Die vollkommenheit einer Fürstlichen seelen/Dem Durchlauchtigsten Printzen/ Herrn Ernst Leopold/ in der person seiner Durchl. seligst-verblichenen Herrn Vaters/ Hn. Rudolph Friedrichs/ Erbens zu Norwegen/ Hertzogens zu Schleßwig-Hollstein etc. fürgestellet

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Benjamin Neukirch: Die vollkommenheit einer Fürstlichen seelen/Dem Durchlauchtigsten Printzen/ Herrn Ernst Leopold/ in der person seiner Durchl. seligst-verblichenen Herrn Vaters/ Hn. Rudolph Friedrichs/ Erbens zu Norwegen/ Hertzogens zu Schleßwig-Hollstein etc. fürgestellet (1697)

1
Daß himmel und gestirn der seelen ursprung sey/
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Daß durch vier sterne sie zur erden abwärts fliessen/
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Und so viel staffeln auch muß wieder auffwärts schiessen/
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Schrieb ihr/ doch ohne grund/ schon längst Egypten bey.
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Heut aber hat der bruch der kurtzen lebens-stunden/
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Der deines vaters leib in grauß und asche legt/
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Zwar dir/ durchlauchster Printz/ mit thränen-saltz und wunden/
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Mit purpur aber uns warhafftig eingeprägt:
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Daß sein entwichner geist vom himmel sey entsprungen/
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Und durch vier sterne sich hat ab- und auffgeschwungen.

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Denn wo wir anders nicht mit heyden-augen sehn/
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Wo wir den wasser-geist am Hippon noch verdammen/
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Nicht wie Parmenides die seel aus erd und flammen/
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Und wie Leucippus nicht aus sonnen-staube drehn/
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Wo man das grosse licht des himmels und der erden/
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Den unumschränckten Gott vor ihren brunn erkennt;
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Wo endlich die vernunfft nicht soll zur eule werden/
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Und uns durch ihren strahl von wilden thieren trennt/
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Muß auch die blindheit selbst aus ihrem zunder lesen/
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Daß Gott sein erster stern/ der andre witz gewesen.

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Nechst perlen wird durch blut der muschel werth bezeugt;
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Dem sterne der vernunfft folgt die geburt in fürsten:
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Denn ob gleich sclaven auch nach kronen-golde dürsten;
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Justinus auff den thron aus hirten-lenden steigt;
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So bleibt doch ahn und blut der fürsten probe-spiegel/
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Aus dem die
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Drum brach auch Rudolphs geist des pöbels schloß und riegel/
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Und zeigte durch den glantz des fünfften Christian/
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Weil Nordens könige mit seinem blute prangen/
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Daß ihm der dritte stern im vater auffgegangen.

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Doch weil ein schwacher leib auch fürsten-blut erstickt/
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Nur eisen wie magnet/ und spreu wie agtstein liebet;
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Der seelen fetten kern in enge schalen schiebet/
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Ihr abgemeßnes ziel aus seinem circkel rückt/
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Und also stand und blut nur schau-crystallen gleichen/
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An denen ieder fleck sich doppelt grösser macht/
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Wo leib und glieder nicht der seelen dienste reichen.
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So war der himmel auch auff alle kunst bedacht/
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Biß daß er ihn zuletzt in vierden stern gezogen/
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Und ihm ein gleiches pfand am leibe zugewogen.

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Und dieses waren nun die sterne der natur/
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Durch die sein hoher geist zur erden abgestiegen;
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Wie fieng diß adler-kind nicht aber an zu fliegen/
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Als er/ wie Hercules/ auch wieder auffwärts fuhr?
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Ein löw betrachtet schon bey der geburt die klauen;
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Ein bär streicht seiner haut gleich schmuck und farben an:
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So ließ dein vater auch schon in der wiege schauen/
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Und hat/ durchlauchster Printz/ in windeln dargethan/
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Er würde mit der zeit ein Cyrus in geberden/
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Im degen Hannibal/ in reden Cäsar werden.

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Was aug' und hertz versprach/ erfüllte mund und hand/
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Der hoffnung süsse frucht wuchs wie der schnee der glieder/
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Indem sein früher trieb der jugend kinder-lieder/
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So/ wie Amphion schon mit zucker-krafft verbandt.
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Das ist: Indem sein geist/ so wie Augustens tugend/
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Sich in den hellen stern der edlen sanfftmuth schwang/
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Durch strahlen des gesichts/ wie Alexanders jugend
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In die verschloßne brust der feinde selber drang/
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Und also war gemacht/ daß freundlich seyn und singen
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So leicht die menschen kan als elephanten zwingen.

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Das kind der tyranney/ die blinde furchtsamkeit/
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Rieth dem Domitian den garten auszuspiegeln;
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Dein vater durffte sich vor keiner furcht verriegeln/
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Weil ihn der knechte schooß mit federn überstreut/
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Der unterthanen hertz sein gröster schatz gewesen/
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Und wie dem Constantin die sorgen unterstützt;
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Soldaten aber auch aus seiner gunst gelesen;
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Daß nicht Germanicus/ nicht Titus so geblitzt/
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Und printzen offtermahls/ wie königen der bienen/
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Auch güt und honigseim für scharffe stacheln dienen.

71
Auff sanfftmuths-strahlen folgt der stern der tapfferkeit/
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In löwen-kindern muß kein hasen-hertze stecken.
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Ein fürst setzt land und volck in fässel schwerer schrecken/
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Der wie Sardanapal des feindes eisen scheut.
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Wer weiß nicht/ hoher Printz/ was deines vaters degen
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Bey Grav und Charleroy vor schulen abgelegt?
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Wie er sich bey Genef ließ keinen blitz bewegen/
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Und durch der wunden blut der nach-welt eingeprägt/
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Warum die wapen auch der Fürsten seele rühren/
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Und Schleßwigs Hertzoge zwey starcke löwen führen.

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Pompejus warff zugleich den helden-muth in sand/
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Als ihm Pharsalien den stoltzen sieg entrissen.
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Fürst Rudolph aber trat die ungedult mit füssen/
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Wenn ihm das glücke gleich der tugend flügel band.
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Hielt unglück und gefahr vor grimme Crocodilen/
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Die den verfolgenden offt aus den augen gehn;
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Vor stücke/ die umsonst nur schwartze kugeln spielen/
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Wenn Carl der fünffte bleibt im lager stille stehn/
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Und lehrt/ daß glück und sieg wie rosen unter hecken/
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Und wie Castanien in scharffen schalen stecken.

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Nechst degen und pistol verlangt Justinian/
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Daß fürsten auch der stern der wissenschaft soll zieren/
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Denn ohne kunst und witz der erden scepter führen/
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Macht Franckreichs achten Carl den Juden unterthan;
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Hingegen gleicht ein fürst gefirnsten ceder-taffeln/
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Auff denen ieder strich mit klaren farben hafft;
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Besteigt mit mehrer krafft der kronen ehren-staffeln/
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Und lernt/ wie Sylvius/ daß kunst und wissenschafft
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Im pöfel silber nur/ vom adel gold-ertz fangen/
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In fürsten aber gar wie diamanten prangen.

101
Dein vater/ edler Printz/ war höher nicht vergnügt/
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Als wenn sein kluger geist der schrifften feld durchstrichen/
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Worinn der graue ruhm der grundgelehrten Griechen/
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Der Römer redens-art/ der Deutschen würde liegt.
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Doch weil der bücher kern gemüther zwar ergetzen/
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Ihr stachel aber auch Alphonse stürtzen kan/
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So wuste sein verstand auch maaß und ziel zu setzen/
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Sah' purpur und papier mit gleichen augen an/
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Und glaubte/ daß der kiel zwar beyden licht und leben/
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Viel klecken aber nur kan schmutz und eckel geben.

111
Der auszug aller lust/ die forschende Chymie/
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Wieß ihm durch ihre kunst von kupffer gold zu trennen/
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Er aber mühte sich/ weit schärffer zu erkennen/
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Wie man der weißheit gold aus rechten büchern zieh.
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Drum war sein hoher sinn ein Argus voller augen/
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Ein stern/ wo nutz und pracht zusammen sich gepaart/
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Der andre klugheit ließ aus seinem glantze saugen/
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Und dennoch täglich fast an strahlen grösser ward/
119
Zu zeigen/ fürsten-witz sey wie die zimmet-rinden/
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Da sich auff ieden schnitt gleich frische schalen finden.

121
Rühmt nun den scharlach-baum ihr schüler der natur/
122
Weil farb und artzeney aus seinen beeren fliessen/
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Fürst Rudolph ließ die welt nichts weniger geniessen/
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Wenn hülff- und anmuths-safft aus seinem hertzen fuhr/
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Das ist: wenn seine krafft durch bücher und mit degen/
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Durch rath und tapfferkeit/ durch witz und nutz bewährt/
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Daß man ihn anders nicht soll als den Cäsar prägen:
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Dem eine hand ein buch/ die andre stahl und schwerdt/
129
Als pflantzen seines glücks/ und seiner lorbeer-reiser/
130
Mit diesen worten hielt: Aus allen beyden Käyser.

131
Doch wie ein steuermann in tausend sorgen steht/
132
So lange der Compaß den nordstern nicht gefunden:
133
So hält ein kluger fürst auch glück und macht gebunden/
134
So lange sein magnet nicht nach dem himmel geht.
135
Denn ohne gottesfurcht gelehrte bücher lieben/
136
Schleußt der Chinesen witz in schwere ketten ein;
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Und Cäsar hat mit blut ins Capitol geschrieben:
138
Daß schwerdt und wissenschafft nur blinde schützen seyn/
139
Durch die vernunfft und glück den circul leicht verlieren/
140
Wo sie nicht diesen stern zum mittel-puncte führen.

141
Wo aber/ hoher Printz/ nimmt meine feder krafft?
142
Hier deines vaters hertz nach würden auszudrücken?
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Wie seiner augen maß in allen helden-blicken
144
Hat an des himmels gunst wie fester leim gehafft.
145
Ein pestgeschwüre weicht vor schimmernden saphiren:
146
Sein noth- und gifft-saphier war Gott und frömmigkeit/
147
Durch die er seinen geist wie David lernte führen/
148
Und zeigte: daß ein fürst erst rechten purpur streut/
149
Wenn der gestählte muth der tapfferen Ottonen/
150
Und Luneburgs August in seiner seele wohnen.

151
Wiewohl/ wen fässelt nicht der kärcker dieser welt?
152
Wer weiß nicht/ daß sich hier nur gold und koth verbinden?
153
Ein drache läst das gifft doch eher nicht verschwinden/
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Biß der beschäumte leib vom donner niederfällt.
155
So läufft der seelen krafft auch nur auff schnecken-füssen/
156
So lange fleisch und blut den willen hemmen kan:
157
Drum muste sich sein geist hier länger nicht verschliessen/
158
Und trat des leibes angst mit steiffen augen an/
159
Biß endlich ihm der tod der sünden gifft benommen/
160
Und er im himmel ist zur vollen klarheit kommen.

161
Und also/ hoher Printz/ ist deines vaters geist
162
Durch tugend und natur acht sterne durchgestiegen;
163
Doch sein gedächtniß bleibt auch noch auff erden liegen/
164
Weil sich sein ebenbild in deinen augen weist.
165
Epaminondas fieng mit freuden an zu sterben/
166
Weil ihm die feinde nur nicht seinen schild geraubt;
167
Dein vater aber wird den grossen ruhm erwerben/
168
Daß er nechst Gottes schild auch dieses noch behaupt:
169
Daß/ da er hertzog ist im hohen engel-orden/
170
Du auff der erden bist zu seinem bilde worden.

171
Drum auff/ und rüste dich/ zeuch schmertz und thränen ein!
172
Und fiedre deinen geist/ dem vater nachzufliegen.
173
Philippus kan auch noch in seinem tode siegen/
174
Weil er sich kleiner sieht als Alexandern seyn.
175
Der Schweden neundter Carl verdoppelt ruhm und leben/
176
Weil muth und tugend auch aus seinem Adolph blitzt:
177
So wird dein vater auch in aller augen schweben/
178
Weil seiner strahlen gold auff deiner stirne sitzt;
179
Die nach-welt aber wird aus deinen thaten lesen:
180
Daß nur ein unterscheid im namen sey gewesen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Benjamin Neukirch
(16651729)

* 27.03.1665 in Rydzyna, † 15.08.1729 in Ansbach

männlich, geb. Neukirch

Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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