So wie ein donner-keil durch hohle cedern fährt/

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Benjamin Neukirch: So wie ein donner-keil durch hohle cedern fährt/ Titel entspricht 1. Vers(1697)

1
So wie ein donner-keil durch hohle cedern fährt/
2
Wenn der gepreßte knall den grünen wald erschüttert:
3
So hat des himmels krafft auch meinen geist verzehrt/
4
Da sie/ betrübteste/ vor seinem donner zittert.
5
Mein brieff soll voller trost und voller zucker seyn;
6
Was aber soll mir doch die schwache feder rühren/
7
Indem wir halb erstarrt cypressen-zweige streun/
8
Und ihren liebsten sohn zum schwartzen grabe führen?
9
Ach allzulieber sohn/ ach allzuschwartzes grab!
10
Wie bald kan glück und zeit doch seinen wechsel finden!
11
Wie bald fällt doch die frucht der reiffen hoffnung ab/
12
Wenn unser lebens-baum läst seine pracht verschwinden.
13
So unbeständig ist der grosse Barmach nicht;
14
So weiß Suratta nicht das wetter zu verkehren;
15
Als wenn des himmels schluß durch die gedancken bricht/
16
Und unsre Babel sich wie schatten-werck verzehren.
17
Wer rühmte/ seligster/ nicht deiner jugend glantz/
18
Die wie ein feigenbaum vor blüte frucht getragen/
19
Als dir die tugend selbst den grünen lorbeer-krantz
20
Und ihren ehren-preiß um deinen kopff geschlagen?
21
Und dennoch schleust die grufft itzt deinen schimmer ein/
22
Der freunde lust-stern muß mit deiner brust erbleichen;
23
Und dein entseelter mund wird selber zeuge seyn/
24
Daß muth und jugend nur dem porcellane gleichen.
25
Des vaters edler ruhm/ der ahnen tapfferkeit/
26
Wird nunmehr allererst auff erden sich vermissen;
27
Nachdem der wunder-fall der kummer-vollen zeit
28
Dich/ als ihr ebenbild/ der stoltzen welt entrissen.
29
Doch dieses nicht allein: das theure Schlesien
30
Fängt auch an über dich/ als seinen sohn/ zu klagen/
31
Und schaut mit thränen an/ daß hier die Najaden/
32
Und nicht sein mutter-arm dich kan zu grabe tragen.
33
Zuletzt kommt Themis selbst und denn die tapfferkeit:
34
Die bricht den festen schild bey deiner grufft in stücken/
35
Und jene hat den leib mit flor und boy bestreut/
36
Und will dich noch als kind an ihre brüste drücken.
37
Diß schreib ich aber nicht/ was deiner brüder weh
38
Vor liebes-seuffzer läst nach deiner seele schiessen;
39
Noch wie die mutter selbst aus ihrer hertzens-see
40
Das saltz der thränen läst als rundte perlen fliessen.
41
Ein offtbeklagter todt verdoppelt nur die pein/
42
Und der muß grausamer als rasende Cyrcassen/
43
Und unempfindlicher als wilde Mohren seyn/
44
Der nicht auff deinen ruhm soll frische thränen lassen.
45
Welch nebel aber klebt doch meinen augen an?
46
Genug/ betrübteste/ die thränen sind verstrichen:
47
Ihr allerliebster sohn tritt auff des himmels bahn/
48
Und ist dem Ninive der erden ausgewichen.
49
Sein blut-bespritzter leib macht nun in Jesu schooß
50
Die rosen-rothe bach zu reinen silber-quellen:
51
Nachdem die seele sich von allen sünden loß/
52
Vor Gottes augen kan in weissem atlaß stellen.
53
Die engel waschen selbst der wunden scharlach ab/
54
Und lehren wie er soll dem höchsten opffer bringen;
55
Er/ der zu guter nacht/ durch das bedeckte grab/
56
An seine freunde noch läst diesen trost erklingen:
57
Adjeu! Ich lebe wohl; denn ist gleich meine brust/
58
So wie der abend-glantz bepurpert untergangen:
59
So glaubt/ daß nach der zeit die sonne meiner lust
60
Auch wie der morgen wird in vollem golde prangen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Benjamin Neukirch
(16651729)

* 27.03.1665 in Rydzyna, † 15.08.1729 in Ansbach

männlich, geb. Neukirch

Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.