16. Hirten-Brautlied auf H. Neumans von Görlitz seine Hochzeit, zum Guben

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Georg Gloger: 16. Hirten-Brautlied auf H. Neumans von Görlitz seine Hochzeit, zum Guben (1617)

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Weil es denn in ewren Haynen
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Noch so grün vnd lustig steht,
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Hirt- vnd Heerden wol ergeht,
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Muß euch ia die Sonne scheinen,
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Pan muß selbst nit weit von hinnen,
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Wohnen mit den Schäferinnen.

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Reine Quelle, schöne Brunnen,
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Labung nach der Hitze Last,
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Frisches Gras für gute Rast,
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Grüne Schirme für die Sonnen,
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Wird man hier vmb diese Linden
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Häufig vmb vnd vmb befinden.

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Seht doch, wie die geilen Geißen
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An den Rinden nagen stehn,
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Theils am Berge klettern gehn,
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Vnd von Haselstauden reißen,
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Theils auch dort im kühlen Schatten
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An den iungen Eichen blatten.

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Wo der Klee am dicksten blühet,
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Auch die andern Heerden gehn,
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Die so tief im Grase stehn,
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Daß man kaum die Ohren siehet,
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Sein so schwer auf ihren Füßen,
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Daß sie sich auch legen müßen.

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Wolt ihr denn was Liebes suchen,
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Wie die ganze Schäferey
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Ihnen liebbeflißen sey,
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So beseht nur iene Buchen.
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An der nächsten Bürken Rinden
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Ist Dorindens Ruhmb zu finden.

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Hört wie fein es hier erklinget,
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Wenn aus trewem Liebessinn
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Auf die schönste Schäferin
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Tityrus ein Liedlein singet,
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Wie es an die Bäwme hallet
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Vnd in Gründen widerschallet.

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Seht auch wie sich dorte strecken
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Corydon vnd Galathee
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In den dicksten tiefsten Klee
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Vnd mit kühlen Schatten decken.
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Seht wie sie so freundlich scherzen
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Vnd einander immer herzen.

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Denen der verliebte Westen
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Nichts nicht nach in Wollust giebt,
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Herzt sich auch, vnd buhlt, vnd liebt
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Mit den iungen zarten Ästen,
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Heißt sie fein zusammenrücken
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Vnd einander Mündlein drücken.

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Wie in ihren grünen Häusern
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Sich das Federvölklein part,
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Vnd sich freyet Art zu Art,
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Macht die Brautbett' auf den Reisern;
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Sonderlich die Ringeltaube
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Dringt sich selbst zur Weiberhaube.

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Hört ihrs, wie sie herzlich lachet,
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Wenn sie Morgens ihren Mann
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Wil vmb Hochzeit schnäbeln an,
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Der es denn aufs Beste machet,
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Daß eh es kan dreymal tagen,
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Sie zu Neste müssen tragen.

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Pan weiß selbst auch nicht vor Frewden,
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Was er nur beginnen soll,
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Es gefällt ihm gar zu wohl,
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Daß so fein die Lämmer weyden,
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Bläst in seine siben Röhren,
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Daß es Hirt vnd Hirtin hören.

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Die denn sich nicht lange säumen,
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Wenn sie da beysammen sein,
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Stimmen wohl das ihre drein,
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Mit den süßen Liebesreimen.
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Auch die Nymfen bey den Tänzen
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Rüsten sich mit ihren Kränzen,

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Die sie nächten bey den Hirten,
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Mit gedrückter fester Hand
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Als der trewen Liebe Pfand,
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Zugesaget ihren Hirten,
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Die sich wol hiermit ergetzen,
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Vnd der Gaben selig schätzen.

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Jene sich was abzukühlen
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Setzen sich dorthin zur Ruh,
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Sehn den iungen Lämmern zu,
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Wie sie mit einander spielen,
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Spielen gleichsfalls ohne Sparen,
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Was vns kömmt von iungen Jahren.

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Summa; was man hier nur sihet,
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Berg vnd Thal sind auch wol auf,
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Lust ist hier in gutem Kauf.
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Alles grünet, alles blühet,
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Hirt vnd Hirtin, Schaf vnd Weyde
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Weiß von keinem Winterleyde.

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Ihr geparten lieben Herzen,
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Ihr ein Willen, Seel vnd Sinn,
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Machet euch doch auch dorthin,
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Helfet in die Wette scherzen,
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Nehmet an, dieweil ihr könnet,
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Was euch ewer Glücke gönnet.

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Tretet mit an ienen Reyen,
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Weil die Heerde stille steht,
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Vnd in guter Weide geht,
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Hört, sie blasen die Schalmeyen.
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Geht doch, geht doch euch zu laben,
102
Geht, ihr solt den Vortanz haben.

103
Immer dran! Zu euren Frommen
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Ist die edle Schäferey
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In gesammter Companey
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Heute hier zusammen kommen:
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Wollen sich mit euch ergetzen,
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Vnd mit einem Tanze letzen.

109
Nun die Nacht hebt an zu feuchten,
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Luna zeucht die Hörner ein,
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Kan euch nicht mehr dienstlich sein,
112
Vnd zum Abendtanze leuchten.
113
Treibet immer, treibt von hinnen
114
Ewre Heerde zu den Rinnen.

115
Auf ihr Hirten, singet alle;
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Ein, ihr Lämmer, immer ein,
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Die vorangehn pfeifen drein,
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Daß es in den Klüften schalle,
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Phyllis aus dem Hirten Orden
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Ist zu einer Braut geworden.

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Singt: Glück zu, Glück zu, zur Sache!
122
Zündet Hochzeitsfackeln an,
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Wündschet das der newe Man
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Mit der Braut es also mache,
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Daß, eh Morgen ihre Heerde
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Ausgeht, sie zur Männin werde.

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Wenn sie sich hierzu bekennet,
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Vnd den Namen gehet ein,
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Kann sie eh des Merzen Schein
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Wider hier vorüber rennet,
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Sich mit allen guten Ehren
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Eine Mutter heißen hören.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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