Du seraphischer Geist! Heiliger Gotteshauch!

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Johann Heinrich Voß: Du seraphischer Geist! Heiliger Gotteshauch! Titel entspricht 1. Vers(1774)

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Du seraphischer Geist! Heiliger Gotteshauch!
2
Wird mein sterblicher Blick nimmer gewürdiget,
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Deiner Herrlichkeit Abglanz,
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Jene Himmelsgestalt, zu schaun?

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O so wandelte Fluch, als ich geboren ward!
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Nacht, so keimten in dir ländervergiftende
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Schandgesäng', und ein König
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Sann der Freiheit die Fessel aus!

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So gab Gott mir im Zorn dieses phantastische
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Herz, das geniuskühn zaubernde Träume schafft,
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Dann abgöttische Thränen
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Vor dem eignen Geschöpfe weint! –

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Traum war, täuschender Traum, dieser erhabne Blick?
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Dieses Beben der Brust? dieser edenische
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Frühling lächelnder Wangen?
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Ganz der himmlischen Seele Bild?

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Nein! so wahr er im Sturm freudiger Schauer mich
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Drauf, durch Sphärengesang, unter die Blüten riß,
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Wo in goldenen Schalen
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Mir Unsterblichkeit funkelte:

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Diesen göttlichen Traum schuf mir ihr Genius!
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Ihren ahndenden Wunsch hüllt er in Morgenglanz,
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Bracht' in Schlummergewölken
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Dann die heilige Bildung mir!

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Uns, zur Liebe bestimmt, ach! zu der feurigsten
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Reinsten Liebe bestimmt! warum, o Selma, schrieb
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Dort ein schwarzes Verhängnis
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Unsre Trennung mit Sternenschrift?

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Ach! ich fühl' es, sie feufzt! Eile, geflügelter!
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Selma seufzet dir auch! Eile, beglückter Tag,
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Der in Thränen der Liebe
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Meinem zitternden Arm sie schenkt!

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Flamme Gottes, du strahlst, Liebe! der Sonne gleich,
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Auf des Todes Gefild Leben und Schönheit aus!
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Gleich dem Liede Sionas,
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Stürmst du Seelen zu Gott empor!

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Oft durchbebtest du mich, Liebe! doch unerkannt,
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Schien dein Odem mir jetzt Balsam der Sommernacht,
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Jetzt ein Säuseln des Frühlings,
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Jetzt ein Seufzen der Nachtigall!

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Schon im schattigen Thal, wo wir, noch Seelen nur,
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Träumten, spielten wir stets unter demselben Strauch,
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Pflückten einerlei Blumen,
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Horchten einerlei Harmonie.

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Doch die Seraphim, einst unserer Pilgerschaft
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Zu Geleitern gesellt, senkten den Psalterton
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Oft zum Lispel der Wehmut,
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Blickten seitwärts, und weineten.

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Jetzo weinen auch wir! Dumpfere Trauer bebt
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Diese Saiten herab! Denn in der Mitternacht
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Leisem Hauche begegnen
52
Sympathetische Seufzer sich!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Heinrich Voß
(17511826)

* 20.02.1751 in Sommerstorf, † 29.03.1826 in Heidelberg

männlich, geb. Voss

deutscher Dichter und Übersetzer von Klassikern

(Aus: Wikidata.org)

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