Die schlesischen Weber

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Heinrich Heine: Die schlesischen Weber (1844)

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Im düstern Auge keine Träne,
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Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
3
»deutschland, wir weben dein Leichentuch,
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Wir weben hinein den dreifachen Fluch –
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Wir weben, wir weben!

6
Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
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In Winterskälte und Hungersnöten
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Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
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Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –
10
Wir weben, wir weben!

11
Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
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Den unser Elend nicht konnte erweichen,
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Der den letzten Groschen von uns erpreßt,
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Und uns wie Hunde erschießen läßt –
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Wir weben, wir weben!

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Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
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Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
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Wo jede Blume früh geknickt,
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Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –
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Wir weben, wir weben!

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Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
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Wir weben emsig Tag und Nacht –
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Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
24
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
25
Wir weben, wir weben!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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