[ich lieb den stillen Pfad/ dich lieb ich/ wilder Wald]

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Georg Philipp Harsdörffer: [ich lieb den stillen Pfad/ dich lieb ich/ wilder Wald] (1632)

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Ich lieb den stillen Pfad/ dich lieb ich/ wilder Wald/
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Entfernet von Geplärr/ der Einfalt Aufenthalt.
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Hier hat kein Wagenrad das Sorgengeld gehäuffet/
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Der Fisch in diesem Deich wie ich/ in Ruhe schweiffet.
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Es hat kein Wandersmann betreten diesen Platz/
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Erhaben aus der Qwell der Perlenmutter Schatz.
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Kein leichtgefüstes Reh hat Bezoar getrehnet/
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Noch in dem dikken Busch sich nach der Lust gesehnet.
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Es hegt in jenem Schloß kein List und Meucheltrug/
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Da nur die Fledermauß im Dunkeln hebt den Flug.
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Das unverschlossne Haus heist offnes Hertzens trauen/
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Der Last hat seinen Grund die Palmen machen schauen.
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Das Käutzlein unn der Dachs bewohnt den öden Sand/
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Es dekkt das Marderthier der Sorgen-Marterstand.
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Im Keller findet man noch Wein noch Bier zū bästē
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Die Kröten samt der Maus sind von den stäten Gästen.
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Ein Nusbaum wächset dort mit Capuciner-Kost/
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Er stehet Wurtzelfäst/ das Wasser ist der Most.
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Der düsterrauhe Wald hegt die bejahrten Eichen/
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Dem nie-gepflügten Ort/ das ältste Träid zu reichen.
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Wie nennet man den Fluß? von der Vergessenheit/
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Sein Abfall dienet mir in mancher Sorgen Leid.
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Ist dann der Schattenwald zur Einfalt-Ruh geheget?
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Sein grünbelaubter Thron noch Kron noch Purpur träget.
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Hör/ leichtes Felsen-Kind/ was ist die schwerste Pein?
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Der gelblich-grüne Frosch spricht: falscher Warheitschein
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Mich dünkt in dieser Gruft solt man geruhig greissen.
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Die pfleget meiner Pfeiff den Gegenhall zu weissen.
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Ich liebe diesen Ort/ der sonder Hofarts-pracht
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Mich auf so ödem Weg mir selbst selb-eigen macht.
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Es überschattet mich mein unversehrt Gewissen/
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Wo sich mit dem Gesang die Freuden reich ergiessen.
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Von welcher Brunstbegierd entstehet nicht die Reu?
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Hört/ wies im Thal erklingt Wann fält das Steingebäu?
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Wie? redet auch der Stein? so rühr ich auch die Säiten/
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Daß meiner Flöten Spiel muß mit dem Echo streiten:

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Einsamkeit lehret einfältige Lieder/
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Lieder die lauten vom Gegenhall wieder:
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Aber wir sollen nicht Städtepracht suchen/
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Weil sie verursacht der Einfalt zu fluchen.
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Liebet doch/ liebet einfältiges Streben/
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Liebet der Hürden unschuldiges Leben/
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Flöte/ wir wollen nicht Städtepracht suchen/
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Weil sie verursacht der Einfalt zu fluchen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Philipp Harsdörffer
(16071658)

* 01.11.1607 in Nürnberg, † 17.09.1658 in Nürnberg

männlich

deutscher Dichter des Barock und Heraldiker

(Aus: Wikidata.org)

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