
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So hätten wir uns allzuweit entfernt
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Von unserm Vaterlande, dessen Schutz
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Wir sind, nach dir, o Gott! So wäre wohl
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Das Ach und Weh, der Jammer, das Geschrei
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Der Weiber und der Kinder, welche wir
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Zurückgelassen hatten, allzu spät
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Uns nach erschollen.
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Des Vaterlandes Ruf um Rache nicht
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Zu rechter Zeit und Stunde da gehört,
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Wo umzukehren war! Darum, o Gott!
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Sei ewig hochgelobt von uns und Ihm,
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Dem Züchtiger der Bosheit eines Volks,
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Das noch zu Menschen nicht geworden ist,
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Dich noch nicht kennt, daher gezogen kam,
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Heißhungriger als ein Heuschrecken Heer,
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Mit trägem aber giftgem Schneckengang
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In sein, o Gott! von dir gesegnet Land,
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Um eine Lebenlose Wüstenei
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Ein Land des Fluches, eine Steppe, gleich
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Den Steppen seiner Kaiserin daraus
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Zu machen. Langsam zog es so daher,
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Wie durch fruchtbares Feld in Afrika
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Giftvoller großer Schlangen Heere ziehn;
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Da steht auf beiden Seiten ihres Zugs
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Erstorbnes Grab, da steht, so weit umher
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Als ihre Bäuche kriechen, alles tot.
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Von
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So da, verwüstet, öde, traurig, tot.

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Allein der Held vernahm zu rechter Zeit
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In seinem Haus von Leinwand, auf der Bahn
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Des Sieges, deinen bangen schwachen Ruf,
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O Vaterland, zu Gott, und ihm! Und stracks
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War sein Gedank' allein an dich! Er gab
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Dem größern Feind ein wenig Luft, und flog
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Mit einem kleinen edlen Heldenheer
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Dahin, wo sein gequältes banges Volk
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Nach ihm sich umsah; betete für ihn,
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Und schwur geheim, in mancher Todesangst,
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Blieb ihm auch armes mattes Leben nur,
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Trotz aller Feindes Wut, getreu zu sein
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Dir, Gott! und deinem Liebling, welchem du
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Zuwider aller Welt, mit deiner Macht
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Recht schaffest, Sieg verleihst. Da flog er hin!
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Kam an in dir, du Sitz der Musen; wo
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Vor einer niedern Hütte, saß das Roß,
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Das, einen solchen Held zu tragen, stolz,
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Nicht müde von dem langen Fluge war,
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Daselbst ein wenig auszuruhen, ab,
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Ging in die offne niedre Hütte, fand
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Ein' arme fromme Witwe, die zu Gott
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Für den Gesalbten eben betete,
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Saß neben ihr auf einem harten Sitz,
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Nahm einem Wassertrunk aus ihrer Hand,
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Stand vor der kleinen Thür der Hütte, ließ
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Sein edles Heldenheer vorüber ziehn,
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Stieg auf, folgt ihm den Weg der Rache nach,
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Sah die Ruinen der getreuen Stadt
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In welcher er, ein künftger König, einst
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Dir, Weisheit! in die Arme fiel, und sich
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Entschloß zu sein, ein Vater seines Volks,
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Zu tragen stets in königlicher Brust
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Ein sanftes, menschlichs Herz! Damals als er
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Der Freundschaft Thränen zollte! Kam
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In ihrem Aschenhaufen an! O Gott!
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Wie jammert es dem Vater seines Volks
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Die Stadt nicht mehr zu sehn! Zum andernmal
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Weint er in ihr, anitzt – – Ein König weint?
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Gieb ihm die Herrschaft über dich, o Welt,
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Dieweil er weinen kann! – Jedoch der Bach
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Der Heldenaugen floß zu lange nicht,
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Der Thränen Stelle nahm ein glühend Rot
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Im feurigen Gesicht; gerechter Zorn
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Entstand aus Königlichem Mitleid stracks.
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Er wandte sich zu seinen Helden, schwur
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Sein rächend Schwert zu zücken und mit Gott
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Zu züchtigen die Henker seines Volks!

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Für jede Thräne, sprach er, fließe mir,
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Ein Strom von ihrem Blut, und, ehe sei,
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Du, meines Zornes Flamme, nicht gelöscht!

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Er stand, als er es schwur, noch auf dem Wall
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Der unbezwungnen Veste, sahe starr
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Mit Heldenaugen, fähig durch zu sehn,
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Was Götteraugen sonst nur sichtbar ist,
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Nach dir, du Lager der Barbaren, hin,
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Ein Fernglas in der Hand, sah, wie er dich
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Vertilgen könnte, sah es, stieg herab.

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Und Tages drauf, mit Sonnenaufgang ging
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Sein Heldenheer still über deinen Strom
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Du
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Es dir gebot, die Helden, die du trugst,
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Nicht aufzuhalten itzt auf ihrer Bahn?
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Sie sangen deinem Gott ein Morgenlied
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Und kamen wohl behalten über dich!

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Was zittertet ihr achtzig Tausend, da?
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Beim Anblick unserer von Todesschaur?
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Welch eine tiefe Stille ward? Was war
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Das leisere Gemurmel unter euch?
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Ja, ja der Schrecken Gottes überfiel
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Dich, Heer der schrecklichen Verwüster, schnell!

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Als du den großen Rächer kommen sahst,
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Die Blutfahn in der Hand, die er noch nie
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Dem edlern Kriegesfeind entgegen trug,
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Da standest du betäubt, erstarret, stumm,
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Die Augen weggewandt von dem, der kam,
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Wie unter Wetterwolken Sünder stehn,
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Die Gottes Donnerstrahl auf ihrem Haupt
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Erwarten. Bangigkeit und Furcht und Angst
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Fiel, plötzlicher als eine Centner Last,
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In aller deiner großen Helden Brust,
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Ward größer stets, je mehr Er näher kam!

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Zusammensteckend ihre Köpfe stand
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Ihr großer Haufe;
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Sein graues Haupt dreimal; sie zitterten;
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Zuletzt war ihr verzweiflender Entschluß,
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Ein großes Viereck und der Tod. Nur du,
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Grausamer, der den Wall, anstatt der Stadt,
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Verschonete, vergnügt sie brennen sah,
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Auflachete, wenn Ach und Weh zugleich
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Mit ihren Flammen zu den Wolken stieg,
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Wenn schwarzer Dampf sie zu ersticken schien,
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Unmenschlich neue Höllenflammen schuf,
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Warfst deine Zündefackel aus der Hand,
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Entflohest auf dein Roß geschwungen; warst
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Dem Tod entronnen. Aber, Hezensangst
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Saß mit auf deinem Roß, und floh mit dir
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Weg aus der Schlacht. Nun träumst du Höll und Tod.
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Und alle Flammen, welche dir zur Lust,
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Der Menschen Wohnungen verzehreten,
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Siehst du zusammenschlagen über dir.
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Dein ganzes Leben sei ein solcher Traum!
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Die Menschheit sehe sich dadurch gerächt,
190
Weit mehr als durch des Schwertes schnellen Tod
191
Den es Besiegten oft barmherzig schenkt.

192
Kallmucken und Kosaken freß es schnell!
193
Qualvolles langes Leben aber sei
194
Das Los der Häupter über sie, die sie
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Wie Tigertier auf Menschen hetzen, Furcht
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Voraus zu senden über Stadt und Land
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Wohin der Krieger seine Waffen trägt!
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Nicht deines, Heldin, die sich auf den Thron
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Des großen Vaters, ohne Schwertes Schlag,
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Zu setzen wußte; lauter Gnad und Huld
201
Wohin sie sieht, ausbreitet um sich her;
202
Von Menschenmartern, Qual und Pein und Tod
203
Stets ihre Majestät wegwendet; Blut
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Nicht sehen will, um ihren Thron nicht sieht:
205
Denn du gabst nicht den schrecklichen Befehl:
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Die Wütriche, die Henker deines Reichs,
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Die noch zu Menschen nicht geworden sind,
208
Kallmucken und Kosaken sollten ziehn,
209
In Menschenland, zu wüten wider sie,
210
Zu sein die Teufel deines Kriegesheers!

211
Jedoch, sie haben ihre Strafe hin!
212
Des Rächers Schwert fraß sie wie dürres Gras,
213
Bei Tausenden, die Hölle nahm sie auf!

214
So lange du, o Vater, vor uns her
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Die schreckliche Blutfahne trugst, und nichts
216
In deiner Arbeit für das Vaterland
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Dein Leben achtetest, so lange floß
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Für jede Thräne deines Volkes Blut,
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So lange schlug das rächerische Schwert
220
Nicht deinen sondern aller Menschheit Feind,
221
Und mähete die ungeheure Brut
222
Unmenschen weg, aus deines Gottes Welt.

223
Der Engel der bei
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Um den Gesalbten glänzte, war auch itzt
225
Sein Schutzgeist. Näher sah ich ihn, als dort,
226
Er trug im schönen Engelangesicht
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Des großen

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Aus einem Strome schwarzen Mörderbluts
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Trat ich mit scheuem Fuß auf einen Berg
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Von Leichen, sahe weit um mich herum
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Nun keinen zu erschlagen mehr, stand hoch
232
Mit hohem Hals, warf einen scharfen Blick
233
Durch Wolkengleichen schwarzen Dampf der Schlacht
234
Nach dem Gesalbten, heftete auf ihn,
235
Und den Gesandten Gottes, seinen Schutz,
236
Die Augen und Gedanken fest. Und da,
237
Da war es, Muse, (denn du warest nicht,
238
Wo nur erschlagen nicht besieget ward)
239
Als mich ein Mörder traf, als fast zugleich
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Der edle
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Und Patriot, hinsank, den schönen Tod
242
Fürs Vaterland, nicht unwillkommen, starb,
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Ich aber ihn zu sterben noch nicht reif,
244
Mit dieser Wunde weg getragen ward.

245
Sing es, o Muse, singe Gottes Zorn,
246
Und
247
Geschwinder. Dein Gesang besänftige
248
Den Höllenschmerz, er mache daß der Arm
249
Der hier gebunden müßig liegen muß,
250
Bald wieder frei sei, für das Vaterland
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Zu streiten. Deines edlen Freundes Tod
252
Rächt er an den Barbaren auch noch gern,
253
Wenn nur das Schwert nicht alle weggerafft.

254
Soll aber er nicht wieder streiten, soll
255
Ich nicht den Friedensengel kommen sehn,
256
Nicht im Triumph den unbesiegten Held
257
Begleiten nach
258
Des göttlichen
259
Dann, liebe Muse, weine nur um mich
260
Ein kleines Lied, dann lebe wohl, o Welt!
261
In welcher wider einen
262
Der Erden Könige verschworen sind.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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