16. An Luther

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Johann Heinrich Voß: 16. An Luther (1777)

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Entschwebe, wie ein goldner Duft,
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Mann Gottes, deiner stillen Gruft,
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Und schaure Graun durch ihr Gebein,
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Die deine stille Gruft entweihn!

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Ermattet von dem Drachenkampf
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Mit Priestern in der Höllen Dampf,
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Sogst du an Katharinens Brust
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Dir junge Kraft und Heldenlust.

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Sie tränkte dich mit Rebentrank;
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Und freudig tönte dein Gesang:
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»dem Papst und allen Teufeln Spott!
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Ein' feste Burg ist unser Gott!«

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Da zischelt nun die Afterbrut:
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»weh, Brüder, weh! wir sind sein Blut!
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Schleicht rücklings hin zu seiner Ruh,
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Und deckt die Scham des Vaters zu!«

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Ihr Männer Deutschlands, kühn und frei
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Durch ihn von Pfaffentyrannei!
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Ihr laßt mit lästerndem Gestöhn
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Die Heuchler Luthers Asche schmähn?

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Wer ist, der nicht beim Kraftgesang
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Des Weisen auf zu Thaten sprang,
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Dem nicht die Seele sonnenhoch,
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Ein Adler mit dem Adler, flog?

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Wem schafft nicht Gottes edler Wein
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Aus Donnerwolken Sonnenschein,
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Und reißt der Lebensgeister Tanz
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Zum Tugendkampf und Siegeskranz?

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Was labt den Frommen in der Zeit
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Mit Ahndung höhrer Seligkeit,
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Als Mädchenblick und Mädchenkuß,
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Des Weibes heiliger Genuß?

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Schweig, Gleißner, dich befrag' ich nicht!
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Dir bleibt dies ewig ein Gedicht,
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Wie dem, der Lastern Lieder zollt,
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Dem Hurer, und dem Trunkenbold!

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Doch jeder Christ und gute Mann
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Stimmt laut mit dir, o Vater, an:
39
»wer nicht liebt Weib, Wein und Gesang,
40
Der bleibt ein Narr sein Lebelang!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Heinrich Voß
(17511826)

* 20.02.1751 in Sommerstorf, † 29.03.1826 in Heidelberg

männlich, geb. Voss

deutscher Dichter und Übersetzer von Klassikern

(Aus: Wikidata.org)

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