5. Der Hahn und die Hausmagd

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: 5. Der Hahn und die Hausmagd (1761)

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Ein Hahn stand auf dem Mist, und scharrte tief, und fand,
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Statt eines Gerstenkorns, den schönsten Diamant!

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Ei! wärst du, sprach der Hahn, ein Gerstenkorn gewesen!
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Und wetzte seinen Rittersporn,
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Und warf den schönen Stein weit von sich weg, im Zorn!

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Die Hausmagd, fegend mit dem Besen,
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Sah um sich, sah den Wurf, hob auf den schönen Stein,
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Und: schönen Dank, Herr Hahn! sprach sie, sie sollen leben!
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Dafür, daß sie den Stein mir zum Geschenk gegeben,
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Will ich, Herr Hahn! einmal zu ihren Diensten sein!
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Die Köchin, die das Messer schleifen
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Und, eine Mörderin, an ihnen sich vergreifen
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Mit ihrem Messer will, die hats mit mir zu thun!
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Sie, mein Herr Hahn, sie selbst, und auch ihr liebstes Huhn,
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Sie beide sollen nicht grausamen Todes sterben!
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Und sterb' einst ich, dann sollen sie
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(sie sind ein gutes Vieh!)
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Von mir ein schön Gefäß, gefüllt mit Gersten, erben!

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Der Hahn hört's alles, steht auf seinem Misthof, denkt:
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Das Ding hat sich gelenkt!
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Der Stein enthielt den Grund von meinem längern Leben,
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Und ich, ich warf ihn weg! ich Dummkopf! hätt ich ihn
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Der Landesmutter zu Berlin,
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An ihre Krone, hingegeben:
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Wer weiß, was dann aus mir geworden wär! Allein,

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So denkt der weisre Hahn! So handelt und so spricht,
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In Häusern und in Hütten,
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Der klügre Mensch, und sieht sogleich das Große nicht,
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Das aus dem Kleinen quillt!
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Und der, der alles lenkt,
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Gold, Kurhut, Majestät, und Excellenz und Gnaden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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