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Beglückte nachtigall: Wo bist du hin gestiegen?
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Du ziehst nun ohne scheu in Friedrichs gärten ein;
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Ich ärmster aber muß auff koth und asche liegen/
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Da wir in allem doch einander ähnlich seyn.
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Denn hast du gleich Athen dein erstes blut zu dancken:
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Hat dich ein könig gleich auff diese welt erzeugt;
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So weist du dennoch wohl auch sonder alles zancken/
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Daß der Poeten stamm vom Phöbus selber steigt.
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Du wurdest wie ein schaf vom wolffe fortgerissen;
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Als dich der Thracier in seine klauen nahm:
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Ich ward als wie ein schiff auff trüber see verschmissen/
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Und wuste dennoch nicht/ woher die welle kam.
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Dir lähmte man mit stahl die gänge deiner zungen/
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Und hielt durch diesen schnitt auch deine klagen ein/
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Mein schmertz ist niemahls recht aus meiner brust gedrungen;
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So gar verschwiegen heist mich das verhängniß seyn.
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Du wurdest endlich gar in fremde lufft getrieben/
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Nahmst einen feder-leib für frauen-kleider an/
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Und hast nichts/ was dir noch von menschheit übrig blieben/
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Als daß dein süsser mund die menschen trösten kan.
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Ach! wo hat mich die noth nicht endlich hingejaget?
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Was hab ich ärmster noch von kräfften/ witz und sinn/
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Als daß ich/ wann der gram mein kranckes hertze plaget/
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Zuweilen andern noch mit reimen dienstbar bin?
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Und also gleichen wir uns an geburt und leben:
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Wie sind wir aber nicht einander sonst verwandt?
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Das singen wird dir gleich von der natur gegeben:
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Poeten ist der reim von jugend auff bekandt.
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Doch beyde müssen sich an guten meistern üben;
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Drum hörest du den thon der klugen mutter an:
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Ein dichter aber forscht/ was Opitz hat geschrieben/
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Und was die vorder-welt in seiner kunst gethan.
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Du liebst die einsamkeit in den belaubten püschen/
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Und singest lieblicher/ wann iederman dich hört:
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Poeten suchen sich im grünen zu erfrischen/
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Und sterben/ wo die welt nicht ihre lieder ehrt.
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Du brennest voller ruhm/ und mischest dich im singen
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Mit deines gleichen offt in einen wettstreit ein:
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Wir dencken ieder uns auff den Parnaß zu schwingen/
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Und keiner will nunmehr im dichten letzter seyn.
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Doch wenn der sonne glut den himmel angezündet/
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So giebt dein lust-gesang der erden gute nacht:
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So/ wann sich erst bey uns der sorgen hitze findet/
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Wird keine zeile mehr rechtschaffen angebracht.
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Denn bey dem wasser schreibt man selten gute reimen/
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Der geist nimmt/ wie der leib/ bey qual und armuth ab:
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Und wo die sinnen nichts als labyrinthe träumen/
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Fällt auch die Poesie leicht an den bettelstab.
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So artig/ wie du singst/ so groß ist deine tugend/
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Du bleibest gerne da/ wo man dir guts gethan:
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Du kennst im alter noch den pfleger deiner jugend/
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Und stimmest ihm allein zu ehren lieder an.
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Ach! was beseuffzet doch mein brennendes verlangen/
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Als da mein Friederich mir seinen schutz entzeucht?
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Der milde Friederich/ der/ da ich ausgegangen/
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Auff hohen schulen mir das erste brod gereicht.
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Zwar eines hast du noch: dein mund gefället allen/
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Und wir gebähren offt mit singen nur verdruß:
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Doch unsre stimme wird auch auff die nachwelt schallen/
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Da deine mit der zeit wie du vergehen muß.
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So gar genau hat uns natur und kunst verbunden.
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Wie kommts nun/ daß mich nicht auch dein gelücke trifft?
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Daß/ da du deinen sitz in Friedrichs auen funden/
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Mein fauler hoffnungs-kahn auff schwerem sande schifft?
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Daß dich ein grosser fürst aus seinem garten speiset/
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Und mein verhängniß mich in dürre wüsten treibt:
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Dein mund den Brennus-Stamm/ die zunge götter preiset;
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Mein spiel-werck aber nur für arme schäfer bleibt.
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O tochter Pandions! O süsse Philomele!
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Erbarme/ wo du kanst/ dich meiner traurigkeit/
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Und wirff nur einen blick auff meine dornen-höle/
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Wann dein gelücke dich mit rosen überstreut.
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Ich ärgere mich nicht an deinen guten tagen;
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Ich gönne gerne dir des hofes sonnen-schein:
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Es mag dich Friederich auff seinen händen tragen/
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Dein trincken nectar-safft/ die speise zucker seyn:
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Dann du hast alles diß auff erden wohl verdienet/
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Und wir erkennen es für einen himmels-schluß/
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Daß/ weil dich Mavors kind zu tödten sich erkühnet/
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Ein neuer Marsen-sohn dich wieder schützen muß.
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Bitt aber/ schönste/ nur für mein betrübtes leben/
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Und trag bey rechter zeit mich deinem Churfürst an:
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Vielleicht will Gottes hand durch einen vogel geben/
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Was weder witz noch kunst durch müh erhalten kan.
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Du darffst nicht allererst nach meinem kummer fragen:
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Doch frage/ wo du wilst/ nur bäume/ gras und stein:
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Die alle werden dir/ die alle werden sagen/
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Daß meine seuffzer nichts als ehr und tugend seyn:
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Und daß ich darum mich in heissen thränen bade;
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Weil meine Poesie mit schimpffe betteln geht/
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Und iede wissenschafft in Friederichs genade/
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Sie aber noch allein in keinen diensten steht.
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Mein flehen ist gerecht: ach aber auch vergebens!
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Dann dein beglückter stand kennt meine seuffzer nicht:
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Und der erinnert sich gar selten fremdes lebens/
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Der täglich so wie du bey hofe blumen bricht.