18. Die zwei Esel

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: 18. Die zwei Esel (1761)

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Zwei Esel zankten sich, ein Deutscher und ein Britte;
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Nein, sprach der Deutsche, nein!
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Ich wär ein Schaf, ich Esel! wenn ich's litte,
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Daß man die Ohren mir beschnitte,
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Die lang genug nicht können sein!

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Der Britte sprach: ich bitte!
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Der Hals geschoren,
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Und kurz die Ohren,
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Das ist die neue gute Sitte!

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Nein, sprach der Deutsche, nein!
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Wir Deutschen sind dem Ohren-Schnitte
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Sehr gram.
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Der Zank
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War heftig, grob und lang,
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Darum mag ich ihn nicht der Länge nach erzählen;
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Ich würde nur die Ohren quälen,
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Die kurzen und die langen; kurz, der Zank
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Beschloß, weil beide Zänker
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(sie waren nicht die besten Denker!)
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Den Geist nicht hatten, sich einander auszuweichen
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In ihrem Streit,
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Und über eine Kleinigkeit
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Sich mit einander zu vergleichen,
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Beschloß mit Schlägerei! Der Deutsche biß
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Den Britten tapfer, schmiß
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Ihn nieder, riß
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Ein Aug' ihm aus, rieb ihm die Ohren,
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Die abgestutzten, scharf, macht' ihn schachmatt,
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Und kurz: der Britte hat
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Die Schlacht verloren!

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Der gute Britte war dem Deutschen viel zu schwach.
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Daß doch dem armen Schelm die nicht zu Hilfe kamen,
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Die's sahn, wie schwach er war!
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Die Fabel lehrt: Wir ahmen
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Nicht eben alle Moden nach!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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