Einladung nach Berlin

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Einladung nach Berlin (1761)

1
Der iunge Zefir weicht,
2
Da er sein Ziel erreicht;
3
Er folget der Natur,
4
Und weicht von unsrer Flur.
5
Sein sanfter freier Hauch
6
Verläßt den Rosenstrauch,
7
Den er sonst nicht verließ,
8
Wann er des Morgens blies,
9
Von dem er, wann er kam,
10
Den Ambra mit sich nahm,
11
Und dann im Abendflug
12
Zu meiner Laube trug.

13
Nun stirbt das frische Gras
14
Vom kalten Boreas,
15
Der stürmisch drüber fährt
16
Der Wiesen Schmukk verheert,
17
Und feindlich, wie ein Tod,
18
Den Blumenbeeten droht.
19
Er hat schon Florens Tracht
20
Zum Teil zu nicht gemacht.
21
Ihr buntes Sommerkleid
22
Vermißt den Unterscheid.
23
Das schön gefärbte Kraut
24
Wird blaß und gelb geschaut.
25
Freund, folge meinem Rath,
26
Und suche nun die Stadt,
27
Die, wenn der Sommer schließt,
28
In Zimmern ihn genießt.
29
Da sieht man beim Kamin
30
Manch Donnerwölkchen ziehn!
31
Da zeigt des Künstlers Hand
32
Uns Floren an der Wand;
33
Und was, auf ihrer Jagd,
34
Dianen froh gemacht:
35
Zu dieser Frölichkeit
36
Sind Zimmer eingeweiht.

37
Du sprichst: Wo find ich dort,
38
Den angenehmen Ort,
39
Den frohen Aufenthalt,
40
Den kleinen stillen Wald,
41
Wo ich der Städte Pracht
42
So oft vergnügt belacht,
43
Wenn mir der Vögel Schaar
44
Statt Virtuosen war,
45
Wo ich die Schäferinn,
46
Der ich ergeben bin,
47
Mit Blumen schön geziert,
48
Zum Tanze aufgeführt?

49
Den schönsten Blumenkranz,
50
Den muntern Schäfertanz,
51
Solst du, gedoppelt schön,
52
Im Opernsaale sehn.
53
Da sieht man unserm Pan
54
Das Groß und Schöne an,
55
Das Schöne so ihn ziert,
56
Wenn er den Reihen führt;
57
Und daß sein Heldenmuth
58
Sich so zum Schäferhuth,
59
Als zu dem Helme schikkt,
60
Wenn ihn der Feind erblikkt.

61
Du weist wie schön es klingt
62
Wenn
63
Und hast dich oft gefühlt,
64
Wenn
65
Wie froh war Herz und Ohr
66
Wenn
67
Zum Streite aufgeführt?
68
Wie wurdest du gerührt?
69
Bald lachtest du für Lust,
70
Bald seufzte deine Brust.
71
Der Töne Gram und Scherz
72
Drang wechselsweis ans Herz.

73
Dein Feld ist wüst und leer,
74
Dein Wald erklingt nicht mehr,
75
Das Volk in deiner See
76
Springt nicht mehr in die Höh.
77
Bereite deine Brust,
78
Zu mancher neuen Lust.
79
Wie schön
80
Wie künstlich
81
Wie witzig ... dalt
82
Wie treflich
83
Wie
84
Lehrt dich dein Landgut nicht.

85
Freund, ist zur Winterzeit
86
Des Landes Einsamkeit,
87
Dem prächtigen
88
Noch irgend vorzuziehn?
89
Ich weiß, du sagest nein.
90
So triff denn öfters ein.
91
Dein brauner rascher Gaul
92
Ist unter dir nicht faul.
93
Doch komm auch oft gepaart,
94
Auf einer Schlittenfahrt,
95
Und nimm, so fährst du warm
96
Dein Schätzgen in den Arm.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.