1
»mein Sohn, bist du wie ich, so geh den Weg der Ehren
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Und laß dir nichts den Mut zum Königsthrone stören,«
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Sprach ein bejahrter Greis, der an dem Tagus saß
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Und voller Majestät von Bettelbrocken aß.
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Sein Wahn klang hoch genug; doch waren seine Grillen
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Bei steter Hungersnot mit Brote noch zu stillen;
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Wer aber tilgt in uns das Fieber der Vernunft?
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Ein jeder Tag vermehrt die kluge Narrenzunft.
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Je mehr wir der Natur zum Untergange blasen,
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Je mehr sieht man die Welt vor Ehrbegierde rasen,
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Die dennoch, wenn sie sich in ihren Werken weist,
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Von rechter Ehre kaum ein halber Schatten heißt.
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Ich untersuche nicht die Thaten wilder Fürsten,
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Die schon nach Menschenblut im Mutterleibe dürsten,
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Die eher in den Krieg als in die Schule gehn
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Und auf ein jedes Wort zum Schlagen fertig stehn.
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Das Blutvergießen ist doch nun zur Tugend worden;
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Der ist ein schlechter Held, der nicht auch kann ermorden;
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Es wird den Kindern schon von Eltern eingeprägt,
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Es ist der erste Trieb, der hohe Seelen regt.
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Man kauft die Mörder auf durch ausgepauckte Gelder;
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Der Menschenjäger streicht durch alle Straßen, Felder
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Und schleppet mit Gewalt der Witwen letztes Pfand,
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Das dennoch seine Zeit viel besser angewandt,
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Zum Würgeplatze fort, wo man mit ganzen Haufen
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Das längst erstorbne Herz zum Sturme zwingt zu laufen
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Und durch ein Marterfeu'r, das Pluto kaum erdenkt,
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Oft lebend und umsonst in Pulvergrüfte senkt.
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Wer wollte dieser Wut durch Sittensprüche wehren?
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Die Erde müßte vor nicht Christen mehr gebären,
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Europa müßte vor durch Blitz und Hagelstein
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Zerstöret und die Welt voll Lappenländer sein;
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Sonst, wenn der Heiland auch vom Himmel selber käme,
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Wenn er die ganze Zahl der Patriarchen nähme
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Und mit der Jünger Schar mit halbgesenktem Knie
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»die Lieb' ist das Gesetz!« aus vollem Munde schrie',
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So würde man ihn wohl mit einer Losung ehren,
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Doch nun und nimmermehr auf seinen Willen hören.
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Drum lass' ich, was sich schon zur Sünde frei gemacht;
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Wer aber hat den Satz der Schwärmer doch erdacht,
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Die sich aus Eigensinn noch über Fürsten heben,
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Durch ihr Rebellenherz den Rechten widerstreben
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Und um ein einzig Wort, das auf zwei Silben kriecht,
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Das nach dem Hunde schmeckt und nach der Mutter riecht,
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Ihr Leben, das sie doch für Länder sollten wagen,
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Wie Gaukler ohne Not der Welt zu Markte tragen?
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Wer hat uns doch gesagt, daß tote Prahlerei
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Der Tugend höchster Grad und dieses Ehre sei;
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Wenn man ein Wappenheer von vielen Ahnen zählet,
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In welchem öfters doch der Vater selber fehlet
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Und die, so kurz vorher den neuen Stamm gebar,
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Ein bloßes Nebenweib von geilen Fürsten war?
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Wer hat uns doch gelehrt, daß man von edlem Blute
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Die Tugend so erlangt, wie man mit einem Gute
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Die Schaf' und Rinder erbt? Daß dieses hohe Blut
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Die hohe Wirkung nur an Standestöchtern thut,
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Und gleichwohl seine Kraft nicht in der Mutter stirbet,
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Wenn sie sich heimlich gleich um Bürgertrost bewirbet?
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Woher kommt der Betrug, wenn man der Jugend Zeit
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Durch teuren Müßiggang in Karten hingestreut,
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Daß man für seinen Ruhm durch leere Titel sorget
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Und wie der Mond sein Licht von fremdem Lichte borget
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Und doch von jedermann sich hochgepriesen hält,
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Wenn man den Adel nur in Golde vorgestellt
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Auf Federbüschen trägt und von geschmierten Zungen
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Durch freien Tafeltrunk ein falsches Lob erzwungen?
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Wie kommt es, daß ein Mann, den sonst der Kram ernährt,
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Und dem der Pfefferstaub noch aus der Nase fährt,
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Durch einen Adelsbrief, den sein Betrug erhandelt,
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Sich augenblicklich so wie Proteus dort verwandelt,
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Und sein nunmehr durch Geld hochwohlgeborner Sohn
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Von Bürgen voller Schmach, von Rittern voller Hohn
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Schon wie ein Ritter spricht, den Jason aufgeschrieben,
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Als ihn das güldne Vließ nach Kolchos hingetrieben?
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Durch was für Zauberei mag es doch wohl geschehn,
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Daß, wenn ein Bücherfuchs den Titel nur gesehn,
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Ihm sein erhitzter Geist den Kragen so beweget,
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Daß er ein ganzes Buch mit Donner niederschläget,
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Daß ein gelehrter Narr, der voller Mängel steckt,
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Doch fremde Mängel stets durch seinen Wurm entdeckt,
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Und alles, was er schreibt, so lachend kommt gesprungen,
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Ob hätte sein Verstand den Phöbus gar verschlungen?
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Was treibt den Wucherbalg, wenn er den Geiz gestillt
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Und durch so langen Raub die Kasten angefüllt,
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Daß er nach Hofe läuft und sich mit Sorgen plaget,
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Das kaum erpreßte Gut auf leere Wechsel waget,
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In fremde Schulden sinkt, durch Bankerott verdirbt
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Und als ein Märtyrer von Komplimenten stirbt?
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Und was sucht eine Frau, die, wenn sie prahlen wollte,
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Der Ehre größten Teil vom Manne borgen sollte,
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Daß sie nach neuer Art der alten Pflicht vergißt
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Und ihren ganzen Ruhm nach fremden Lippen mißt,
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Daß sie das Richteramt dem Spiegel anvertrauet,
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Aus der geschminkten Haut ihr einen Tempel bauet
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Und dann erst ruhig schläft, wenn ihr das halbe Land
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Des Herzens erste Kraft zum Opfer zugewandt?
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»die Ehre treibet sie, die Ehre,« wirst du sprechen.
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Daß man der Ehre doch die Knochen müßte brechen,
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Eh sie zu Stande kommt, wenn sie sich so verliert,
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Daß sie aus Menschentalk nur Affenzeug gebiert!
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Wie glücklich bist du doch, o David, noch gewesen,
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Daß Gott zu solcher Zeit zum Fürsten dich erlesen,
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Da Wahn und Thorheit noch den Scepter nicht erlangt
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Und man den wahren Ruhm der Tugend nur gedankt.
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Wie niedrig würden doch jetzt deine Thaten klingen,
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Man würd' ein Spötterlied auf allen Gassen singen.
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»ist dieser,« spräche man, »nun Fürsten zugezählt,
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Der lieber schnelle Pest als Schwert und Krieg erwählt?
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Soll der ein Musterbild der größten Helden heißen,
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Der sich mit Steinen läßt von Ackerknechten schmeißen?
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Man sieht wohl, daß der Thron die Trägheit nur verdeckt,
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Daß ihm das Hirtenblut noch in den Adern steckt,
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Daß er den Goliath durch Schäferlist erknicket
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Und Joab ihm mit Recht die Thränen vorgerücket.«
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Was wäre Salomo bei dieser wilden Zeit?
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Ein schulgelehrter Mann, der Grillen ausgestreut,
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Der Fürstenkinder will nach Bürgersitten messen
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Und bei der Poesie den Degen gar vergessen.
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Hätt' er zu rechter Zeit den Unterthan gedrückt,
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Des Pöbels Raserei die Federn ausgepflückt,
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So hätte nicht sein Sohn, der klüger war geboren,
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Zehn Teile von der Macht des Königreichs verloren.
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Wo bleibt jetzt Ahasver mit seiner Bürgerbraut,
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Sarmatiens Piast, der noch den Pflug gebaut,
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Und wo ganz Asien, da, was der Hof belohnet,
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In Ämtern, aber nicht auf Rittersitzen wohnet,
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Da durch des Vaters Tod der Adel auch vergeht
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Und nichts als nur der Weg zur Tugend offen steht,
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Da sich ein Krämer nicht mit neuen Namen kleidet,
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Die Kriegeskunst den Held und Bürger unterscheidet
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Und alles, was der Fleiß zu hohen Stufen treibt,
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Auch sein Verdienst zugleich ins Buch der Ehre schreibt?
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Wo bliebe Sokrates, der bei so vielem Wissen
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Wie unsre Weisen doch kein Marterbuch erkrissen,
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Der jeden Punkt der Zeit nicht ohne Müh' erspart
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Und ein lebendig Buch durch sein Exempel ward?
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Und wo nun jene Frau, die, als der König fragte,
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Wer an der Tafel doch am meisten ihr behagte,
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Zur klugen Antwort nur acht Worte ließ ergehn:
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Sie habe weiter nichts als ihren Mann gesehn?
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O Närrin, hör' ich schon, o blinde Närrin! schreien.
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Wer will bei Tafeln sich an alter Kost erfreuen?
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Der Mann ist für die Not des Hauses wohl bestellt,
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Nicht aber auch ein Bild, das immer wohl gefällt.
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Das alte Testament ist nunmehr aufgehoben,
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Da Weiber nichts gethan als Kuchen eingeschoben.
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Dort strich der Männer Ruhm den Weibern Farben an;
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Jetzt sieht man, daß ein Weib auch Männer machen kann,
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Wenn sie des Fürsten Sinn durch ihren Witz ergetzet,
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Den halb verzagten Mann auf Ehrenstühle setzet,
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Die grobe Bürgermilch durch Ritterblut erhöht
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Und von geborgter Kraft mit Helden schwanger geht.
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»o rasender Poet!« hör' ich noch weiter rufen,
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»bau dir ein Narrenhaus auf deine Tugendstufen!
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So lange sich der Kreis der Erden nicht verkehrt,
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So bleibt der Degen wohl der Ehre Richterschwert.
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Viel besser als ein Mann der Hölle zugestorben,
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Als mit der feigen Schar das Himmelreich erworben.«
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»o plumpes Bürgerholz!« fährt auch ein Ritter auf,
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»was stört dein Tintenwitz der Ahnen Heldenlauf?
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Du hast das dumme Salz von Brüsten eingesogen,
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Die nur mit Unverstand nach Pöbelart betrogen.
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Die Laster kennen nicht der Damen keusche Schoß,
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Der Adel spricht sie schon von allem Urteil los,
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Und ein bei Rübensaft und Kraut ernährter Magen
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Hat nach der Sittenkunst der Großen nicht zu fragen.«
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»o Federfechter!« schreit ein neu getaufter Held,
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Dem sein erkaufter Mut die Leber aufgeschwellt,
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»man sieht wohl, daß du nur im Staube stets gesessen
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Und bei geträumter Kunst dein altes Blut vergessen,
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Das doch aus Wappen floß. Dächt' alles so wie du,
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So müßt' ein Bauer nur bei seiner Milch und Kuh,
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Ein hoher Bürgergeist im Rate nur verderben
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Und durch versäumten Bau der Adel gar ersterben.«
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»o blinder Musensohn!« erhebt sich ein Pedant,
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»wer kluge Bücher kennt, schilt nicht der Weisen Stand.
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Schreib, wie du schreiben sollst, so hast du nicht zu schreien;
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Was ärgerst du die Welt, die du doch kannst erfreuen?
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Frißt dir das Alter nicht schon des Verstandes Haus,
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So laß den andern Teil von deinen Briefen aus.«
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»o bettlender Poet!« läßt sich ein Jude hören,
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Den kluge Dieberei doch endlich noch zu Ehren
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Und an den Hof gebracht, »was gehn dich Wechsler an,
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Durch die ein König erst als König leben kann?
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Willst du des Glückes Fall am Nächsten nicht erdulden,
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So geh und sammle Geld und zahle deine Schulden,
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So lern das Einmaleins und tilge nach und nach
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Durch wuchernde Vernunft dein langes Ungemach.«
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Genug, genug, genug! Ich will ja gerne schweigen,
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Eh mir die Kinder noch die Sittenlehre zeigen.
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Ich weiß ja endlich wohl, daß dieses Ehre heißt,
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Wenn man von Jugend auf der Ehre nachgereist,
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Wenn nur ein König schlägt, wenn ihn die Not gedrungen,
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Und doch auch Friede sucht, wenn er den Feind bezwungen.
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Ich weiß, daß Ehre nicht durch Pöbelworte fällt
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Und wer nur Herz besitzt, das Herz auch wohl behält,
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Daß man am klügsten fährt, wenn man vor Narren schweiget
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Und für das Vaterland doch Löwenkräfte zeiget,
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Der Fürsten hohen Spruch mehr als sich selber acht't,
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Den alten Adel ehrt, doch nicht zum Götzen macht,
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Sich nicht aus Phantasei nach Hungertiteln dränget,
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Die Ritterwappen nicht an Pfefferbuden hänget,
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Bei langer Wissenschaft nur kurze Bücher schreibt
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Und in Gedanken stets ein Ungelehrter bleibt.
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Ich weiß auch, daß ein Mann den Weg der Ehre kennet,
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Der nicht nach Ehr' und Glück auf Silberschlitten rennet,
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Daß keusche Sittsamkeit und nicht befleckte List
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Des Frauenzimmers Glanz und rechter Adel ist,
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Und daß ein Weiser denn sich über Weise hebet,
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Wenn er für andre mehr als für sich selber lebet,
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Von seinem Überfluß den andern unterstützt
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Und für das bloße Recht in dem Gerichte sitzt.
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Ich weiß, daß Scipio viel höher war zu loben,
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Da ihn das Glücke warf, als da es ihn erhoben,
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Daß Witz und Tugend noch am Narrenfieber liegt,
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So lang ein großer Geist sich selber nicht besiegt,
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Und wir den höchsten Punkt erst in der Ehre finden,
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Wenn unsre Seelen sich mit Gottesfurcht verbinden.
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Allein da die Natur aus ihren Angeln bricht
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Und jeder Affe doch von lauter Tugend spricht,
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Da mich die Weiber auch schon in die Schule treiben,
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Wo würd' ich vor der Macht so vieler Feinde bleiben?
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Nein, nein, ich will nur gehn, eh sich die Schar bewegt
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Und mir die große Kunst mit Birkenwischen legt,
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Eh sich das Altertum um meinen Buckel rühret
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Und mich ein neuer Wurm mit Heringssuppen schmieret,
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Eh ein gelehrter Bär das Tintenfaß ergreift
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Und mich mit einer Flut von Schriften gar ersäuft,
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Eh mir der Handelsmann, wenn mich die Blöße plaget,
230
Den hinkenden Kredit auf ewig untersaget,
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Und eh das Nymphenvolk, das voller Rache brennt,
232
Mich ein ich weiß nicht was von allen Buhlern nennt.
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Die Zeiten sind vorbei, die noch den Dichter ehrten;
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Jetzt steckt die ganze Kraft nur in den Schriftgelehrten;
235
Drum pack' ich meinen Kram wie Welsche wieder ein
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Und lasse Kupfer Gold und Narren Weise sein.