[was unser Muht vermocht/ weiß alle Welt zu melden]

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Georg Philipp Harsdörffer: [was unser Muht vermocht/ weiß alle Welt zu melden] (1632)

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Was unser Muht vermocht/ weiß alle Welt zu melden/
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Man frag' Antenors Stadt
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Wir dämpften erstes Dampfs den Teutschen Kriegesbrand.
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Bald grub uns Vngarn ein/ das Grab beruchter Helden.

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Ich war ein küner Held/ dem mancher Held zuwider/
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Doch legte meinen Ruhm und mich das Beuten nieder.
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Ich hab den Feind mit Krieg/ und sonder Geld/ gefehrt/
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Die That erwehrtet Lob/ wann Kriegen Krieger nehrt.

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Mein Sinn sann überweit/ das hat mein Tod verkürtzt/
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Mein Tod hat dessen Glut ins küle Grab gestürtzt:
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Noch glimmt der hohe Raht/ man wird sein nicht vergessen/
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Es blühen Lorbeer auf nechst meinen Grab Zypressen.

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Gleichwie der Phönix wird von Flammen aufgefressen/
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Vnd einer seiner Art kreucht aus der Asch hervor:
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So stieg ich auf dem Grab/ als Moritz fiel/ empor.
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Vns Beyde rümt die Welt/ wir bleiben unvergessen.

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Wer Krieges-Zepter fürt/ der lerne von mir Siegen/
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Mein Krieg war bald geendt/ doch sonder Siegers-zwang.
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Wer friedlich siegen will/ der kriege nicht zu lang:
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Der längste Sieges-Ruhm ist allerkürtztes Kriegen.

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Man sagt/ ich trage Schuld/ daß man noch Waffen trägt/
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Die ich der erste nahm. Nein/ Landgemeine Sünden/
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Ach! Sünden konden so den Jammerkrieg anzünden.
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Ein jeder/ was er mich beschuldet/ bey sich hegt.

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Den Feinden war ich stäts ein scharfer Stachel-Dorn/
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Die Pfaltz und Niederland bezärt noch meinen Zorn/
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Der Mantuaner auch. Hälf Dapferkeit für Sterben/
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Man läse dieses nicht: Mein Ruhm wird nie verderben.

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Ich war mit Raht und That ein klugbehertzter Held/
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Der sonsten eine Red nie zweymahl vorgestellt.
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Die mir vertraute Magd hab ich mit Macht geschutzet/
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Vnd biß in meinenTod des Feindes Trutz getrutzet.

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Mein Ruhm sagt/ wer ich bin: Ein alter Kriegesmann/
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Den Trunk noch Lieb betört/ Doch nahm ich Krantz und Ehre
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Der grossen Burge-Magd/ von der ein Blutbad rann:
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Es mordet auch/ der ficht/ Mich kränkt es ja so sehre.

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Ich fiel/ wann fallen kan/ der stäts den Feind bestanden/
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Doch hab ich eine Seul im Fallen aufgestellt/
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Die Seule meines Siegs. So steht in Teutschen Landen
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Mein Wunder-Helden Nahm/ der nimmer nimmer fällt.

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Wie lebt/ der lebt voll Forcht? Ich kan kein Feiger seyn/
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So sagt ich/ der ich war zu Krieg und Sieg erschaffen.
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Ich stunde Mauerfest/ und Lützen warf mich ein:
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Die Wunden zieren den/ der stirbet in den Waffen.

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Die Böhmen hatten mich zu ihrem Haubt erfraget/
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Bekrönet meinen Hut: Der Raht vermisst die That/
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Nun daß der Krebesgang ihn so geäffet hat.
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Das Glükk hat mir die Kron/ der Krieg den Sieg versaget?

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Ich war ein Kriegesheld/ ein König von Geburt/
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Vnd auch der Musen Sohn.
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Vnd Opitz wieder mich. Mich gab in Friedesfurt
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Ein falscher Bissen Bley windschnellen Todesnöten.

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Nicht Ankunft/ mein Verdienst gab mir den Fürstenfahn/
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Doch war die Ehrenschwell ein schneller Trauerschwan.
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Verdacht hat mich ermordt/ Mord kürtzte mir das Leben/
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Mein und des Täters Recht wolt lange wagbar schweben.

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Du kennest/ Mantua/ die dapfre Ritterfaust/
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Die auch der Teutschen Haubt zu Diensten angenommen.
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Bald hat mich auf der Fahrt ein Mordmetall durchsaust:
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Vnselig ist/ üm den die Neiderhummeln brummen.

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Der seltne Tugendtrieb trieb meinen Heldensinn
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Vor Nördling in das Feld/ das von mir weiß zu sagen/
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Dem dritten Ferdinand half ich die Feinde schlagen.
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Bald nehme Sieg und mich die Kinderkrankheit hin.

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Dem Keiser blieb ich treu/ da andre Seitwarts wichen/
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Ich hielte/ wie man soll. Doch must ich bald davon:
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Das Werk hat mir versagt/ den Willen lobt der Lohn.
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Kaum war ich Haubt erwält/ da war mein Haubt verblichen.

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Dort/ als Gustavus fiel/ mißfiel mir fast zu leben/
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Doch blieb mir Feld und Sieg/ der mir gefolget nach.
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Mir hat der Vatter Rhein die Blum der Töchter geben:
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Von der ich kriegte Preiß/ die Feinde Spott und Ach.

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Ich war es/ der zumahl der erste grief zum Degen/
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Dem grossen Adler dorft ich mich zu wider legen.
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Die Bömen fürt ich an/ zog vor die Keiser-Stadt/
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Gantz Mähren fiel mir zu. Von mir redt manche That.

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Mein König wälte mich zum Raht und Kriegsgesellen/
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Der war ich/ weil ich war üm ihn/ mit Raht und That/
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Der Taht und Tugend-Ruhm mein Haubt bepalmet hat/
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Mich kränkte/ daß nicht solt ein Feind im Feld mich fellen.

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Ich war von schlechtem Stand/ doch grösser am Gemüte
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Vnd an Verstand/ als der vom Fürstlichen Geblüte:
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Ein Held an Hertz und Witz/ der erste stäts vorm Feind/
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So fand mich auch der Tod. Mich lobet Feind und Freund.

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Mich hat das Tugend-Recht benahmet den Gerechten.
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Die Rechte meines Sohns soll mir ein Recht verfechten/
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Ob die gerechte Sach berechte meinen Krieg:
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Auf Rache/ die gerecht/ folgt der gerechte Sieg.

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Dem Spielen war ich gram/ und geiler Metzen Schaar/
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Dem Saufen spinnefeind. In teuren Tugendschätzen
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Vnd hoher Dapferkeit sucht ich nur mein Ergetzen.
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Ich fiel/ die Tugend lebt/ der Leib ruht auf der Baar.

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Du/
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Der du deinen Ruhm/
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In teures Gold gebildet/
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Wilst hier bey diesen sehn/
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must
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Haben offt bestritten
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mit
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Hand und Helden-Witz
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Die Feinde.
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Helden-Sitten
103
Hat hier
104
Die Ewigkeit
105
Mit Zierd und Lob
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beschildet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Philipp Harsdörffer
(16071658)

* 01.11.1607 in Nürnberg, † 17.09.1658 in Nürnberg

männlich

deutscher Dichter des Barock und Heraldiker

(Aus: Wikidata.org)

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