Die dreyfache glücks- und ehren-krone bey dem seligen hintritt Fr. Catharina von der Lith/gebohrner Wesenfeldin

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Benjamin Neukirch: Die dreyfache glücks- und ehren-krone bey dem seligen hintritt Fr. Catharina von der Lith/gebohrner Wesenfeldin (1697)

1
Als Franckreich seinen sohn den Pohlen wieder nahm/
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Und Heinrich durch die flucht zum zweyten throne kam/
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Da warff er die vernunfft erst auff der welt getümmel/
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Nahm Solons lehren an/ die er dem Crösus gab/
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Und riß auff reinen grund drey göldne kronen ab/
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Mit dieser überschrifft: die dritte bleibt im himmel.

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Betrübte! darff ich mich zu rühmen unterstehn/
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Wie eure freundin schon den himmel hier gesehn/
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Und unter dornen auch mit rosen sich verbunden;
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So lernet/ daß ihr geist von gleicher würde war/
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Und darum eher nicht/ als auff der todten-bahr/
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So wie der könig hat die dritte krone funden.

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Was jenem Pohlen war/ das war ihr jungfer-stand/
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In dem sie witz und krantz als festen leim verband/
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Und selbst Penelopen die palmen abgestritten/
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Ihr kleid war Christi blut/ ihr spiegel aber Gott:
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Drum hat sie/ wie der mond/ auch in der grösten noth/
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Zwar öffters finsterniß/ doch keinen bruch erlitten.

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Doch diese krone brach die flamme der natur/
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Als Lithens hoher geist durch ihre seele fuhr;
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Drum legte sie getrost den alten scepter nieder:
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Denn unser könig schrieb auch ihrer stirnen an:
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Ob man gleich kronen offt im kärcker finden kan/
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So sucht ein freyes kind doch seine mutter wieder.

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Wie wenn ein glimmend feur auff einmahl lufft erhält/
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Und der gepreßte dampff aus seinem circkel prellt/
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Alsdenn die presse selbst zu frischem zunder dienet:
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So zog ihr keusches hertz die reine flammen an/
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Und folgte dazumahl dem baume von Japan/
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Der von dem regen stirbt/ und in der sonne grünet.

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Ihr pol-stern war allein ihr allerliebster Lith/
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Lith/ der sich mehr um sie/ als alle welt/ bemüht;
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Auff diesen warff sie nun ihr feuriges verlangen/
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Und prägte bey sich selbst diß ihrer seelen ein:
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Gönnt nur/ mein theurer Lith/ mir seinen sonnenschein/
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So werd' ich monde stets in vollem lichte prangen.

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Was Artemisia/ was Portia gethan/
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Was sich der Grotius vom weibe rühmen kan/
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Und Mommorantia vor ihren printz erlitten;
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Das alles schreibet man durch bücher in die welt;
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Doch wo nicht Momus selbst ein blindes urtheil fällt/
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So hat die selige noch um den preiß gestritten.

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Denn statt der aschen tranck sie Christi freuden-wein/
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Vor kohlen schluckte sie nur himmels-flammen ein/
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Und bat vor ihr gemahl mit heissen thränen-güssen.
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Wenn denn der Labyrinth der sorgen ihn ümschloß/
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Riß sie durch diesen trost ihm alle fässel loß/
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Auch myrrhen lassen erst im sturme gummi fliessen.

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Wie sie sein hertze nun mit zucker überstreut/
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So traff sie auch das gifft der herben sterblichkeit;
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Das licht gebrach ihr offt bey langen sommer-tagen/
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Dacht aber nur ihr geist an seine seelen-lust/
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So kunte wind und sturm auff ihre felsen-brust
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So wenig als der blitz auff grüne lorbeern schlagen.

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Sie wuste/ daß um klee und grünen roßmarin/
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Auch gifftiger napel und coloqvinten blühn/
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Daß selbst der balsam muß aus schnitt und wunden qvellen/
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Und darum lachte sie/ wenn wolck und donner brach/
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Und ahnte der natur der klugen bienen nach/
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Die auch den schierlings-safft in honigseim verstellen.

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Das glücke dieser welt und seiner ehren bahn/
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Diß alles sah sie nur als runde kugeln an/
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Da auff- und niedergang in einem circkel schweben/
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Und lehrte: daß die lust und dieser erden schein
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Nichts/ als Sirenen-klang und falsche Circen/ seyn/
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Da selbst Ulysses nicht kan ohne sorgen leben.

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Und endlich gab ihr leib der erden gute nacht/
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Und will auch in der grufft ohn alle seiden-pracht/
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Wie Maximilian/ in blosser leinwand liegen.
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Ob man nun gleich ihr grab mit golde nicht bestreut/
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So blitzt ihr kronen-gold doch in der ewigkeit/
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Und zeigt/ daß niemand kan vor seinem tode siegen.

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Daß er/ Hoch-Edler/ nun in thränen-saltze schwimmt/
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Daß in dem kinde noch die mutter-liebe glimmt/
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Und ihre freunde fast vor traurigkeit zerfliessen/
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Ist freylich nicht zu viel; denn wo der ancker fällt/
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Wo donner/ blitz und sturm den starcken mast zerschellt/
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Da kan das müde schiff leicht in den abgrund schieffen.

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Hier steht sein werthes haus/ und klaget seine frau/
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Trägt gall und wermuth auff vor süssen nectar-thau/
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Und weiß ihn anders nicht/ als weinend/ zu bedienen;
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Dort liegt sein armer sohn/ und zeigt mit thränen an/
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Daß er noch ohne sie so wenig leben kan/
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Als ein citronen-baum mag ohne sonne grünen.

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Und darum glaub ich leicht/ wie seine seele schwitzt/
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Indem das wetter ihm durch alle glieder blitzt/
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Und er sein liebes-schiff so plötzlich sieht verderben;
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Noch leichter glaub ich auch/ er würde voller pein/
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Dafern sein letzter wunsch nur könte möglich seyn/
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Wie Laodamia in ihrem schatten sterben.

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Was aber bringen uns die thränen endlich ein?
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Ein Christ muß in der glut wie Salamander seyn/
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Und wie ein palmen-baum auch in der kälte grünen.
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Nach sonne folget blitz/ nach regen sonnenschein;
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So strahlt des himmels gunst auch wieder nach der pein/
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Und läst die thränen offt uns zum ergetzen dienen.

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Es lebt die selige nun aller angst befreyt/
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Sie strandet an den port der vollen sicherheit/
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Dem auch Marsilien und Syracusa weichen;
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Und Jesus führt sie selbst mit diesen worten ein:
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Wer in Jerusalem will kind und bürger seyn/
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Muß in Egyptenland erst thon und ziegel streichen.

103
Gesetzt/ daß Südland nun gesunder lüffte sey;
104
Es schätze Persien sein Tebris fieber-frey/
105
Es baue Waldemar ihm tausend sichre thäler:
106
So schaut sie alles doch wie Sodoms-äpffel an/
107
Auff die der blasse todt diß urtheil schreiben kan:
108
Von aussen Carmasin/ von innen dunst und fehler.

109
Denn ihre burg ist nun der thron der ewigkeit/
110
Den stets der engel hand mit rosen überstreut/
111
Und Jesus selber hat mit purpur überzogen:
112
Da wird ihr frommer geist durch keine sorgen matt/
113
Und grünet nach der glut so wie ein liljen-blat/
114
Das wieder frische krafft vom regen angesogen.

115
Drum zieht/ betrübteste/ die schwere thränen ein/
116
Und dencket/ daß wir nichts als seiden-würmer seyn/
117
Die nach erzeugter frucht in voller arbeit sterben:
118
Wohl dem/ der auff den todt schon vor dem tode denckt/
119
Und endlich/ wenn die zeit zwey kronen ihm verschenckt/
120
Wie unsre Lithin kan die dritt' im himmel erben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Benjamin Neukirch
(16651729)

* 27.03.1665 in Rydzyna, † 15.08.1729 in Ansbach

männlich, geb. Neukirch

Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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