Es fragten mich einst Mädchen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Es fragten mich einst Mädchen Titel entspricht 1. Vers(1761)

1
Es fragten mich einst Mädchen
2
Mit braunen Augenbraunen:
3
Freund, warum trinkst du Kaffee?
4
Da sprach ich zu dem Mädchen:
5
Zur Ehre der Brunetten!
6
Dis rühmten sich die Braunen
7
Heut in der Kaffeestunde,
8
Als sie den blonden Mädchen
9
Den Vorzug streitig machten.
10
Sie zankten sich beim Kaffee,
11
Und riefen mich zum Schlichten.
12
Komm! sprach ein loses Mädchen,
13
Und winkte mit dem Fächer,
14
Du hast ja einst gesungen,
15
Du köntest Händel schlichten;
16
Nun schlicht auch unsre Händel.
17
Doch, erst muß ich dich fragen:
18
Warum trinkst du den Kaffee?

19
Verrätrische Brunette,
20
Es hören mein Bekentniß
21
Die artigsten Blondinen,
22
Es hörts die blonde Doris,
23
Allein ich darf nicht schweigen.

24
Ich sprach, so bald sie fragte:
25
Zur Ehre der Brunetten!
26
Und that den stillen Seufzer:
27
Minerva gib mir Weisheit.
28
Noch da ich also seufzte,
29
Bewegten sich die Braunen
30
An allen Kaffeetischen,
31
Und klatschten in die Hände,
32
Und wiesen auf die Blonden,
33
Und machten stolzre Minen
34
Als Juno, da sie herschte.
35
Schnell trat ich zu den Blonden,
36
Und frug die blonde Doris:
37
Was iauchzen denn die Schönen?
38
Da sprach die Blonde spöttisch:
39
»du trinkest ia den Kaffee
40
Zur Ehre der Brunetten.«

41
Hier sagt ich langsam wieder,
42
Was mir die weise Göttin
43
Unsichtbar heimlich sagte:
44
»den braunen Trank der Türken
45
Trink ich des Nachmittages
46
Zur Ehre der Brunetten;
47
Den weissen Trank der Seren,
48
Den Thee, trink ich des Morgens
49
Zur Ehre der Blondinen.«

50
Schnell iauchzten alle Blonden,
51
Und klatschten in die Hände,
52
Und wiesen auf die Braunen,
53
Und spotteten der Minen
54
Des Vorzugs und des Stolzes.

55
Ich aber gab Minerven
56
Den Dank für ihre Weisheit,
57
Und schlich mich aus dem Zimmer,
58
Und ließ die Schönen zanken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.