Die Träumerin

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Die Träumerin (1761)

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Ein kleines schwarzes Mädchen,
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Hielt auf dem weichsten Bette,
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Die sanfte Mittagsruhe.
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Es schlief, wie Mädchen schlafen,
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Es lächelte im Schlafe;
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Es regte sich der Busen,
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So oft es Athem holte.
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Es that, als wolt es wachen;
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Es warf sich hin und wieder,
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Und lächelte noch zweimal;
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Es stekkte bey dem Lächeln,
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Die rechte Hand im Busen.
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Ich bükkte mich und lauschte
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Die Linke zu erblikken;
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Allein sie war verborgen.
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Doch, als ich nicht mehr lauschte,
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Zog es sie schnell zurükke,
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Und warf sie zu der Rechten,
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Und faltete die Hände,
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Wie fromme Beterinnen,
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Die Händ aus Andacht falten.
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Ach! sprach ich zu den Brüdern,
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Ach seht, das Mädchen betet!
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Warum mag doch das Mädchen,
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Den harten Himmel bitten?
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Vernimm es, sprach ein Bruder:
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Ich weiß, daß fromme Mädchen
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Gott oft um Männer bitten,
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Und daß sie oft, in Träumen,
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Die Bitten wiederholen,
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In Träumen Männer haben,
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Und glauben sie zu küssen.
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Dis glaub es, lieber Bruder,
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Dis glaubet auch das Mädchen.
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Gleich schlich ich zu dem Mädchen,
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Und fragt es: Wilst du küssen?
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Da strekkte mir das Mädchen
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Die Lippen schnell entgegen,
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Und eh ich sie berührte,
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Ertönten schon die Schmätzgen.

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Nun sagt einmal, ihr Schönen,
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Zu mir und meinen Brüdern:
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Ihr wolt nur immer küssen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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