15. Tamerlan und seine Tochter

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: 15. Tamerlan und seine Tochter (1761)

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Die liebste Tochter Tamerlans,
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Des Helden, welcher Furcht und Schrecken
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Um sich verbreitete, hieb eines schönen Hahns
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Geliebter Henne, (die zu wecken,
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Der Hahn sein häßliches Kikri,
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Hochstehend, jeden Morgen schrie,)
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Nicht dieses harten Schicksals wert,
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Den Kopf ab mit des Vaters Schwert.

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Der Vater sah's. Unschuldigen Geschöpfen
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Haut man den Kopf nicht ab, sprach er;
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Wer, Henker! lehrte dich des Hahns Gemahlin köpfen?
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Unmenschliche Tyrannin! wer?
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»herr Vater, Sie!« – Tyrannin, kniee nieder!
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Gerechtigkeit muß sein, du bist mir nicht zu lieb!

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Der Tochter zitterten, hinknieend, alle Glieder!
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Der Vater nahm das Schwert, und hieb
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Den schönsten Mädchenkopf
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Der liebsten Tochter ab,
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Faßt ihn beim Schopf
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Und legt ihn sanft ins Grab!

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Ob wohl mit Menschenblut der große Tamerlan,
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Der böse Thaten hat gethan,
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Die Götter zu versöhnen meinte?
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Lehrt's, Menschenlehrer! mich!

25
Zwo Thränen bitterlich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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