An Melinden/ auff ihren namens-tag

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Benjamin Neukirch: An Melinden/ auff ihren namens-tag (1697)

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Auff/ schönste/ tauche dich in milch und rosen-blut!
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Laß deinen mund-rubin erfrischte strahlen fangen/
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Und streich den trüben schaum der herben thränen-flut/
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Und das vergiffte saltz von deinen purpur-wangen.
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Der himmel stellet sich zu deinen diensten ein/
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Die sonne spielet selbst umb deine perlen-glieder.
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Und was dir etwan noch kan kummer-dornen streun/
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Legt dieser stille tag bey deinem bette nieder.
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Du solst (ich rede kurtz) dein namens-fest begehn/
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Drum auff/ und rüste dich/ dein glücke zu begrüssen!
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Dein glücke/ das dich heißt auff lauter rosen stehn
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Und nichts als zucker lässt umb deine lippen fliessen.
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Ich weiß zwar allzu wohl/ daß deine trauer-see
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Von grosser hertzens-angst die worte wird gebähren:
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Ach daß ich ärmste doch noch diesen tag begeh!
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Daß doch die morgen mich nicht wie die nacht verzehren!
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Wohin treibt wind und sturm doch meinen liebes-kahn?
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Ist wohl ein ärmrer mensch auff erden noch zu finden/
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Der komm/ und schaue mich und meine thränen an/
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So will ich gerne mich der sorgen-last entbinden.
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Ach aber liebes kind! die klagen sind zu groß/
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Wer sich aus ungedult zum grabe will verdammen/
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Wird endlich durch den tod zwar dieser erden loß/
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Stürtzt aber leib und seel in tausend höllen-flammen.
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Im glücke lustig seyn ist warlich keine kunst;
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Ein kluger aber saugt auch nectar aus den qvitten/
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Und folgt der sonne nach/ die durch den nebel-dunst
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Zwar öffters finsterniß/ doch keinen bruch erlitten.
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Der liebe frucht entspringt aus einer stunde nicht:
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Erst trincken wir das gifft aus porcellanen schalen/
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Gehn wie die taumelnden/ wenn unser hertze bricht/
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Und schätzen ihren dampff vor lauter freuden-strahlen.
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Nach diesem greifft der schmertz die glieder besser an/
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Das schnelle gifft zerfleust in strome schwartzer sorgen;
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Und endlich/ wenn wir so die proben abgethan/
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So bringt das ende nichts als süsse frühlings-morgen.
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Ach liebste! kanst du nun dem himmel noch vertraun/
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So trag das kummer-joch mit unverzagtem rücken;
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Denn die ihr glücke nur auff Gottes felsen baun/
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Die brechen angst und noth wie schwaches rohr in stücken.
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Mein hertze leget sich zu deinen füssen hin/
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Ich schencke mich dir selbst zum schemmel deiner plagen/
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Und schwere/ wo ich dir nicht gar zuwider bin/
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So solst du nur ein loth/ ich aber centner tragen.
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Mehr hab ich ärmster nicht/ das weist du selber wohl/
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Denn meine schätze sind nur wollen und entschliessen/
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Sonst trieb ich deinen ruhm biß an den sternen-pol/
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Und liesse nichts als gold aus meiner feder fliessen.
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Nun/ allerliebstes kind! erkenne meine treu;
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Was dieser schrifft gebricht/ ersetzen meine flammen.
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Springt gleich das glücke nicht itzt meiner armuth bey/
52
So schlägt die liebe doch in frische glut zusammen.
53
Du solt in kurtzer zeit mit andern augen sehn/
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Wie dich dein treuer knecht wird suchen zu bedienen/
55
Wenn kummer/ ach und weh zu grabe werden gehn/
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Und unsre freude wird in vollen knospen grünen.
57
Der himmel schencke dir nur ferner sonnenschein/
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Und führe deinen fuß von dornen auff narcissen!
59
Du aber ziehe selbst den strom der thränen ein/
60
Sonst wird mein leben so wie deine lust zerrissen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Benjamin Neukirch
(16651729)

* 27.03.1665 in Rydzyna, † 15.08.1729 in Ansbach

männlich, geb. Neukirch

Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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