Der weißheit muster-platz/ das witzige Athen/

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Benjamin Neukirch: Der weißheit muster-platz/ das witzige Athen/ Titel entspricht 1. Vers(1697)

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Der weißheit muster-platz/ das witzige Athen/
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Ließ einst Minervens ruhm im tempel auffzusetzen/
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Befehl an den Alcmen und Phidias ergehen:
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Sie solten beyderseits ihr bild in marmel ätzen.
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Die arbeit ward vollbracht; Die urtheil lieffen ein.
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Und endlich ward der preiß dem ersten zugesprochen;
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Weil iede linie weit schärffer ausgestochen/
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Die stellung aber schien von mehrer kunst zu seyn:
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Und menschen insgemein mit maulwurffs-augen schauen/
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Was sie/ wie luchsen/ doch sich zu ergründen trauen.

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Doch wie ein seiden-wurm in raupen sich verkehrt;
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So muste ieder auch ein ander urtheil fällen;
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Nachdem dem Phidias sein bitten ward gewährt/
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Und man die bilder ließ auff hohe säulen stellen.
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Denn nunmehr machte sich der fehler offenbar/
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Und ließ die kluge welt aus allen gliedern lesen:
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Daß des Alcmenens witz im maase blind gewesen/
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Und Phidias sein werck von gräder theilung war.
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So gar kan wissenschafft/ wie silber von der erden/
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Durch eil und unverstand offt überwogen werden.

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Wer der gelehrten welt in ihren tempel gehn
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Und eine gleichung will mit bild und büchern machen/
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Wird lernen/ daß wir noch/ nicht anders als Athen/
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Durch frühes urthel offt das beste werck verlachen.
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Denn wem ist wohl der streit der federn nicht bekandt;
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Wer weiß nicht/ wie sich wesp' und honigseim verbinden?
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Die meisten fliegen sind bey marcipan zu finden;
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Die schönste stirne wird von warmer lufft verbrannt;
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So wird der besten schrifft/ nachdem sie nur gebohren/
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Auch die verleumdung bald zum schatten auserkohren.

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Der weise Plato ward vom schüler schon verlacht;
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Der güldne Cicero vom Crispus umgetrieben.
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Polybius wird noch in schulen offt veracht;
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Da keiner doch so treu von Deutschen hat geschrieben.
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Scioppius verwirfft den klugen Tacitus;
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Weil er der laster brunn im Nero nicht verschwiegen:
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Ja Strabo suchet schon im Metrodorus lügen/
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Und hat an mängeln doch selbst einen überfluß.
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So artig wissen wir durch urthel unsre flecken/
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Wie parden ihre haut im laube/ zu verstecken.

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Ein eintzig kopff gebührt offt tausendfachen streit/
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Gleichwie ein finsterniß im meere tausend wellen.
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Drum schilt Riccobonus der Römer lieblichkeit/
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Weil ihre federn nicht nach seiner zunge quellen;
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Und meynt/ daß Plinius viel worte nur geschmiert/
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Der Tacitus zu rauh/ und Flor zu kurtz geschrieben;
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Sveton und Spartian die sprache schlecht getrieben/
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Und endlich Marcellin zu harte reden führt.
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Als ob der sonnen licht die strahlung von den sternen/
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Rom aber römisch noch von kindern solte lernen.

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Der alten possen-spiel trifft auch die neue welt/
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Nur daß person und platz im spiele sich verkehren.
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Des Cominäus ruhm/ den Gallien erhält/
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Sucht Mejer/ wie der blitz die cedern/ zu verzehren.
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Sleidanus arbeit wird von vielen schlecht geschätzt/
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Und hat/ wie Strada/ schon ihr urthel recht erlitten.
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Wie hatte den Thuan Baptista nicht verschnitten?
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Wie ward dem Lipsius die feder nicht gewetzt?
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Und was will Cromer nicht vor fehler andern zeigen/
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Die doch bey dutzenden aus seinen schrifften steigen?

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Das macht/ die meisten seyn vor grossem eyffer blind/
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Und führen gall und zorn im kopffe wie sardellen:
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Drum kan ihr urthel/ das von wermuth fast zerrinnt/
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Wie quitten nicht zugleich mit mußcateller qvellen.
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Den andern mangelt gar zuweilen der verstand/
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So wie den krebsen blut/ und wilden bäumen feigen:
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Ja wenn ihr geist sich soll im alterthume zeigen/
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So ist den ärmsten offt das jota kaum bekandt;
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Und dennoch soll ihr ruhm nach tausend klugen Griechen/
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Und ihre feder/ wie Cardanus athem/ riechen.

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Doch rechte weißheit bleibt so wenig unterdrückt/
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Als Pyrrhus edles hertz im feuer kan verbrennen.
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Denn sterne werden doch durch glaß und kunst erblickt;
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Und purpur lernet man bey reinem purpur kennen:
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So steigt der bücher glantz auch endlich himmel an/
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Wenn ihre schrifften sich auff hohe säulen stellen.
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Das ist: wenn witz und fleiß das urtheil drüber fällen/
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Und der gelehrten spruch dem pöfel dargethan:
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Wie wenig den Bodin ein Sergius erreichen/
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Und sich Pallavicin kan einem Svavis gleichen.

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Die arbeit Lohensteins hat beydes schon erlebt/
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Eh noch ihr wesen recht zu leben angefangen.
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Denn vielen ist der ruhm/ der ihren geist erhebt/
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Nicht anders als der senff in nasen auffgegangen;
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Viel haben ihren mosch mit pfeffer überstreut/
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Und nur wie Araber den balsam angerochen;
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Biß recht und klugheit ihr die palmen zugesprochen/
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Und endlich wahr gemacht: daß eyfersucht und neid/
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Wie dünste/ durch die glut der sonnen auff der erden/
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Durch schrifften zwar erregt/ doch auch gebrochen werden.

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Itzt tritt der andre theil in die gelehrte welt/
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Sich an dem ehrenpreiß des ersten zu ergetzen/
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Und will den blumen-tantz/ den jener vorgestellt/
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Durch einen wunder-streit von bäumen hier ersetzen.
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Vielleicht zum zeugnisse: daß rosen und jesmin/
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Doch am geruche noch dem myrrhen-saffte weichen/
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Chineser äpffel mehr als liljen anmuth reichen/
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Und bücher insgemein mit grosser arbeit blühn;
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Im schliessen aber so wie reiffende morellen/
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Auch von sich selber offt mit süssem zucker qvellen.

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Und warlich allzu recht. Denn dorten blitzt der krieg/
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Und läst das teutsche reich in flammen fast zerfliessen;
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Hier schleußt Arminius den friedens-vollen sieg/
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Und hat das vaterland der Römer macht entrissen.
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Das erste haben schon die barbarn ausgedacht;
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Hier aber werden viel die klugen lehren finden:
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Daß/ wer den frieden will auff blosses eisen gründen/
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Ihn/ wie oliven-safft in bley/ zu nichte macht/
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Und fürsten rühmlicher mit schlauen crocodilen/
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Durch weichen und verstand/ als scharffe waffen spielen.

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Wo aber heb' ich an/ den ungemeinen geist
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Des edlen Lohensteins nach würden auszudrücken?
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Der/ was in andern man nur glieder-weise preist/
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Hier voller wunder läst aus einem buche blicken.
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Denn auch gelehrte sind mit ihrer phantasey/
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Wie affen offtermahls mit honig/ nicht zu füllen;
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Drum mißt Mirandula der grobheit tausend grillen/
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Und Anaxagoras dem monde berge bey.
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Er aber war bemüht/ wie bienen zu ergründen/
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Wie man viel blumen soll in einen teig verbinden.

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Der menschen erstes licht ist himmel und natur/
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Wie schwefel-werck und saltz das leben dieser erden.
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Ein unvernünfftig thier muß witzig durch die spur/
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Die seele durch vernunfft zu einem engel werden.
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Wer sieht nicht/ was sein fleiß vor proben abgelegt?
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Wie er das kluge wachs der alten umgegossen/
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Den geist des Socrates von neuem auffgeschlossen/
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Den weisen Seneca Thusnelden eingeprägt/
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Und endlich durch sein licht im schreiben mehr erwiesen/
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Als man an dem Petrarch' und Loredan gepriesen.

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Die staats-kunst/ die nechst Gott des scepters auge seyn/
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Und fürsten/ wie den leib der schatten soll bedecken/
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Schleußt er weit lustiger in liebes-zucker ein;
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Als sie Savedra weiß in bilder zu verstecken.
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Der tieffe Gracian legt seinen Ferdinand/
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Wie eher sich August/ vor seinem Hermann nieder.
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Uns aber scheint der glantz der alten zeiten wieder;
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Weil wir des letzten bild im Leopold erkannt/
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Und uns ein Lohenstein in alten finsternissen
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Die sonne dieser zeit so artig abgerissen.

141
Doch staats-gedancken sind in fürsten kinder-art/
142
Denn beyde pflegen sich beym feuer zu verbrennen/
143
So lange nicht ihr witz sich mit erfahrung paart/
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Und sie ihr ungelück aus fremder angst erkennen.
145
Drum laufft sein eyffer auch in die vergangne welt/
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Und forscht/ woher der brunn der Deutschen sey entsprungen/
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Wie weit der Marobod den degen hat geschwungen/
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Und das verhängniß Rom die grentzen ausgestellt?
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Doch so/ daß mehrentheils gleich wie in purpur-schnecken/
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Die perlen neuer zeit in alten schalen stecken.

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Diß ernst-erfüllte werck mischt sein geübter geist/
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Wie köche kostbar fleisch mit süssen mandel-kuchen/
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Wenn er die eigenschafft der dinge besser weist/
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Als Schott- und Lemnius mit vieler arbeit suchen:
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Bald auch den gottesdienst der alten welt betracht/
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Und seine fehler weiß im grunde vorzustellen/
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Zu zeigen/ daß auch most den magen kan vergällen;
158
Der beste bisem offt wie knobloch eckel macht/
159
Und lehren/ wenn wir sie zu viel und häuffig brauchen/
160
Wie falscher weyrauch leicht ohn alle glut verrauchen.

161
Ich weiß nicht/ ob ich auch noch von der poesie/
162
Der feder Lohensteins soll ihren ruhm erheben?
163
Denn verße kosten so/ wie blumen/ grosse müh/
164
Da beyde mit der zeit doch keine früchte geben.
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Und hat auff erden gleich ein Constantin regiert/
166
Der nur in seinen rath poeten auffgenommen;
167
So sind doch hundert schon in seine stelle kommen/
168
Die dieser köpffe gold mit flecken angeschmiert/
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Und eher gips und kalck/ und stumme marmel-götzen/
170
Als einen Sannazar/ auff ihre schrancken setzen.

171
Diß aber weiß ich wohl/ daß diese kluge schrifft/
172
So wie Erasmus werck aus krancker hand entsprossen;
173
Wenn nun ein Plautus ihm noch ehren-mahle stifft/
174
Weil ihm bey mühlen offt das beste spiel geflossen;
175
Ein Magius sich rühmt/ daß er ein grosses Buch/
176
Wie Campanella gar in fesseln hat geschrieben;
177
So fordert ja der geist/ der diesen kiel getrieben/
178
Zur dinte ceder-safft/ zur taffel purpur-tuch;
179
Weil unser Lohenstein bey kranckheit und bey sorgen
180
Ihm öffters auch die zeit zum schreiben muste borgen.

181
Drum splittert/ wie ihr wolt/ ihr richter kluger welt/
182
Und macht durch urthel euch zu grossen bücher-riesen/
183
Diß/ was eur unverstand an dieser schrift vergällt/
184
Hat/ eh' ihr sie gesehn/ schon der verstand gepriesen.
185
Ein buch geht wie der meth nicht allen lieblich ein;
186
Weil viel wie kinder sich am schatten auch ergetzen;
187
Die klugheit nur allein kan hohe seelen schätzen;
188
Und die geheimnisse noch unergründet seyn/
189
Warum die rosen nur den bienen geist und leben/
190
Den käfern aber nichts als tod und eckel geben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Benjamin Neukirch
(16651729)

* 27.03.1665 in Rydzyna, † 15.08.1729 in Ansbach

männlich, geb. Neukirch

Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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