Wie war es zu der Aeltern Zeit

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Wie war es zu der Aeltern Zeit Titel entspricht 1. Vers(1761)

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Wie war es zu der Aeltern Zeit,
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Wenn sich ein schönes Paar gefrei't?
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Der Ehestand war voller Streit,
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Voll Einigkeit die erste Liebe.
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Wie geht es in der iungen Welt,
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Wenn sich ein schönes Paar gefällt?
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So bald es eh'lich sich gesellt,
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Verwandeln sich die ersten Triebe.

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Der allerwürdigste Genuß,
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Ein süsser und verschwiegner Kuß
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Wird bitter durch das Wörtlein: Muß.
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Dis war der klugen Alten Glaube.
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Ich glaub' es mit und sage dis:
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Vor meinen Mund schmekkt ganz gewiß
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Ein Schmätzgen noch einmal so süß,
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Wenn ich es schönen Lippen raube.

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Wem seine Liebe glükken soll,
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Der prüfe Herz und Nieren wol,
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Sonst wird sein Haus von Kummer voll,
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Und leer von Lust, und Scherz, und Liebe.
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Dann geht es so, wer weiß nicht? wie,
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Sie wünscht sich den, er wünscht sich die,
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Und beide finden ohne Müh
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Ernehrer der entstandnen Triebe.

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Ein Beispiel ist mir schon bewußt,
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Und ohne Lieb' und ohne Lust
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Hört Martha: Schätzgen, komm, du mußt;
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Und folgt langsam mit kleinen Schritten.
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Wenn sich Bellander eingestellt,
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Der sich vor viel geschikkter hält,
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Von dem sie selbst dis Urteil fällt,
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So läßt sie sich nicht lange bitten.

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Was würket nicht der schnöde Zwang!
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Gefälligkeiten ohne Dank,
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Und oft sein ganzes Lebelang
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Erkenntniß eh'licher Beschwerden.
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Es lebe, was sich scherzend übt!
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Es lebe, was sich mir ergiebt!
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Und doch dabei die Freiheit liebt,
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Die Freiheit, meinen Schatz auf Erden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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