Was stehst du Spötter da, und pausbackst

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Johann Heinrich Voß: Was stehst du Spötter da, und pausbackst Titel entspricht 1. Vers(1776)

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Was stehst du Spötter da, und pausbackst
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Schwerreimende Lehroden her?
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Gieb acht, daß man dich nicht hinausbaxt,
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Für dein satyrisches Geplärr.

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Nur selten liebt den losen Jokus
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Apolls erhabner Tubaist;
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Noch minder hält von Hokuspokus
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Des ernsten Wodans Urhornist.

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Verlaß den stachelvollen Jambos,
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Womit du's Dichterchor bestreitst,
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Und leg was bessers auf den Ambos,
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Das keines Barden Galle reizt!

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Denn mehr als je herrscht jetzt das Faustrecht,
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Mit Sense, Mistfork, Axt und Spieß
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Auf dem Parnaß; besonders braust recht
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Die Knotenkeule der Genies.

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Auf! weihe dich dem Dienst der Eypris,
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Und preise mit galantem Ton,
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Was seit der Schöpfung
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Das Tändelspiel mit ihrem Sohn.

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Und male deines Liedes Hirtin
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Mit bloßer Brust und hochgeschürzt,
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Und fein von Welt, wodurch Frau Wirtin
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Oft ungewürzte Suppen würzt;

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Schön, wie die Leserin von Tischbein:
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Doch merk! ein Möpschen statt des Buchs!
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Ihr Haar ein Mehltalgturm! mit Fischbein
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Umpanzert ihr Insektentwuchs!

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Sing, wie ihr Hirn von Punsch und Witz dampft,
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Wie sie im Rausch des Horngetöns
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Den Taumeltanz bacchantisch mit stampft,
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Und dann noch endlich dies und jens.

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Von solchem Singsang, fein und sinnreich,
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Druck' in den Almanach was rechts!
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Er macht ihn zehnmal mehr gewinnreich,
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Als all dein Ächzen und Gekrächz.

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Von Nova Zembla bis Gibraltar,
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Von Jura bis nach Astrakan,
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Singt man daraus an Venus' Altar,
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Und subskribiert nach Klopstocks Plan.

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Ihn kauft Murx, Hasenfuß und Grützkopf,
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Strohjunker, Schranz' und Bürgerochs,
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Sogar der Seelenkäufer Spitzkopf;
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Kurz, Ketzer, Jud' und Orthodox.

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Ihn kleidet der verlaffte Fähndrich
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Für seine Dam' in Gold und Mohr,
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Und packert, wie ein geiler Entrich
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Ihr deine süßen Zoten vor.

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Sanft hinterm Fächer grinzt das Fräulein,
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Errötet – nicht, und schnüffelt schnipp'sch:
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»herr Voß traktiert uns zwar wie Säulein,
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Doch wie er's thut, die Art ist hübsch.«

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Der Herold der Journalenfama
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Posaunt das Werklein deines Geists;
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Selbst des Katheders Dalailama,
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Des Kot die Purschen fressen, preist's.

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Hast du von diesen Leuten Kundschaft?
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Am Pindus stand, lorbeerumgrünt,
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Vordem ein Stall für Phöbus' Hundschaft,
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Die ihm als Hirten einst gedient.

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Klang vom Gebirg der Musen Paian,
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Gleich Händels oder Bachs Musik;
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So ging im Stall ein Zeterschrei an
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Von grimmigbellender Kritik.

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Wenn unter Marsyas' Anführung
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Ein Faunenchor dann aufpfiff; hu!
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Wie laut heult' ihm, voll tiefer Rührung,
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Die Kuppel ihren Beifall zu!

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Oft brannte schon der Zorn Apollos;
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Er nahm die bleigefüllte Knut',
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Und schlug aufs Rabenaas für toll los;
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Der ganze Hundsstall schwamm in Blut.

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Doch alles schien ihm zu gelind', und
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Verwandelt ward das Rabenaas.
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Professormäßig stellt' ein Windhund
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Sich auf die Hinterbein', und las:

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»sehr wertgeschätzte Herrn! Das wichtigst'
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Und erste Prolegomenon
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Ist nun wohl die baldmöglichstrichtigst-
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e ... hauf! ...

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Dann thut er wie Apolls Prophet dick,
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Paukt auf sein Pult, und zeiget, bauz!
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»des Dichters Leitstern sei Ästhetik!«
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Und bespaßvogelts und besauts.

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Ein alter hagrer Mops voll Griesgram
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Bleibt noch von Kopf und Pfot' ein Mops,
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Bleibt noch den Werken des Genies gram;
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Und wird Ausrufer Schimpfs und Lobs.

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Schimpf bellt er beim Gesang des Orpheus;
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Wer sein bierschenkenhaft Gelei'r,
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Fix, wie der Musikant im Dorf, weiß,
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Dem lobheult Mops wie all der Gei'r!

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Die Gänsespul' in rascher Hundspfot',
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Krizkrazt im Hui er sein Journal.
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Daher kriegt' er den Namen Hundsfott;
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Jetzt braucht man noch das Beiwort, kahl.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Heinrich Voß
(17511826)

* 20.02.1751 in Sommerstorf, † 29.03.1826 in Heidelberg

männlich, geb. Voss

deutscher Dichter und Übersetzer von Klassikern

(Aus: Wikidata.org)

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