Siegeslied nach der Schlacht bei Roßbach

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Siegeslied nach der Schlacht bei Roßbach (1757)

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Erschalle, hohes Siegeslied,
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Erschalle weit umher!
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Daß dich der Feind, wohin er flieht,
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Vernehme hinter her.

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Den, welcher unsern Untergang
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In bösem Herzen trug,
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Den schlage, mutiger Gesang,
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Wie

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So, wie ein junger Löwe liegt,
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Und laurt auf seinen Feind,
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Der stolz ist, in Gedanken siegt,
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Ihn leicht zu zwingen meint;

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So, tapfre Brüder! lagen wir,
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Wir kleiner Hauf im Thal.
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Der Abend kam, da schliefen wir,
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Nach langem Marsch einmal!

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Vom Pulverdonner eingewiegt,
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Und von der Waffen Last
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Ermüdet, schliefen wir vergnügt,
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Und hatten gute Rast.

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Nur
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Nur unser Held durchritt,
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Voll Anstalt zu der nahen Schlacht,
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Die Felder, Schritt vor Schritt.

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Vom Sternenvollen Himmel sahn
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Bewundernd den gemachten Plan,
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Gedankenvoll den Held!

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Gott aber wog, bei Sternenklang,
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Der beiden Heere Krieg,
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Er wog, und Preußens Schale sank,
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Und Östreichs Schale stieg.

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Der Neid, der neben Thronen sitzt
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Im ungetreuen Wien,
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Knirscht mit den Zähnen, Rache blitzt
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Aus Augen, welche glühn;

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Der hatte wider Deine Macht
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Und Weisheit,
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Der Erde Fürsten aufgebracht,
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Gott aber blieb für Dich.

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Nun mögen sie bei ihrem Krieg
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Verraten im Gesicht;
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Der Himmel gebe solchen Sieg
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Dem Ungerechten nicht.

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Der große Morgen brach hervor,
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Und brachte großen Tag.
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Den Morgengruß in unser Ohr
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Trug mancher Donnerschlag.

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Wir aber hörten kaum darauf,
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Wir dachten keinen Tod;
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Wir standen ausgeruhet auf
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Und kochten Morgenbrot.

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Die Feinde kommen, sagte man,
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Wir aber blieben still,
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Wir sahn sie kommen, nah daran,
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Wir aber blieben still!

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Denn
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Bis
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Von allen war er nun zu sehn,
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Und alle sagten, Marsch!

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Aus unser aller Augen stieg
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Ein rechter Freudenstrahl,
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Wir wurden alle lauter Sieg,
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Und lachten ihrer Zahl.

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Wir liefen alle, Mann bei Mann,
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Ein jeglicher ein Held!
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Als wollten wir, Berg ab Berg an,
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Durchlaufen alle Welt.

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Was meinte da der dumme Feind?
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Er meint: es wäre Flucht;
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Spricht sich einander, was er meint;
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Schwillt auf von Siegessucht;

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Zieht einen großen halben Mond
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Um unsre Flucht herum;
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Ruft laut: der Hunde nicht geschont!
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Wie dumm war er, wie dumm!

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Wir liefen auf der Siegesbahn,
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Die
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Geritten war, und nach dem Plan,
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Den er allein gemacht.

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Es war ein rechter Wettelauf;
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Schnell aber hörten wir:
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Halt! richtet euch! marschieret auf!
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Steht! Plötzlich stunden wir.

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Mit einem Blick konnt' uns der Feind
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Querüber übersehn.
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Verspottend sah er uns vereint,
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Uns, kleinen Haufen, stehn,

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Da dacht ein witziger Franzos:
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Unrühmlich sei die Schlacht,
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Sein
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Zu wenig

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Als aber
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Der Britte, Feuer! rief,
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Und Feuer war; o da war er
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Der erste, welcher lief.

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Was dacht' er doch in seinem Lauf?
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Er dacht, erstarrt und stumm,
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Der Hölle Rachen thut sich auf,
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Lief fort, sah sich nicht um.

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Welch einen Sieg, o
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Gab Gott uns bald und Du!
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Acht Haufen stritten nur für dich,
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Die andern sahen zu.

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Sie stritten, angefeurt von dir,
105
Und
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Er blutete, wir sah'n es, wie,
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Und rächeten sein Blut.

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Ha, welcher Donner! welcher Kampf!
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Wir speiten Flamm' und Tod;
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Wir wandelten in Rauch und Dampf,
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Schwarz wie der Höllen-Gott.

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Du, Frankreichs großer Donnerer,
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Verstummtest! Rächte sich
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An deiner Kunst ein Stärkerer?
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War

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Hat seines Donners Schlag auf Schlag
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Dir nicht ein Haar verbrannt?
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Die drohende Kolonne lag
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Stracks hingestreckt im Sand.

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Mit seinem Häufchen Reiterei
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Hieb
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Welch ein Gemetzel, welch Geschrei:
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Wer kann, der rette sich!

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Franzose, nicht an Mann und Pferd,
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An Heldenmut gebrichts.
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Was hilft dir nun dein langes Schwert
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Und großer Stiefel? nichts!

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Dich jagt der schwärmende Husar,
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Mit einem wilden Blick.
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Nur drohend, bracht' er eine Schar
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Gefangener zurück.

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Reicht' ihm der Ritter und der Graf
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Die Orden Ludewigs,
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Geduldig, wie ein frommes Schaf,
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Zum Zeichen seines Siegs:

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So fordert er kein Menschenblut,
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Schenkt ihm das Leben gern,
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Und spricht mit ihm vom Heldenmut
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Des Königs, seines Herrn.

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Den Bittenden verschonet er,
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Den andern haut er scharf;
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Vergnügt, wenn er zu seiner Ehr
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Kein Blut vergießen darf.

144
O, welch ein Schlachtfeld, welche Flucht!
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Wo blieb der große Mond?
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Wo rufen sie voll Siegessucht:
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Der Hunde nicht verschont!

148
Willkommen war die dunkle Nacht
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Dem Reiter und dem Roß,
150
Das langsam anfing seine Schlacht,
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Geschwinde sie beschloß;

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Und allem Volke, das vom Neid
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Hinein gezwungen war,
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Aus allen Landen weit und breit,
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Am zehnten Januar.

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Dem
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Starr haltend seine Hand:
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Still stand, und Himmel! Himmel! rief;
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Mein Finger ist verbrannt!

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Dem
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In langen Beinen fühlt,
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Im Laufen stürzt, und Nasenblut
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Für Wundenströme hielt.

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Dem
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Wie eine Katz' im Fang,
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Geberden macht, als macht er sie
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Auf einer Folterbank.

168
Und als er hinter sich den Tod
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Von Bergen kommen sah,
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Andächtig betete zu Gott,
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Und sprach: da kommt er ja!

172
Dem
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Der Fluch und Segen sprach,
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Sich zu verstecken, seinen Kopf
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In Weiberhaube stach;

176
Und seinen großen Knebelbart
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Abschnitt, und einen Pfahl,
178
Zu springen schnell nach Frosches Art,
179
Von einem Weinberg stahl.

180
Dem
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Unaufgeschwellt von Siegessucht,
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Gern laufen sah, und lief;

183
Und sagte: »Bruder!
184
Ein rechter Schweizerheld,
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Ein Tell, Gott hilft ihm wider List
186
Und Macht der ganzen Welt!«

187
Dem
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Mit Berganstehndem Haar,
189
Von Roßbach bis nach Amelung
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In seiner Heimat war.

191
Dem
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Hoch pries und seinen Sporn,
193
Und doch von kaltem Schrecken tot
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Ankam zu Paderborn.

195
Dem
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Umrennte, wie sein Tand,
197
Gerührt vom ersten Waffenblitz,
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Starr ward, und stille stand.

199
Dem
200
In dicker Finsternis,
201
Voll Furcht und Hunger, ritterlich
202
In Pumpernickel biß.

203
Dem
204
Verglich mit weißem Wein,
205
Und sprach: Wie gut wär' es, wie gut,
206
Bei meiner Braut am Rhein!

207
Dem
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Aus dem Geschwader riß,
209
Mehr flog, als ritt, Pistol und Schwert
210
Zum Teufel von sich schmiß.

211
Und dem bezahlten
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Der ohne Hut und Herz,
213
Saß hinter einem Dornenstrauch,
214
Beweinend seinen Schmerz.

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Flieh, riefen tausend, Bruder, flieh!
216
Sie kommen! sie sind da!
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Auf ihren Bäuchen lagen sie,
218
Und baten Leben. Ha!

219
Wir gaben es. Der Menschenfreund,
220
Der große
221
Demütigt seinen stolzen Feind,
222
Und dann erbarmt er sich.

223
Er siegt! – – Fürtrefflicher Gesang,
224
Wir haben noch zu thun,
225
Halt ein, und werde künftig lang,
226
Wenn wir von Arbeit ruhn.

227
Wenn
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Das große Werk vollbracht,
229
Gebändigt hat das stolze Wien,
230
Und Deutschland frei gemacht.

231
Wenn er im Schoß des Friedens ruht,
232
Mit Lorbeern – vollem Haupt,
233
Nicht müßig, täglich Wunder thut,
234
Und keine Wunder glaubt.

235
Nachtwachend seiner Völker Glück
236
Und Wohlfahrt überlegt,
237
Und Gnad' und Huld im scharfen Blick
238
Der großen Augen trägt;

239
Zu Potsdam große Weisen lies't,
240
Nach Weisheit Thaten mißt,
241
Und mehr als alle, die er lies't,
242
Ein großer Weiser ist:

243
Dann sing' uns alle Thaten vor,
244
Die wir mit ihm gethan,
245
Der Enkel hab ein lauschend Ohr,
246
Und steh und gaff' uns an.

247
Jetzt folgen wir dem Menschenfreund,
248
Den Blick gekehrt nach Wien,
249
Zu schlagen einen andern Feind,
250
Und lassen diesen ziehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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