Siegeslied nach der Schlacht bei Lowositz

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Siegeslied nach der Schlacht bei Lowositz (1757)

1
Gott donnerte, da floh der Feind!
2
Singt, Brüder, singet Gott!
3
Denn
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Hat obgesiegt mit Gott.

5
Bei Außig sahen wir den Held;
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Wie feurig brannten wir,
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Zu stehn mit ihm in Siegesfeld!
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Nun stehen wir es hier.

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Er ging, mit einer kleinen Schar,
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Den Siegesweg voran!
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Und schlug, wo Feind zu schlagen war,
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Und macht uns reine Bahn!

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Wir hatten Nacht, er aber nicht.
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Du, hoher Paschkopoll!
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Sahst ihn, im Helden Angesicht,
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Den Mars und den Apoll!

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Auf einer Trommel saß der Held,
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Und dachte seine Schlacht,
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Den Himmel über sich zum Zelt,
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Und um sich her die Nacht.

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Er dachte: »Zwar sind ihrer viel,
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Fast billig ist ihr Spott!
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Allein, wär' ihrer noch so viel,
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So schlag' ich sie mit Gott!«

25
Das dacht' er, sahe Morgenrot,
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Verlangen im Gesicht!
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Der gute Morgen, den er bot,
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Wie munter war er nicht!

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Sprang auf von seinem Heldensitz,
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Sprach: »Eh' noch Sonne scheint,
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Kommt, Helden! hinter Lowositz,
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Zu sehen meinen Feind!«

33
Da kamen
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Und Braunschweigs Ferdinand!
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Vier große Helden, weit und breit
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Durch ihren Mut bekannt.

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Auch drangen andre Helden sich
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Den großen Helden nach,
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Zu stehen neben
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Zu horchen, was er sprach!

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Frei, wie ein Gott, von Furcht und Graus,
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Voll menschlichen Gefühls,
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Steht er, und teilt die Rollen aus
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Des großen Trauerspiels!

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Dort, spricht er, stehe Reiterei,
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Hier Fußvolk! – Alles steht
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In großer Ordnung, schreckenfrei,
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Indem die Sonn' aufgeht.

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So stand, als Gott der Herr erschuf,
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Das Heer der Sterne da;
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Gehorsam stand es seinem Ruf
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In großer Ordnung da!

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Die Sonne trat mit Riesenschritt,
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Auf ihrer Himmelsbahn
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Hervor, daß wir mit ihrem Tritt
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Auf einmal vor uns sahn:

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Ein unaufhörlich Kriegesheer,
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Hoch über Berg und Thal,
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Panduren, wie der Sand am Meer,
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Kanonen ohne Zahl!

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Und stutzten, Helden wohl erlaubt,
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Nur einen Augenblick;
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Ein Haarbreit schlugen wir das Haupt,
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Doch keinen Fuß zurück!

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Denn alsobald gedachten wir
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An Gott und Vaterland;
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Stracks war Soldat und Offizier
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Voll Löwenmut, und stand.

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Und näherte dem Feinde sich,
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Mit gleichem großen Schritt,
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Halt! sagte König
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Halt! da war es ein Tritt.

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Er stand, besah den Feind und sprach,
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Was zu verrichten sei;
75
Wie Gottes Donnerwetter brach
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Hervor die Reiterei!

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Huy! sagte Roß und Mann zugleich,
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Flog mit Geprassel, ließ
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Land hinter sich, bis Streich auf Streich,
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Auf Panzer Panzer stieß!

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Zu mutig jagte sie, zu weit,
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Den zweimal flüchtgen Feind,
83
Der mehr durch Trug, als Tapferkeit,
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Uns zu bezwingen meint.

85
Denn, ihrer Hitze viel zu früh,
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Hemmt ihres Schwerts Gewalt
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Kartätschenfeuer unter sie,
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Aus tück'schem Hinterhalt!

89
Wie boshaft freut der Ungar sich,
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Dem List, nicht Mut gelung!
91
Sie flieht zurück, und
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Hält ihre Musterung.

93
Ha! Vater
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Uns, uns Patronen her!
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Denn deinem armen Grenadier
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Ist schon die Tasche leer.

97
Wenn er nicht Pulver wieder hat,
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So hat er hier sein Grab!
99
Die Hunde regnen Kugelsaat
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Von ihrem Turm herab!

101
Stürzt, sprach er, sie von ihrem Turm
102
Mit Bajonett herab!
103
Wir thaten es, wir liefen Sturm,
104
Wir stürzten sie herab!

105
Wir rissen Mauern ein, Pandur!
106
Erstiegen deinen Schutz!
107
Und boten, Tieger von Natur,
108
Dir in die Nase Trutz!

109
Du liefest, was man laufen kann;
110
Du sprungest in die Stadt!
111
Wir riefen, »Alles hinteran,
112
Was Herz im Leibe hat!«

113
Der tapfre
114
Und führte bei der Hand
115
Dich,
116
Pandur und Stadt in Brand!

117
Und Brüder,
118
Voll Helden Eifersucht;
119
Ließ uns und unserm
120
Das Schlachtfeld, nahm die Flucht.

121
Wer aber hat durch seine Macht
122
Dich,
123
In Angst gesetzt, in Flucht gebracht?
124
Gott, der auf Wolken fuhr!

125
Sein Donner zürnte deinem Krieg
126
Bis spät in schwarze Nacht.
127
Wir aber singen unsern Sieg,
128
Und preisen seine Macht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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