Weltgepriesener Homer

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Benjamin Neukirch: Weltgepriesener Homer Titel entspricht 1. Vers(1697)

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Weltgepriesener Homer,
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Dessen Kunst mit dir verschwunden,
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Warum warst du doch so sehr
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An Achilles Zeit gebunden?
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Heute sollt'st du lebend sein,
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Da die ungestimmten Flöten
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Soviel hungriger Poeten
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Fast auf allen Gassen schrei'n
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Und dennoch mit ihrem Klingen
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Kaum ein hartes Lied erzwingen!

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»o wie kommt es« – dünket mich,
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Würdest du voll Eifers fragen –,
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»da die muntern Brennen sich
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Durch die halbe Welt geschlagen,
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Da der Barbar sich gescheut,
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Da die Römer, da die Griechen
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Ihrer strengen Faust gewichen,
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Daß doch ihre Tapferkeit,
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Die sich ja noch nie verloren,
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Keinen Dichter hat geboren?«

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»mich empfing ein solches Land,
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Wo die Helden Menschen waren;
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Gleichwohl wußt' ich mit Verstand
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Sie den Göttern beizupaaren;
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Hätt' ich in der Mark gelebt,
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Wo man mehr von einem Helden,
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Als von Göttern, weiß zu melden,
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Ach, wo hätt' ich hingestrebt!
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Ach, was hätten unsre Zungen
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Nicht für Thaten abgesungen!« –

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O Homer, du klagest recht;
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Denn wo
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Ist die Poesie zu schlecht,
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Daß sie nichts, als Schüler, zeiget.
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Friedrich pflanzt ein Königreich;
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Wir vergessen unsre Reimen,
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Oder, so wir ja Was träumen,
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Ist's kaum seiner Jugend gleich,
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Weil er längst vorbeigegangen,
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Wo wir denken anzufangen.

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Doch du konntest mehr, als wir:
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Du schriebst tausend schöne Lügen;
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Deine Helden mußten dir,
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Wie und wann du wolltest, siegen.
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Friedrich aber glaubt es nicht;
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Er geht fort und läßt uns sitzen.
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Was fragt er, wie sehr wir schwitzen,
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Und wie viel uns Zeit gebricht!
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Was wir ganze Jahre dichten,
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Kann er einen Tag verrichten.

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Eh' man einen Vers erzwingt,
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Weiß er Schlösser aufzubauen;
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Eh' man seine Chur besingt,
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Läßt er sich als König schauen.
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Würde, Glück und
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Sind bei ihm vereinte Sachen.
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Was sonst Kriege pflegt zu machen,
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Fällt ihm von sich selber zu;
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Was Viel' mit Geschenken heben,
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Hat ihm Gott und Recht gegeben.

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Andre erben ihren Thron;
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Er wollt' ihn vorher verdienen;
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Darum hat sein Wesen schon
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Längst uns königlich geschienen.
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Was er nicht im Titul war,
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War er doch in aller Herzen;
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Denn wir wünschten es mit Schmerzen,
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Und es spricht ein Jeder klar,
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Daß er, was jetzund geschehen,
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Lange schon vorher gesehen.

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O ihr Musen, wachet auf!
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Friedrich duldet kein Verweilen.
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Fördert unsern späten Lauf,
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Um ihm schneller nachzueilen!
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Nun er Preußens König heißt,
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Wird er auch bald Thaten üben,
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Die uns Maro schon beschrieben,
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Aber auch in Fabeln schleußt.
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Uns wird Müh' genug verbleiben,
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Wenn wir nur die Wahrheit schreiben.

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Vormals pflegte, wie bewußt,
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Kaisern dies gewünscht zu werden:
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»herrsche länger
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Besser, als Trajan, auf Erden!«
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Zeit und Wunsch verändert sich,
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Und man wird in Zukunft
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»wer will Kron' und Zepter tragen,
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Herrsche so, wie Friederich!« –
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Himmel, lass' es, wie wir flehen,
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Unserm König wohl ergehen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Benjamin Neukirch
(16651729)

* 27.03.1665 in Rydzyna, † 15.08.1729 in Ansbach

männlich, geb. Neukirch

Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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