Seyd tausentmal gegrüßt, ihr wol bestirnten Stunden

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Georg Gloger: Seyd tausentmal gegrüßt, ihr wol bestirnten Stunden Titel entspricht 1. Vers(1617)

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Seyd tausentmal gegrüßt, ihr wol bestirnten Stunden,
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Da seines Bildes Bild der Vater hatt' gefunden,
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Die Mutter einen Sohn, der fröhlich zu ihr lachte,
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Eh er sie Mutter hieß, vnd Kundschaft mit ihr machte;
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Der ihr warf vmb den Hals der süßen Ärmlein Band
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Vnd ihr ein Mündlein reicht', als seiner Liebe Pfand.
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Wer weiß, was sonderlichs der güldne Sternenrat,
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Der großen Götter Zunft allhie beschloßen hatt'.
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Denn ob die Luft schon sehr sich da fing an zu kühlen,
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Da du fingst an zu sein, vnd Schnee vnd Reife fielen,
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So sahe man doch hier vnd da mit großem Haufen,
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Fast aller Götter Schaar bemühet vmb dich laufen.
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Am Grünen fehlt' es nicht. Die Flora bracht heran
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Narcißen, Rosen, Klee, Violen, Tulipan,
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Pohl, Müntz vnd Lilien, Cypreß vnd Nägelein,
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Es must' als wie ein Lenz vmb dich gegrünet sein.
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Die Najaden, die sonst bey Flüßen von Cristallen
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In holen Gründen sind, die ließen sehn für allen,
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Was sie ob der Geburt vor große Frewd' empfingen,
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In dem sie auf vnd ab an allen Stränden gingen
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Vnd wunden dir zu Lieb in ihr vergüldtes Haar,
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Das nach dem Tanze nun ietzt abgehörnet war,
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Viel Kränz' vnd Blumen ein. Die
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Vnd andre Flüße mehr, so auch da bürtig sein,
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Vnd eben dazumal bey dir vorüber floßen,
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Die rauschten mehr als sonst in dem sie sich vergoßen.
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Der Vater
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Verstärkte sein Geräusch auf Frewde seiner Kinder,
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Daß es an Ufern schallt'; es wolte Pan nicht hören,
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Was er selbst besser kan; er nahme seine Röhren,
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Vnd pfiffe Lust vollauf, vnd macht' es trefflich gut,
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Dort' vmb den dicken Forst, vmb seiner Horde Hut.
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Die Dryaden vmbher die sprungen schöne Reyen,
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Man hörte sie auf dich manch Hirtenliedlein schreyen,
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Daß auch Apollo selbst des Helicons vergaße,
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Vnd mit der Musen Chor vmb deine Wiege saße.
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Der dich denn sonderlich hat sehr gelehrt gemacht,
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Vnd deines Geistes Ruhmb bis fast ans Blawe bracht,
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Ja höher bringen will, wo seiner Leyer Pfand,
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Die du daselbst empfingst, nur recht wird angewandt.
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Drumb o du edler Tag, der meines Wundsches Leben
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Zu gutem Glücke hat in dieses Leben geben,
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Sey tausentmal gegrüßt. Dich, dich wil ich begehen,
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Dir, dir soll alle Jahr' in künftig bey mir stehen
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Solch Räuch- vnd Opferwerk, damit ich feyern wil,
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So ofte du hinfort erreichest dieses Ziel.
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Was auch auf deinen Preis die schwache Feder kan,
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Das soll von mir nicht mehr als gerne sein getan.
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Daß aber du, wie Brauch, wilst ietzt sein angebunden,
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Von dem, der selbst bekriegt, besiegt vnd vberwunden
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Durch dich schon ist vorlängst, ist nichts; ich wil nicht binden,
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Dich lieber ohne Band bey mir gebunden finden.
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Doch wenn ich ia mit was dich ietzt sol binden an,
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So bind' ich dich mit dem, mit was ich weiß vnd kan,
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Vnd dir vnd mir gefällt, als nemlich alle Zeit
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Mit steter Lieb' vnnd Trew' vnd trewer Stetigkeit.
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Immittels wolle Gott nach seinem guten Willen
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Dir deiner Wündsche Maaß mit Vberfluß erfüllen.
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Die Erndte deiner Jahr' er wol verkommen laße,
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Daß sie des Schnitters Hand nicht eh zur Garbe faße,
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Als sie verschoßt, verkörnt vnd wol verreifet hat,
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Vnd selbst die Ähre wiegt vom Tragen müd' vnd matt.
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Da hastu mein Geschenk vnd Anbindbändelein,
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Von dem du ia dir nicht wolst wündschen los zu sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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