8. Von der Eichel und dem Kürbis

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: 8. Von der Eichel und dem Kürbis (1761)

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Sohn, mit Weisheit und Verstand
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Ordnete des Schöpfers Hand
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Alle Dinge. Sieh umher!
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Keines steht von ohngefähr,
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Wo es steht! Das Firmament,
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Wo die große Sonne brennt,
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Und der kleinste Sonnenstaub,
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Deines Atems leichter Raub,
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Trat, auf unsers Gottes Wort,
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Jegliches an seinen Ort.
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Jedes Ding in seiner Welt
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Ist vollkommen; dennoch hält
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Mancher Thor es nicht dafür,
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Und kunstrichtet Gott in ihr!

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So ein Thor war jener Mann,
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Den ich dir nicht nennen kann,
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Der, als er an schwachen Ranken
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Einen Kürbis hangen sah,
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Groß und schwer, wie deiner da,
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Den du selbst gezogen hast,
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Den verwegenen Gedanken
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Hegte:

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Also denkend geht er fort,
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Und gelanget an den Ort
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Einer Eiche; lagert sich
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Längelang in ihren Schatten,
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Und schläft ein. –

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Die Winde hatten
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Manchen Monat nicht geweht;
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Aber, als er schläft, entsteht
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In der Eiche hohem Wipfel
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Ein Gebrause; starke Weste
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Schütteln ihre vollen Äste;
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Plötzlich stürzt, von dem Bewegen,
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Prasselnd ein geschwinder Regen
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Reifer Eicheln von dem Gipfel.
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Viele liegen auf dem Grase,
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Aber eine fällt gerade
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Dem Kunstrichter auf die Nase!

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Plötzlich springt er auf und sieht,
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Daß sie blutet:
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Und bereuet auf der Flucht
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Den Gedanken, welcher wollte,
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Daß der Eichbaum eine Frucht,
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Gleich dem Kürbis, tragen sollte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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