Schertz-lied

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Benjamin Neukirch: Schertz-lied (1697)

1
Sind das nicht narren-possen?
2
Mein vater hat beschlossen/
3
Ich soll ein mägdgen freyn:
4
Was aber kan auff erden
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Wohl völler von beschwerden
6
Als junge männer seyn?

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Denn wie man seidne decken
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Gar selten ohne flecken
9
Und ohne fehler findt/
10
So ist die kuh auch immer
11
Bey unserm frauen-zimmer
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Auff einem auge blind.

13
Die schöne kehrt die feinde
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Durch schwäger zwar in freunde;
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Doch steht sie mir nicht an:
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Weil ich die tummen hörner
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So wenig/ als die dörner/
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Am kopffe leiden kan.

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Die garstigen/ die stincken/
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Und pflegen offt zu hincken/
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Ihr bestes ist das geld:
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Inzwischen gläntzt die stirne
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Wie eine faule birne/
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Die von dem baume fällt.

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Die klugen/ die befehlen/
26
Und wollen stets erwehlen/
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Was man beginnen soll:
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Die tumme bleibt geschossen/
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Und macht mit ihren possen
30
Das gantze zimmer voll.

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Die reichen sind nur prahler/
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Und schliessen ihre thaler
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In schwere kasten ein:
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Bey armen kans nicht fehlen/
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Sie müssen manches stehlen/
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Und männern untreu seyn.

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Die dicken seyn beschwerlich/
38
Und zur geburt gefährlich:
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Drum mag ich auch nicht dran.
40
Die armen wären besser/
41
Nur daß man solche fresser
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Nicht wohl ernähren kan.

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Die fromme muß auff erden
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Der mägde närrin werden/
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Und bringet nur beschwer.
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Die bösen sind der teuffel/
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Und kommen ohne zweiffel
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Von seiner mutter her.

49
Doch hänget manchem weibe
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Gleich nichts an ihrem leibe
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Von diesen fehlern an/
52
So hat sie doch die tugend/
53
Daß sie bey ihrer jugend
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Nicht viel verschweigen kan.

55
Drum wer die narren-plagen
56
Bey seinen jungen tagen
57
Nicht bald erfahren will/
58
Der meide nur zwey sachen/
59
Die alles traurig machen;
60
Ein weib und karten-spiel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Benjamin Neukirch
(16651729)

* 27.03.1665 in Rydzyna, † 15.08.1729 in Ansbach

männlich, geb. Neukirch

Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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